Mists of Pandaria Patch 5.4 Blog: Garrosh, die Wahre Horde und die finale Schlacht um Azeroth

Die Schunkeldamen von den Betriebsfeiern kennt wohl jeder, aber was sind Dunkelschamanen? Und wer ist die Wahre Horde, deren oberster Kriegsherr Garrosh Hellscream im Raid Belagerung von Orgrimmar sein wird? Auf Seiten der roten Fraktion ist vieles in Bewegung, und der Autor dieses Blogs will heute anlässlich des kommenden Mists of Pandaria Patches 5.4 mal einen Blick auf den Status Quo in der World of WarCraft werfen und auch schon eine Prognose wagen, wie es weiter gehen könnte.

Ich beschränke mich dabei aufs Wesentliche, damit der Überblick gewahrt bleibt. Wer tiefer in die umfangreiche, komplexe WarCraft-Geschichte einsteigen möchte, dem empfehle ich die Lektüre unserer beiden Artikel Ursprünge und die Jahre vor der Invasion und Vom Beginn der Invasion bis heute.

Garrosh

Garrosh ist neben Gamon wohl die am meisten zu bemitleidende Figur innerhalb der Horde. Er bezieht zwar nicht ständig Prügel wie Gamon – wer würde sich auch schon mit einem so mächtigen Kriegshäuptling anlegen wollen – aber er ist wohl der verhassteste Orc, den es jemals in der Geschichte von WarCraft gegeben hat. Wie konnte es soweit kommen? Dieser Frage wird mein Blog nachgehen und zeigen, dass Garrosh bei allen Fehlern, die er gemacht hat, im Kern doch ein echter Hellscream ist, dem das Überleben der Horde und letztlich das Leben auf der Welt Azeroth angesichts der aufziehenden Bedrohung über alles geht.

Garrosh Hellscream auf seinem Thron
Schon sein Einstand als Nachfolger von Thrall stand unter keinem guten Stern, tötete Garrosh in einem Ehrenduell um den Posten als oberster Kriegsherr doch den beliebten Taurenhäuptling Cairne Bloodhoof – wenn auch nicht vorsätzlich, denn es war Cairnes Rivalin Magatha Grimtotem, die Garrosh Waffe heimlich mit Gift präpariert hatte. Der Rest ist “Mists of Pandaria”-Geschichte. Der massige, stumpf wirkende Riese ist scheinbar ein machtgieriger, skrupelloser Tyrann, der nicht davor zurückschreckt, bei der Durchsetzung seiner Ziele ranghöchste Horde-Mitglieder wie Vol’jin hinterrücks ermorden zu lassen – wenn auch vergeblich, wie wir jetzt wissen.

Grom Hellscream in Eschental
Wer nun aber meint, dass Garrosh einfach nur ein triebgesteuerter Idiot ist, den Blizzard uns vor die Nase gesetzt hat, damit wir ein echtes Feindbild und einen triftigen Grund zum Krieg der Fraktionen haben, der liegt falsch. Durch Garroshs Adern fliesst “blaues Blut”, denn sein Vater ist kein Geringerer als der “Erlöser der Horde” himself, Grommash “Grom” Hellscream. Es war Grom, der damals aus Machtgier als Erster das verfluchte Blut des Grubenfürsten Mannoroth trank und die Horde damit an die Brennende Legion band – mit verheerenden Folgen für die Allianz und die Horde. Erst durch seinen Tod konnte die Horde wieder vom dämonischen Blutfluch befreit werden, wie ihr im folgenden WarCraft III Video mit dem Showdown zwischen Mannoroth, Grom und seinem besten Freund Thrall sehen könnt.



Grom & Thrall vs. Mannoroth in WarCraft III
Zwischen Vater und Sohn herrschte deshalb bei weitem nicht immer eitel Sonnenschein, denn Garrosh, der seinerzeit auf Draenor nach Nagrand flüchten und sich so der vom Blutfluch korrumpierten Horde enziehen konnte, schämte sich sehr für die “Heldentaten” seines Vaters. Es war Thrall, der den jungen Garrosh am Ende über die Geschehnisse aufklärte, und so war der Vater in den Augen des Sohns schliesslich rehabilitiert. Wie stolz Garrosh auf den Sieg des Vaters heute ist, sieht man an den “Throninsignien”: Es hängt nicht nur Mannoroths Schädel über dem Sessel in der Feste Grommash, sondern die Enden der beiden Hauer des einstigen Legionskommandanten zieren obendrein Garroshs Schulterrüstung (siehe das Bild oben).

Die Wahre Horde

Die Abneigung gegen die grausamen Taten seines Vaters zeichnet Garrosh als Orc mit ehrenhaftem Charkter aus, also was führte zu den aktuellen Entwicklungen bzw. was treibt ihn an, so rigoros nach immer mehr Macht zu streben? Einen entscheidenden Hinweis auf die bis dato noch im Dunkeln liegenden Motive Garroshs geben einige Aufsehen erregende Änderungen in Orgrimmar auf dem Patch 5.4 Testrealm. Neben den zahlreichen Elitesoldaten, den Kor’kron, die jeden Winkel der Stadt überwachen, um jeglichen Aufruhr sofort im Keim zu ersticken, machen sich nun auch eine Menge finstere Gestalten wie Dunkelschamanen und Schattenmagier breit.

Die Orc-Magiertrainerin Ureda beispielsweise ist zur Schattenmagierfürstin aufgestiegen und macht sich mit Hilfe von Kor’kron-Wachen daran, die Hexenmeister in der Kluft der Schatten zu verhaften. Der Kriegshäuptling (Garrosh) toleriere die Anbetung von Dämonen innerhalb der Mauern von Orgrimmar nicht mehr, lautet die Begründung (siehe die beiden folgenden Bilder).

Schattenmagier Ureda räumt auf in der Kluft der Schatten
Um den plötzlichen Sinneswandel in Garroshs Horde zu verstehen, müssen wir uns die Geschichte von Pandaria und die jüngsten Ereignisse anschauen. In der Urzeit Azeroths gab es einen alten Gott namens Y’Shaarj, der wie einige andere böse Götter auch, von den Titanen während der Erschaffung der Welt bezwungen wurde. Vernichtet war der damit aber noch lange nicht, denn sein Todesatem verseuchte Pandaria mit den “Schatten seiner selbst”, die wir während dieser Expansion als die diversen Sha kennengelernt haben.

Im aktuellen Patch 5.3 gibt es während der Ausgrabungsarbeiten im Tal der Ewigen Blüten im Szenario Das dunkle Herz Pandarias ein Wiedersehen, denn wir stossen auf das finstere Herz des einstigen Monsters. Unser Auftraggeber Garrosh nimmt das Herz an sich und kann es mit Hilfe des Wassers in den Pools von Pandaria wiederbeleben. Der Gott selbst wurde hierbei glücklicherweise nicht in die Welt zurückgeholt.

Dunkelschamane & Patch 5.4 Raidboss Earthbreaker Haromm
Aus den Dateien für Patch 5.4 und dem Dungeon Journal kann man nun herauslesen, wie der Orgrimmar Raid strukturiert ist. Die Feste Grommash bespielsweise, zuvor Garroshs Thronraum, wird jetzt von den beiden Dunkelschamanen-Bossen Earthbreaker Haromm und Wavebinder Kardris bewacht (siehe das Bild oben). Garrosh und sein Gefolge haben sich indes tief unter die Erde in ein “The Underhold” genanntes Areal zurückgezogen, wo sie einige der gefährlichsten Horde-Maschinerien vorhalten und von wo aus sie streng geheime Operationen leiten. Zu erreichen ist diese unterirdische Festung nur über einen Fahrstuhl in der ehemaligen Flammenschlund-Instanz, streng bewacht von General Nazgrim und einem Trupp Elite-Soldaten.

Innerhalb der Underhold besitzt Garrosh ausserdem eine private Kammer, das “Inner Sanctum”. Hier hängt jetzt das bluttriefende Herz des alten Gottes Y’Shaarj an der Decke, durch das Garrosh sich und seines Vaters legendäre Waffe, die Axt “Blutschrei” (Gorehowl), mit finsterer Macht speist. Garrosh ist also allen Gerüchten zum Trotz nicht von einem Sha besessen, sondern er macht sich die Kräfte des alten Gottes für seine Zwecke zunutze, genau so wie die ihm nun treu ergebenen Dunkelschamanen des Schattenhammerklans die Geister nicht um Hilfe anrufen, sondern sie unterwerfen und korrumpieren (-> Earthbreaker Haromm, Wavebinder Kardris usw.).

Vorbereitung für die finale Schlacht um Azeroth

Blizzard hat sich viel Zeit gelassen, um die finale Schlacht um Azeroth gegen die Brennende Legion einzuleiten und ist dabei sehr gekonnt vorgegangen. Nach und nach wurden alle “kleineren Übel”, die im Wege stehen könnten, eliminiert: Nefarian, Illidan, der Lichkönig, Todesschwinge, und last, but not least, unser eigener Stolz, der uns immer wieder in den Kampf gegen die gegnerische Fraktion gezwungen hat. Die mächtigen Drachenaspekte werden nun nicht mehr mit ihren semi-titanischen Kräften helfen können wenn das grosse Finale naht, denn mit dem Tod von Todesschwinge sind Alexstrasza, Kalecgos, Nozdormu und Ysera Sterbliche wie wir geworden.

Alles ist nun fokussiert auf den grossen Showdown: Die sterblichen Völker Azeroths gegen die Brennende Legion unter dem gefallenen Titan Sargeras. Dass dieses Finale kurz bevorsteht, wurde uns in “Mists of Pandaria” bereits von dem mysteriösen Schwarzen Prinzen “Wrathion”, Todesschwinges Sohn, in einer Vision prophezeit (siehe das folgende Video). Er ist der einzige noch lebende Schwarze Drache, der nicht von den alten Göttern korrumpiert ist.



Die Vision des Schwarzen Prinzen in Mists of Pandaria
Die Vision vom nahen Untergang Azeroths und das Wissen um die Vorgänge in Orgrimmar (in Patch 5.4) scheinen nun ein völlig anderes Licht auf Garroshs Motive zu werfen. Wenn wir als normale Abenteurer Kenntnis von der bevorstehenden Invasion erhalten haben, dann weiss es ganz sicher auch Garrosh. Natürlich ist die Allianz nach wie vor der Erzfeind, und auch innerhalb der Horde hat er nun mehr Gegner als ihm recht sein kann, aber wirkliche Sorgen braucht er sich angesichts der ihm nun zur Verfügung stehenden geballten Macht nicht zu machen. Er ist sozusagen im Besitz der “Bombe”, alle anderen nicht. Nein, der wahre Angstgegner ist jemand anders, und zu was der fähig ist, durfte der junge Garrosh am Beispiel seines Vaters miterleben.

Die eingangs erwähnten Throninsignien, der offen zur Schau getragene Stolz auf den Sieg über den Legionskommandanten Mannoroth, die Suche nach dieser ultimativen dunklen Kraft des alten Gottes Y’Shaarj, die Verbannung sämtlichen dämonischen Treibens aus Orgrimmar und das Verschanzen mit Dunkelschamanen und Schattenmagiern in der neuen unterirdischen Festung in Orgrimmar deuten darauf hin, wem Garrosh die dunkle, mächtige Faust in Wahrheit in die hässliche Fratze drücken will: Der Brennenden Legion und ihren Höllenfürsten. “Kommt her, ihr Dämonen!”, scheint er zu rufen, “Meinen Vater habt ihr vernichtet, aber Garrosh Hellscream und seine Horde bekommt ihr niemals!”.

Sargeras und die Brennende Legion – Artwork by Alex Horley
Der Plot wäre in diesem Fall genial, und er hätte den typischen Blizzard’schen “Twist”. Wir versuchen, mit vereinten Kräften Garrosh aus dem Weg zu räumen, während dessen langfristiges Ziel die Abwehr der Angriffe und möglicherweise die vollständige Vernichtung der Brennenden Legion mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln ist. Was passiert nun, wenn Garrosh nicht mehr ist und die Brennende Legion auf Azeroth ankommt? Wer vereint die liberale Thrall-Horde und die “wahre” Horde mit ihren Dunkelschamanen und Schattenmagiern unter einem Banner, um der grössten aller Bedrohungen Herr zu werden? Wird es letzlich doch der Schattenjäger Vol’jin sein, der eine neue Horde als Kriegshäuptling gegen die Legion anführt? Denn eines sollte klar sein: Beim offensichtlich ungleichen Kampf Sterbliche gegen Dämonen und Titanen wird der Zweck die Mittel heiligen, egal ob sie im Licht oder im Schatten ihren Ursprung haben.

Der gefallene Titan Sargeras – Die ikonografische Kombination
von Feuer & Eis kennen wir irgendwo her, oder? Klick!

Wie die Geschichte letztlich ausgehen und nach Patch 5.4 weiter verlaufen wird, bleibt derzeit freilich Spekulation. Ich bin mir aber sicher, dass World of WarCraft in der fünften und auch wohl der sechsten Erweiterung seinen absoluten Höhepunkt ereichen und einige handfeste Überraschungen bieten wird, z.B. eine überarbeitete Scherbenwelt als Basis für Reisen zu anderen Welten, den Planeten Argus, den Smaragdgrünen Traum, Undermine, überarbeitete Charaktermodelle, eine weitere Heldenklasse wie Dämonenjäger oder Schattenjäger, Player Housing, infernale goblinsche Kriegsmaschinerie und Raumschiffe, ein Zusammentreffen mit Helden und Schurken wie Alleria Windrunner, Bolvar Fordragon, Medivhs Sohn Med’an, General Turalyon, Königin Azshara, Illidan, Kil’jaeden und Schreckenslord Varimathras, Sargeras’ sagenhaftes Schwert Gorshalach u.v.a.m. Ich freue mich jetzt schon auf die kommenden Patches und die BlizzCon im November! :)

Abschliessend noch ein Zitat von Rob Pardo, kurz nach dem Release von Mists of Pandaria Ende Oktober 2012:


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