Interview mit Senior Director of Audio Russell Brower

Blizzard hat ein Interview mit Russell Brower veröffentlicht, in dem der Senior Director of Audio über das Erstellen des Mists of Pandaria Soundtracks spricht und seine Ansichten zur Musik in Spielen näher erläutert.

Sound und Musik sind ein essentieller Part vom Spiel, der Sound hilft konstant in das Spiel einzutauchen. Soundeffekte und Musik müssen nicht übersetzt werden, sondern sie sind im Prinzip eine universelle Sprache. Zwar gibt es einige Spieler, deren Sound abgeschaltet ist, weil sie sich konzentrieren wollen oder sich im TS unterhalten, jedoch ist das Team darum bemüht, die Spieler davon abzuhalten ihren Sound abzudrehen.

Um Spieler mit Geräuschen nicht zu belästigen, wurde zum Beispiel die Lautstärke von automatischen Sounds (wie der Ton beim Abschluss der Installaion/Patch) reduziert, um die Nutzer nicht zu sehr zu erschrecken. Auch wurde der Cataclysm Login-Screen sehr viel ruhiger und leiser gehalten als Sindragosa beim WotLK-Screen, da viele Spieler irgendwann von ihrem konstanten Brüllen genervt waren.

Der MoP Soundtrack unterscheidet sich ziemlich stark von den vorherigen Erweiterungen. Dafür wurde die Palette der bisherigen Orchester-Töne mit chinesischen Instrumenten erweitert. Es sollte das asiatische Thema aufgenommen werden, jedoch auch weiterhin an Warcraft erinnern. Unter anderem verwendeten sie eine Erhu (chin. Geige), eine Guzheng (ähnelt einer Harfe), eine Dizi (chin. Querflöte), eine Pipa (ähnelt einer Laute) und chinesische Trommeln.

In WoW und Diablo soll die Musik das Spielerlebnis vertiefen. In Diablo ist es eher stimmungsfördernd und soll zur Charakterentwicklung beitragen – es gibt z.B. ein Theme für Diablo und eines für Leah. Bei Starcraft muss die Musik eher dezent bleiben, da dort das Spiel so rasant ist. So gibt es auf den Maps eigentlich nur Musik, um das Spiel cooler zu machen. Dafür ist sie in den Cinematics aussagekräftiger. Auch hier besitzt jede Rasse eine spezifische Musiksignatur.

Bei WoW gibt es recht spezifische Melodievorgaben und Tonfarben für Allianz sowie Horde und weitere wichtige Figuren. Die Rolle der Musik in WoW ist sehr nah an der Rolle der Musik in Filmen, mit der man Dinge übermitteln kann, für die man sonst sehr viele Worte bräuchte.

In “The Traveler’s Path” kann man einer konstruierten, erfundenen Sprache lauschen. Lehrensucher Cho erzählt die Geschichte von Liu Leng und der Schildkröte Shen-zin-zu und das Lied sollte eine simple Melodie besitzen, in etwa wie von einem alten Volkslied. Das Team ist dabei sicher gegangen, dass man keine anstößigen Wörter in irgendwelchen realen Sprachen im Text benutzt.

Wer sich auf der Wandernden Insel etwas abseits bewegt, kann einen NPC (Lehrensucher Ruolin) entdecken, der dieses Lied vorsingt. Und wann immer Spieler sich in Pandaria mystischen Gewässern nähern, die den Jinyu Visionen über Vergangenheit oder Zukunft verleihen können, hören sie sogar eine echte Säge und ein Theremin im Stück “Go Ask the River”.

Um Inspiration zu sammeln, erhält das Team so früh wie möglich Konzeptzeichnungen und Informationen zum nächsten Patch/Erweiterung. Daraus müssen Plane erstellt und entschieden werden, welche Stimmen etc. gecastet werden müssen.

Für das Casting für MoP wurde stark mit der Screen Actor’s Guild zusammengearbeitet, um passende Stimmen und Akzente zu finden. Außerdem mussten sie lernen für die neuen Instrumente zu schreiben, denn diese besaßen nicht immer die Tonbreite der Orchester-Instrumente und manchmal mussten sie speziell vorgehen, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten.

Für Mists of Pandaria wurden siebeneinhalb Stunden Musik komponiert – WoW umfasst nun insgesamt 45 Stunden Musik, davon 12 Stunden Hintergrundmusik. Der erste Soundtrack für Vanilla WoW wurde vor allem in Gruppen angeordnet und nicht als Album angelegt. Seit The Burning Crusade werden Alben auch für Zusammenstellungen abseits des Spiels angelegt.

Die Grundversion des Spiels umfasste ca. 2 Stunden Musik, inzwischen werden 6-8 Stunden pro Erweiterung und meist 1 Stunde Musik für einen Patch komponiert. Nicht alle dieser Stunden wirken noch außerhalb des Spiels (z.B. die Hintergrundmusik), jedoch kann man aus anderen Tracks eine Art Geschichte aufbauen, die von Track zu Track ineinander übergeht, woraus die bekannten Soundtracks entstanden.

Den Soundtrack von Mists of Pandaria und den weiteren Erweiterungen findet ihr mit Hörproben und Kaufmöglichkeit im Blizzard Musik-Bereich.

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