Hearthstone Meta-Analyse: Auswirkungen des Release-Patches

Hearthstone ist veröffentlicht und Blizzard hat noch einmal einen Patch nachgeschoben, der so einige Decks etwas durcheinanderwirbeln wird. Denn gerade die Nerfs an Nat Pagle und dem Tüftlermeister Oberfunks betreffen wohl einige. Unser Profi Wuaschtsemme hat sich mit dem Patch detailliert auseinandergesetzt und sagt euch, was er für euer Deck, oder das Deck eures Gegners bedeutet.

Die Nerfs an Nat Pagle und Tinkmaster Overspark

Release Wuhu! Wie unendlich egal das tatsächliche Erscheinen eines Free to Play Titel nach einer offenen Beta Phase zeigt Hearthstone eindrucksvoll. Neben den Bugfixes von tanzenden Dienern und Überlagerung der Handkarten gab es 2 Nerfs. Diese können interessante Auswirkungen auf das Meta haben, deren warscheinlichen Verlauf ich etwas beleuchten möchte.


Nat Pagle:

Hatte man vor dem Patch noch eine 50prozentige Chance zu Beginn des gegnerischen Zuges eine Karte zu ziehen, hat man diese nun zu Beginn des eigenen Zuges. Netto verliert man also die 50prozentige Chance auf eine Karte, da jeweils eine Reaktion mehr vom Gegner möglich ist. Ausnahmen sind Geheimnisse wie Snipe, deren Relevanz ist allerdings nebensächlich.

Dieser definitive Verlust einer halben Karte wird begleitet von dem Szenario, dass der Gegenspieler unter Umständen jegliche Chance zum Kartenziehen ausschalten kann. Dass noch vor dem Auslösen Pagles auf dessen Effekt reagiert werden kann, führt zu weiteren Problemen. Hat man keine Boardkontrolle, kann man Pagle nicht mehr auf gut Glück spielen, um möglicherweise eine Karte zu bekommen. Jegliche Art von Charge kontert ihn nun, AoE´s sind karteneffizienter und Zauber garantieren einen 1:1 Handel.

Deswegen kann ich nur schwer nachvollziehen, dass Pagle nun noch spielbar sein sollte. Viele Stimmen aus diveresen Foren scheinen diesen Nerf falsch einzuschätzen. Pagles Wert setzte sich aus einem starken Opening und einer Pseudo-Wincondition hinter Spott zusammen. Dazu kamen durchschnittliche Ergebnisse, wenn man ihn auf ein neutrales Board spielte. Neutrale Boards sind umkämpft, ohne klare Tendenz in die ein oder andere Richtung. Auf diesen wird Pagle in Zukunft kaum noch zu Karten führen, genauso wie das Pagle Opening deutlich schwächer wurde. Einzig Pagle hinter einer Taunt-Mauer kann noch Spiele entscheiden. Für die meisten, vermutlich alle Decks ist das zu wenig. Vielleicht wird er wieder etwas an Relevanz gewinnen, wenn das Meta midgamelastiger wird. Aber ein schwacher Pagle in einer Umgebung, die seine Präsenz oft ignoriert, hat wenig Zukunft.

Die Auswirkungen:

Nat Pagle war eine der langweiligsten Karten. Fast kein Deck hatte eine besondere Synergie mit ihm zu bieten. Am nächsten kamen noch Schamanen, die Pagle in Runde 3 mit Geisterwölfen beschützten. Aber auch hier war er nur eine lästige Draw Engine. Die Misere dass nach dem Ingenieurslehrling kaum noch gute 2 Drops im Spiel sind, wird noch mehr Decks auf Beutehamsterer und Uralter Wächter / Sonnenzornbeschützerin zurückgreifen lassen.

Auch Karten wie Akolyth des Schmerzes sind vorstellbar, deren Langsamkeit macht allerdings noch immer Probleme. Spannende Karten wie Junger Braumeister die im Lategame noch Value ermöglichen, ohne Karten zu ziehen, fehlt es ebenfalls an Geschwindigkeit. Auch Wilder Pyromant funktioniert aufgrund von sehr viel Ansturm nicht mehr gut gegen Aggro. Dennoch wäre es wünschenswert, dass man aufgrund des Pagle Nerfs neue Ideen im 2-Drop umsetzt. Das würde für tatsächliche Bewegung sorgen.

Das realistischste Szenario ist allerdings, dass man das Wegfallen von Pagle ignoriert und weitermacht wie gehabt. Strategisch spannend war er nie. Seine Synergie ging nicht über Buffs hinaus und sein Wegfallen wird niemandem weh tun. Lebe wohl Nat Pagle, ich werde dich nicht vermissen.

Tüftlermeister Oberfunks:

Hatte er vor dem Patch noch ein vom Spieler bestimmtes Minion in einen 1/1 oder 5/5 Diener verwandelt, tut das jetzt mit einem zufälligen. Damit ist Tüftlermeister unendlich tot. Ich hatte mir kurz überlegt unglaublich spezielle Szenarien zu erwähnen, in denen er Nutzen haben könnte, aber das ist überflüssig. Seinen größten Nutzen findet er in “Randuin Wrynn”-Decks, die Spass daran haben, möglichst viel RNG in Decks einzubauen. Tüftlermeister wurde in einen ansehnlichen Haufen von 1600 Staub verwandelt, den jeder nutzen sollte.

Auswirkungen:

Dass der einzig neutrale Hardremoval aus dem Spiel entfernt wurde, hat vor allem Dingen Auswirkungen auf die Klassen, welche selbst keinen guten haben. Druiden beispielsweise sterben einfach nur noch an Ysera. Ob sie das Einbauen einer einzelnen Kopie von Kreislauf der Natur wert ist, muss die Zeit zeigen. Klassen wie Rogues, deren Attentat zunehmend an Wert verlor, stehen nun ziemlich ratlos vor Cairne Bluthuf. Spellbreaker sind für gewöhnlich ein zu großer Tempoverlust. Midrangedecks ohne Transform oder Klassensilence werden also in die Extreme gedrängt. Um die Cairne Grenze zu umgehen, muss man entweder sehr schnell, oder sehr langsam sein.

Die erste Reaktion vieler, ein Big Game Hunter, wird sich nicht lange halten. Big Game Hunter wurde nicht besser, er tötet noch immer Ragnaros oder einen Giant. Einzig durch Synergien mit eigenen Buffs kann man ihn effizient nutzen. Tüftlermeister kann man durch einen BGH nicht ersetzen, da kein Text der zerstörten Karte gelöscht wird.

Karten wie Todesschwinge hingegen könnten profitieren. Sein Überraschungsfaktor machte ihn schon immer erstaunglich nützlich. Sobald man also erkannt hat, dass BGH kein Tink-Ersatz ist, hat Todesschwinge eventuell einen Platz.

Aggressive Decks wurden gar nicht angegangen. Deren Relevanz ist unbeeinträchtigt, da sie nicht auf Pagle und wenig auf Tüftlermeister zurückgegriffen haben. Als indirekten Buff kann man diesen Patch aber nicht auslegen. Keiner der Archetypen, der Aggro Probleme machte, wurde stark angegangen. Damit bleibt die spannendste Entwicklung die neue Interaktion zwischen Midrange und Controldecks. Wie stark die einzelnen Matchups vom Wegfallen des Tüftlermeisters beeinträchtigt werden, wird sich innerhalb der nächsten Woche herausstellen. Je nachdem ob Decks überleben, die sich besser oder schlechter mit Aggro messen, wird dessen Stärke beeinträchtigt.

Meta-Prognose:

Die Ladder besteht aktuell aus 2 Aggro Decks (Hunter Aggro & Warlock Aggro), 2 Control Decks (Handlock & Warrior Control) und 2 Midrange Decks (Shaman & Druid). Die Aggro Decks brauchen sich um die Nerfs nicht zu kümmern, Schamanen haben Verhexung und Erdschock um Tüftlermeister zu kompensieren. Warrior Control hat ein derart gutes Matchup gegen Aggro, als dass es nicht verschwinden wird. Das Wegfallen von Tüftlermeister tut ihm zwar weh, aber die Manakurve liegt so weit über Cairne, als dass man ihn mit der Masse an eigenen Legendaries kompensieren kann. Auch Handlock wird sich wenig beeinträchtigt zeigen, zumal die meisten Varianten bereits ohne Tink spielten. Einzig der Druide kann Probleme bekommen. Da er der Ausgang des momentanen Metas ist, könnte das eine Lücke für 4-Health Kreaturen oder Silence-Anfällige wie Zwielichtsdrache schaffen. Jedoch hat man bereits in den letzten Wochen immer weniger Druiden gesehen. Das lässt darauf zurückschließen, dass deren Wegfallen keinen großen Unterschied machen würde.

Handlock ist meiner Meinung nach der erste große Sieger. Es ist das einzige Deck welches bereits vor dem Patch ohne Tüftlermeister das Lategame gewinnen konnte. Da es später als die Midrange-Decks agiert, zwang es diese schon immer in die offensive. Mit einem Giant-Konter weniger wird dieser Archetyp eine gute Zeit vor sich haben.

Spekulieren kann man in jede Richtung, dass sich tatsächlich viel ändert halte ich für unwarscheinlich. Einzig unnötiger RNG wird definitiv Verschwinden, was ein großer Sieg für Hearthstone ist.

Mehr Interessantes von Wuaschtsemme findet ihr hier »