Der Prozess gegen Breivik und das vermeintliche Killerspiel World of Warcraft

Man kann’s ja nicht mehr hören: Immer wenn irgendwo wieder irgendwer Amok gelaufen ist oder ganz besonders blutrünstige Gewalttaten verübt hat, dann müssen die Computerspiele als Ursache bzw. Auslöser herhalten. Gerne verschweigen wird dabei, dass wir in einer latent gewalttätigen, zusehends rücksichtsloser werdenden Gesellschaft leben, in der einzig das Vorankommen des Einzelnen zählt und nicht das Gemeinwohl, das eben jenen Eskalationen den Boden wirkungsvoll entziehen würde.

World of Warcraft als popkulturelles Massen-Phänomen mit immer noch rund 10 Millionen aktiven Spielern weltweit scheint dabei besonders gerne von blauäugigen Juristen bei der Motivfindung herangezogen zu werden, so wie im heute begonnenen Prozess gegen Anders Behring Breivik, der Täter der Anschläge in Norwegen im Jahr 2011, bei denen 77 Menschen ums Leben kamen. Als Motiv für die Anschläge gab der Mann an, Norwegen gegen den Islam und den “Kulturmarxismus” verteidigen zu wollen. Laut einem im November 2011 bekanntgegebenen rechtspsychiatrischen Gutachten war Breivik zur Tatzeit aufgrund einer paranoiden Schizophrenie nicht zurechnungsfähig. Ein zweites Gutachten kam zu dem gegenteiligen Ergebnis.

Wie das Magazin Focus Online heute schreib, scheint sich der Staatsanwalt bei der Anklage nun genau auf den Punkt der Gewalttätigkeit der World of Warcraft versteifen zu wollen. Zitat:

Zitat von: Focus Online (Quelle)
Als der Staatsanwalt am Dienstag die Anklageschrift verließt, hebt er einen Punkt besonders hervor: Breivik war zwischen 2006 und 2007 regelmäßiger World-of-Warcraft-Spieler. Nach eigenen Angaben soll er sogar „sehr gut“ gewesen sein. Der Name einer Figur Breiviks dort: „Justicar Andersnordic“. Als ein Foto seines Avatars gezeigt wird, lächelt Breivik. Gewalttätig sei das Spiel, sagt der Staatsanwalt.

Dabei ist doch gerade in World of Warcraft die Gewaltdarstellung weit weniger brutal und realitätsnah als in anderen Computerspielen wie “Rage”, “Call of Duty” u.v.a.m. Zudem verweisen Wissenschaftler darauf, dass ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von Gewaltdarstellungen in Computerspielen und tatsächlich ausgeübter Gewalt nicht nachweisbar sei.

Bei soviel Ignoranz der norwegischen Judikative möchte ich Folgendes anmerken: Dass der Attentäter “anders” tickt als seine Mitmenschen hätte man doch schon an seinem Vornamen erkennen können: Anders. Warum ist das in den 32 Jahren, die dieser Mann bereits lebt, niemand aufgefallen? Alter Schwede!

Danke für den Hinweis an unseren Leser Cabal.