Jay Wilson zum WoW-Talentesystem: “0,1 Sek. weniger Castzeit per Punkt klingt nicht wirklich toll.”

Ihr erinnert euch sicher noch, wie gross der Sturm der Entrüstung war, als mit Cataclysm das Talentesystem von WoW gründlich abgespeckt wurde und die Spieler sich zu Recht fragten, wo denn jetzt die Individualisierung beim Aufbau des Charakter-Builds bleibt. Ähnliches passierte nun scheinbar auch bei Diablo 3, wo quasi “last minute” nach den Inhouse-Tests und vor der Beta alle Skillpunkte rausflogen und die Individualisierung nur noch über die begrenzte Skillauswahl und die Runensteine möglich sein wird.


Jay Wilson (links) und der “Square Shirt Guy” (rechts)
Auf der derzeit laufenden gamescom in Köln hatte unser Garry die Gelegenheit, Diablo 3 Game Director Jay Wilson mal persönlich zu den “Sparmassnahmen” zu befragen, und der gab dabei ein paar überraschende Statements zum WoW-Talentesystem ab:

Zitat von: Jay Wilson
[…] Auf der einen Seite nehmen wir die Skillpunkte aus dem Spiel und die Leute sagen: “Das ist aber doch so ein wichtiger Punkt für eine Individualisierung!” Wir sagen: “Nicht wirklich. Es ist ein leichtes Anwachsen der Stärke.” […] Am Ende hat man nur wenige Skills, die man hochgelevelt hat, und selbst wenn man noch ein paar Punkte übrig hat: Wenn man einen Skill nicht auf’s Maximum bringen kann, ist er nutzlos. Am Schluss hat man also ein oder zwei mächtige Fähigkeiten und das ist alles, was man braucht. Wir wollen ein Spiel machen, das über mehr Action verfügt.

gamona: Aber auf der anderen Seite ist das doch dasselbe, was auch die Kollegen vom World of WarCraft Team gemacht haben. Die haben doch auch Skilltrees und Skillpoints. Man könnte das dann doch auch gleich aus World of WarCraft nehmen.

Der Unterschied zwischen uns und World of WarCraft ist, dass deren System nicht der Kern der Skills der Spieler ist. Es ist ein Individualisierungssystem. Sicher, sie haben mehr Punkte. Aber ich denke, dass vieles davon sich kaum ausnimmt. Man hat einen Talentpunkt, der die Castzeit um 0,1 Sekunden verringert. Ist das jetzt so toll? Ich denke nicht. Und das wollten wir in Diablo 3 nicht drin haben. Skillpoints sind so eine kleine Verbesserung der eigentlichen Stärke des Charakters, es ist eigentlich keine wichtige Option. Vor allem: In den meisten Fällen haben die Leute diese Wahl auch garnicht selbst getroffen. Sie sind meistens auf eine Webseite gegangen um herauszubekommen, was das Optimum ist. Das ist keine Individualisierung. Ja, Skillpoints ermöglichen viele unterschiedliche Kombinationen, aber die Klassen fühlen sich nicht wirklich unterschiedlich an. Wenn man bei uns einen Skill anders wählt, oder zwei andere Runen hat als jemand anderes, dann hat man ein komplett anderes Spielerlebnis.

Das ist natürlich ein dicker Rundumschlag gegen das aktuelle WoW-Talentesystem und es zeigt an, wohin die Reise künftig gehen könnte (Stichwort “Titan”). Diablo 3 bringt hier den frischen Wind, den auch das betagte WoW-Sytem im Rahmen einer weiteren Komplettüberarbeitung dringend brauchen könnte, und man darf gespannt sein, ob irgendetwas davon vielleicht in der 4. WoW Erweiterung kommen wird.

Das wirklich empfehlenswerte Interview mit Jay Wilson, bei dem übrigens auch noch mal über das “Echtgeld”-Auktionshaus gesprochen wird, könnt ich euch oben ansehen.

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