Gameforge: Die Stellungnahme des Publishers

Gestern haben wir darüber berichtet, dass es Gerüchte über eine Zusammenarbeit des MMO-Publishers Gameforge und einer Webseite für Goldverkäufe gegeben hat. Nun hat, wie nicht anders zu erwarten, Gameforge dazu Stellung bezogen und Fehler in der Vergangenheit eingeräumt.

Man habe in der Tat im Jahr 2005 mit einer solchen Webseite zusammen gearbeitet, aber nie direkte Erlöse aus dem Verkauf von Gegenständen oder Gold bezogen. Man habe lediglich einige Werbebanner im Spiel OGame geschaltet und damit sofort Proteste bei der Community ausgelöst. Daraufhin habe man “damals allerdings relativ schnell die Reißleine gezogen”. Der Vertrag mit der Goldselling-Webseite habe noch bis 2007 bestanden, aber seit dem Vorfall im Jahre 2005 geruht – es habe also keine weitere Zusammenarbeit gegeben.

Aus heutiger Sicht sieht auch Gameforge, dass dieses Verhalten ein Fehler war, beruft sich aber darauf, dass im Jahr 2005 noch nicht absehbar war, wie die rechtliche Lage im Bezug auf den Verkauf von Ingamegegenständen und Gold wirklich aussehe. Heute untersage Gameforge selber solche Geschäfte in ihren AGBs und stehe definitiv “für eine klare Haltung gegen Goldseller.”

Zitat von: Offizielle Presseerklärung von Gameforge
Gameforge lehnt grundsätzlich »Goldselling« ab, diese Haltung ist seit Jahren Unternehmenspolitik und auch in den AGB unserer Spiele festgeschrieben.

Gameforge war allerdings im Jahr 2005 für kurze Zeit an Ingameparadise beteiligt. “Umfangreiche Werbekampagnen”, wie im Artikel behauptet, hat es in dieser Zeit nicht gegeben — einige Tage lang liefen Banner für Ingameparadise im Spiel OGame. Nach User-Protesten wurden die Banner wieder abgeschaltet. Das Geschäftsmodell von Ingameparadise stellte sich für Gameforge in der Folge als nicht tragfähig und rechtlich nicht eindeutig heraus. Am 28.12.2005 verkaufte Gameforge die Anteile an Ingameparadise Ltd. an den Geschäftsführer zurück. Damit ruhte die Geschäftsbeziehung. Der Vertrag zwischen der Ingameparadise Ltd. und Gameforge lief noch bis 2007 weiter, war aber ruhend. Gameforge hat aus der Geschäftsbeziehung weder Leistungen bezogen, mit Ausnahme des Hostings der Website von Ingameparadise Ltd. (bis Ende 2005) und einigen Tagen Bannerschaltung in OGame, noch Leistungen erbracht.

Aus heutiger Sicht und mehr als sechs Jahre später halten wir die kurze Geschäftsbeziehung mit Ingameparadise für einen Fehler. Im Jahr 2005 stellte sich die Angelegenheit jedoch noch nicht so klar dar wie heute. Nichtsdestotrotz haben wir damals allerdings relativ schnell die Reißleine gezogen und die Geschäftsbeziehung beendet. Gameforge hat niemals direkt Ingame-Währung von Spielen anderer Anbieter verkauft und war nach dem 28.12.2005 auch nicht mehr an einer Firma beteiligt, die das getan hat.

Wir halten es angesichts der rasanten Entwicklung des Onlinegames-Marktes in den vergangenen Jahren für wichtig, die Historie zu betrachten: Anfang 2005 war noch unklar, ob und wie man mit kostenlosen Spielen im überhaupt Geld verdienen kann. Gameforge war ein kleines Startup-Unternehmen mit drei Spielen, das in geringem Umfang Geld mit Werbebannern in Spielen verdiente. Da Werbung im Spiel allerdings bei Spielern unbeliebt ist, suchte Gameforge nach alternativen Einnahmen und beteiligte sich an Firmen mit neuartigen Geschäftsmodellen. Eine davon war die Ingameparadise, die Ingame-Gold in Asien einkaufte und in Deutschland verkaufte. Die Rechtslage stellte sich vor über sechs Jahren in der sehr jungen Branche nicht so eindeutig dar wie heute. So stellte beispielsweise der Rechtsanwalt Dr. Andreas Lober in einem Artikel vom 29.11.2005 fest:

“[…]In Deutschland gibt es mittlerweile mit Gameeconomy und Ingameparadise […] zwei Anbieter. Diese kaufen und verkaufen Items aus Onlinespielen […]. Viele Spieleanbieter versuchen, solchen Handel mit virtuellen Items gegen echtes Geld in ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen auszuschließen. […] Derartige Verbote müssen sich am Recht der allgemeinen Geschäftsbedingungen messen lassen. Nach AGB-Recht sind beispielsweise überraschende Klauseln unwirksam. Angesichts des inzwischen etablierten Handels mit solchen Gegenständen spricht viel dafür, dass ein solches Verbot grundsätzlich überraschend ist. […]”.

Dieser Textauszug von Dr. Andreas Lober entstand auf Grundlage einer wissenschaftlichen Untersuchung, die der Autor zusammen mit Herrn Olaf Weber, LL.M., Richter in Saarbrücken, verfasst hat.

Heute, im Jahr 2011, ist die einhellige Rechtsauffassung eine andere.

Wir möchten uns abschließend noch einmal für diesen Makel in unserer Firmengeschichte entschuldigen, versichern aber, dass wir aus der Angelegenheit seinerzeit unsere Lehren gezogen haben: Gameforge steht für eine klare Haltung gegen Goldseller.

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