Warcraft – Auszug aus Vol’jin: Shadows of the Horde

Bereits in Patch 5.1 hat Vol’jin eine prominentere Rolle in World of Warcraft eingenommen, die sich nun in Patch 5.3 fortsetzt. Im neuen Warcraft-Roman Vol’jin: Schatten der Horde, der weltweit am 2. Juli 2013 erscheinen wird, erfahrt ihr mehr darüber, was mit Vol’jin in der Zwischenzeit passiert ist.

Von Garrosh für tot gehalten, nachdem ein Attentäter ihn stark verletzt hatte, wird er von Chen Sturmbräu gerettet und in ein geheimes Kloster gebracht. Dort erholt er sich zusammen mit einem mysteriösen Soldaten aus den Reihen der Menschen.

Er ringt mit altem Hass zwischen der Allianz und Horde und wird außerdem in die Invasion der Zandalari verwickelt. Diese Trolle machen ihm ein sehr verlockendes Angebot nach dem Verrat Garroshs, um zu dem Ruhm zu gelangen, der dem Geburtsrecht aller Trolle entspricht.

Im Folgenden findet ihr einen deutschen und englischen Auszug des Romans von Michael Stackpole.

Als er wieder zu Bewusstsein kam, stellte Vol’jin fest, dass er gesund und munter war, von beträchtlicher Körperkraft und aufrecht stehend. Die Sonne brannte grimmig auf ihn hernieder, während er sich zusammen mit Tausenden von anderen Trollen in einem Hof drängte. Die meisten schienen fast einen Kopf größer zu sein als er, doch keiner machte eine große Sache daraus. Tatsächlich schien ihn überhaupt keiner von den anderen zu bemerken.

Wieder ein Traum. Eine Vision.

Er erkannte den Ort, an dem er sich befand, nicht sofort, auch wenn ihn das Gefühl beschlich, früher schon einmal hier gewesen zu sein. Oder eher später, da sich diese Stadt der Invasion des Dschungels ringsum noch nicht ergeben zu haben schien. Die Steinschnitzereien an den Wänden waren klar und deutlich. Die Torbögen waren allesamt noch intakt. Die Pflastersteine waren weder kaputt gemacht noch geplündert worden. Und die Stufenpyramide, vor der sie alle standen, war noch nicht von den Zähnen der Zeit verwüstet.

Er stand inmitten einer Gruppe von Zandalari, Angehörigen jenes Troll-Stamms, von dem alle anderen Stämme abstammten. Im Laufe der Jahre waren die Zandalari größer geworden als die meisten und überschwänglich. In seiner Vision schien es sich bei ihnen weniger um einen Stamm als um eine Kaste von Priestern zu handeln, mächtig und gebildet, in jeder Hinsicht bereit, die Führung zu übernehmen.

In Vol’jins Zeit jedoch war ihre Gabe zu führen nicht mehr dieselbe wie zuvor. Wegen ihrer Träume waren alle hier gefangen.

Dies war das Zandalari-Imperium auf dem Höhepunkt seiner Macht. Einst beherrschte es Azeroth, bevor es seiner eigenen Macht zum Opfer fiel. Gier und Habsucht ließen Intrigen sprießen. Splittergruppen spalteten sich ab. Neue Reiche entstanden, wie etwa das Gurubashi-Reich, das Vol’jins eigene Dunkelspeertrolle ins Exil trieb, ehe es ebenfalls unterging.

Die Zandalari sehnten sich nach einer Rückkehr jener Zeiten, in denen sie die Vorherrschaft innehatten. In jenen Tagen waren die Trolle eine höchst noble Rasse gewesen. Vereint waren die Trolle in Sphären aufgestiegen, die alles übertrafen, was jemand wie Garrosh sich auch nur je hätte träumen lassen.

Ein Gefühl uralter, starker Magie durchströmte Vol’jin, um ihm die Erkenntnis zuteilwerden zu lassen, warum er ausgerechnet die Zandalari sah. Die Magie der Titanen war sogar noch älter als die Zandalari. Und sie war noch mächtiger. So hoch, wie die Zandalari über jenen Dingen gestanden hatten, die sich am Boden schlängelten und stachen, so weit standen die Titanen über ihnen – ebenso wie ihre Magie.

Vol’jin bewegte sich durch die Menge wie ein Zuschauer. In den Gesichtern der Zandalari glomm ein furchtsames Lächeln – ein Lächeln von der Art, wie er es bei Trollen gesehen hatte, wenn Trompeten schmetterten und Trommeln hämmerten, um sie in den Kampf zu rufen. Die Trolle waren dazu geboren, ihre Gegner zu erschlagen und in Stücke zu reißen – Azeroth war ihre Welt, und alles darin hatte sich ihnen zu unterwerfen. Und obgleich Vol’jin mit anderen Trollen vielleicht nicht einer Meinung darüber war, wer genau ihre Gegner waren, war er nicht weniger erbittert im Gefecht und ungemein stolz darauf, wie die Dunkelspeere ihre Feinde bezwungen und die Echo-Inseln befreit hatten.

Dann will Bwonsamdi mich mit dieser Vision also verhöhnen. Die Zandalari träumten von einem Imperium, und Vol’jin wünschte sich nur das Beste für sein Volk. Vol’jin kannte den Unterschied zwischen diesen Dingen. Ein Massaker zu planen, war nicht schwer; eine Zukunft zu erschaffen, dazu brauchte es wesentlich mehr. Für einen Loa, der seine Opfer blutig und kampfgeschunden mochte, barg Vol’jins Ansatz nur wenig Reiz.

Vol’jin stieg die Pyramide empor. Während er höherkletterte, gewannen die Dinge an Substanz. Hatte er sich zuvor in einer stummen Welt befunden, konnte er jetzt Trommeln spüren, die durch den Stein vibrierten. Die Brise strich über sein helles Fell, zerzauste sein Haar. Sie trug den süßlichen Ge- ruch von Blumen in sich – einen Geruch, der nur unwesentlich intensiver war als der von vergossenem Blut.

Das Trommeln ergriff von ihm Besitz. Sein Herz schlug rhythmisch. Stimmen drangen an sein Ohr. Rufe von unten. Befehle von oben. Er weigerte sich zurückzuweichen, kletterte aber auch nicht höher. Ihm war, als würde er durch die Zeit aufsteigen wie durch Seewasser. Wenn er die Spitze erreichte, würde er bei den Zandalari angelangt sein und fühlen, was sie fühlten. Er würde ihren Stolz erfahren. Er würde in ihren Träumen sein.

Er würde zu einem der ihren werden.

Diesen Luxus würde er sich nicht erlauben.

Sein Traum für den Dunkelspeer-Stamm mochte Bwonsamdi nicht begeistert haben, doch für die Dunkelspeere bedeutete er Leben. Das Azeroth, das die Zandalari einst kannten, hatte sich vollkommen und unwiederbringlich verändert. Portale hatten sich aufgetan, durch die neue Völker hergekommen waren. Länder waren zerschmettert, Rassen pervertiert und mehr Macht freigesetzt worden, als die Zandalari auch nur ahnten, dass sie existierte. Die grundverschiedenen Rassen – darunter Elfen, Menschen, Trolle, Orcs und sogar Goblins – hatten sich zusammengetan, um Todesschwinge zu bezwingen, um so ein Machtgefüge zu erschaffen, das gegen die Zandalari aufbegehrte und sie beleidigte. Die Zandalari gierten danach, ihre Herrschaft über eine Welt zurückzuerlangen, die sich so sehr gewandelt hatte, dass sich ihre Träume niemals erfüllen würden.

Vol’jin zügelte sich. Niemals ist so ein endgültiges Wort.

Innerhalb eines Lidschlags veränderte sich die Vision. Er stand auf dem Gipfel der Pyramide und blickte in die Gesichter der Dunkelspeere hinab. Seiner Dunkelspeere. Sie vertrauten auf sein Wissen der Welt. Wenn er ihnen sagte, dass es ihnen gelingen könne, den Ruhm wiederzuerlangen, den sie einst besaßen, würden sie ihm folgen. Wenn er ihnen befahl, das Schlingendorntal oder Durotar zu nehmen, würden sie es tun. Die Dunkelspeere würden die Inseln tilgen und alles unterjochen, das ihnen in die Quere kam, und das allein, weil er wünschte, dass es getan wurde.

Er konnte es vollbringen. Er sah eine Möglichkeit dazu. Thrall hatte ihm Gehör geschenkt, und der Orc hatte ihm in militärischen Angelegenheiten vertraut. Er konnte die Monate der Genesung dazu nutzen, Feldzüge zu planen und Strategien in die Wege zu leiten. Innerhalb von ein oder zwei Jahren nach seiner Rückkehr aus Pandaria – falls er sich nach wie vor dort aufhielt – würde das Dunkelspeer-Banner mit Blut gesalbt sein und gefürchteter als jemals zuvor.

Und was würde mir das bringen?

Ich wäre zufriedengestellt.

Vol’jin wirbelte herum. Bwonsamdi ragte über ihm auf, eine titanenhafte Gestalt mit nach vorne gerichteten Ohren, bestrebt, die pulsierenden Rufe von unten in sich aufzunehmen. Es würde dir Frieden bringen, Vol’jin, da du damit das tätest, was deine Troll­Natur verlangt.

Ist das alles, wofür wir bestimmt sind?

Für den Loa braucht ihr nicht zu mehr bestimmt zu sein. Welchen Sinn hätte es auch, wenn ihr mehr wäret?

Vol’jin suchte nach einer Antwort auf diese Frage, doch alles, was sich ihm darbot, war eine Leere, deren Dunkelheit sich nach ihm ausstreckte und ihn umschlang, um ihn ohne Antworten und mit Sicherheit auch ohne Frieden zurückzulassen.

When awareness came to him again, Vol’jin found himself whole and hale, strong of limb and standing tall. A fierce sun beat down on him as he stood in a courtyard with thousands of other trolls. They had nearly a head’s height on him, yet none of them made an issue of it. In fact, none of them seemed to notice him at all.

Another dream. A vision.

He did not immediately recognize the place, though he had a sense that he’d been there before. Or, rather, later, for this city had not surrendered to the surrounding jungle’s invasion. The stone carvings on walls remained crisp and clear. Arches had not been shattered. Cobbles had not been broken or scavenged. And the stepped pyramid, before which they all stood, had not been humbled by time’s ravages.

He stood amid a crowd of Zandalari, members of the troll tribe from which all other tribes had descended. They had become, over the years, taller than most and exalted. In the vision they seemed less a tribe than a caste of priests, powerful and educated, quite apt for leading.

But in Vol’jin’s time, their ability to lead had degraded. It is because their dreams all be trapped here.

This was the Zandalar empire at the height of its power. It dominated Azeroth but would fall victim to its own might. Greed and avarice would spark intrigues. Factions would split. New empires would rise, like the Gurubashi empire, which would drive Vol’jin’s Darkspear trolls into exile. Then it would fall too.

The Zandalari hungered for a return to the time when they were ascendant. It was a time when trolls were a most noble race. The trolls, united, had risen to heights which someone like Garrosh Hellscream could not possibly dream existed.

A sense of magic ancient and powerful flooded through Vol’jin, providing him the key to why he was seeing the Zandalari. Titan magic predated even the Zandalari. It was more powerful than they were. As high as the Zandalari had been above things that slithered and stung, so were the titans above them—likewise their magic.

Vol’jin moved through the crowd as might a specter. The Zandalari faces glowed with fearsome smiles—the sort he’d seen on trolls when trumpets blared and drums pounded, inviting them to battle. Trolls were built to rend and slay—Azeroth was their world, and all in it were subject to their dominion. Though Vol’jin might differ with other trolls as to the identity of their enemies, he was no less fierce in battle, and vastly proud of how the Darkspears had conquered their foes and liberated the Echo Isles.

So Bwonsamdi be mocking me with this vision. The Zandalari dreamed of empire, and Vol’jin wished the best for his people. Vol’jin knew the difference. It was simple enough to plan for slaughter and far more complex to create a future. For a loa who liked his sacrifices bloody and battle-torn, Vol’jin’s vision held little appeal.

Vol’jin ascended the pyramid. As he moved up, things became more substantial. Whereas before he had been in a silent world, he could now feel drums thrumming up through the stone. The breeze brushed over his light fur, tousled his hair. It brought with it the sweet scent of flowers—a scent just slightly sharper than that of spilled blood.

The drumming pounded into him. His heart beat in time. Voices came to him. Shouts from below. Commands from above. He refused to retreat but stopped climbing higher. It seemed he might be rising through time as he would be rising through lake water. If he reached the top, he would be there with the Zandalari and feel what they felt. He would know their pride. He would breathe in their dreams.

He would become one with them.

He would not allow himself that luxury.

His dream for the Darkspear tribe might not have excited Bwonsamdi, but it provided life for the Darkspears. The Azeroth the Zandalari had known had been utterly and irrevocably changed. Portals had been opened. New peoples had come through. Lands had been shattered, races warped, and more power released than the Zandalari knew existed. The disparate races—elves, humans, trolls, orcs, and even goblins, among others—had united to defeat Deathwing, creating a power structure that revolted and offended the Zandalari. The Zandalari hungered to reestablish rule over a world that had so changed that their dreams could never come true.

Vol’jin caught himself. “Never” be a powerful word.

In an eyeblink the vision shifted. He now stood at the pyramid’s apex, looking down into the faces of the Darkspears. His Darkspears. They trusted his knowledge of the world. If he told them they could recapture the glory that was once theirs, they would follow him. If he commanded them to take Stranglethorn or Durotar, they would. The Darkspears would boil out of the islands, subjugating all in their path, simply because he wished it done.

He could do it. He could see a way. He’d had Thrall’s ear, and the orc had trusted him in military matters. He could spend the months of recuperation plotting out the campaigns and organizing strategies. Within a year or two of his return from Pandaria—if that was still where he was—the Darkspear banner would be anointed with blood and more feared than it already was.

And what be that gaining me?

I would be pleased.

Vol’jin spun. Bwonsamdi stood above him, a titanic figure, ears forward and straining to gather the pulsed shouts from below. It would gain you peace, Vol’jin, for you be doing what your troll nature demands.

Is that all we be meant for?

The loa do not require you to be more. What purpose be there in your bein’ more?

Vol’jin looked for an answer to that question. His search left him staring at a void. Its darkness reached and engulfed him, leaving him with no answer and certainly no peace.

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