Kriegsverbrechen: Roman jetzt erhältlich oder doch nicht?

Laut der offiziellen Seite von World of Warcraft ist der neueste Roman Kriegsverbrechen von Christie Golden nun erhältlich. Allerdings führt ihn Amazon noch immer mit dem Veröffentlichungsdatum des 19. Mai. Somit ist es aktuell nicht ganz klar, ob vielleicht bei Blizzard nur ein Fehler gemacht wurde.


Dennoch könnt ihr den Roman natürlich auch jetzt schon vorbestellen und am nächsten Montag in euren Händen halten. Die Handlung des Romans spielt nach der Belagerung von Orgrimmar und hat den Prozess gegen Garrosh Höllschrei zum Thema. Die englische Fassung des Buches ist im Übrigen bereits erhältlich.

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Zitat von: Blizzard Entertainment (Quelle)
Sie hatte noch etwas Zeit, bevor die Verhandlung fortgesetzt wurde. Es fiel ihr stets leichter, in ihrer Heimat nachzudenken – in Unterstadt, unter einem düsteren Himmel, umgeben von den Verlassenen, die sich ihrer Führerschaft anvertrauten. Sie und ihr Zuhause würden Sylvanas sicher inspirieren.

Sie näherte sich der vom Gericht bestellten Magierin, Yu Fei, und bat sie, ein Portal zu öffnen. Kaum, dass die Pandaren die Beschwörungsformel geflüstert hatte, gerade, als das Bild von Unterstadt in der Luft auftauchte, kam ein weiterer Pandaren herbeigerannt, den die dunkle Fürstin noch nie zuvor gesehen hatte.

„Lady Sylvanas“, sagte er. „Verzeiht, aber man hat mir auf¬getragen, Euch dies zu geben!“ Er drückte ihr eine Schriftrolle und ein mit blauem Stoff umwickeltes Päckchen in die Hand, dann trat er rasch zurück und verbeugte sich. Noch während sie den Mund öffnete, um zu fragen, von wem die Rolle stammte, schimmerte die Luft rings um sie, und sie fand sich in ihren Ge-mächern wider.

Sie waren spärlich eingerichtet, passend für jemanden, der sich nie längere Zeit hier aufhielt. Sylvanas Windläufer brauch¬te eigentlich keinen Schlaf mehr, doch von Zeit zu Zeit suchte sie diesen Ort auf, um allein zu sein und nachzudenken. Sie hatte nur wenige Besitztümer: ein Bett, umgeben von schweren, dunklen Vorhängen, einen Schreibtisch mit Kerzen und Schreib-utensilien, einen Stuhl und ein Regal mit einem halben Dutzend Bücher. Darüber hinaus hingen mehrere ausgesuchte Waffen an der Wand, wo sie sie mühelos erreichen konnte. In ihrer gegen-wärtigen Existenzform brauchte sie nur wenig, und Gegenstän¬de aus ihrem früheren Leben hatte sie fast vollständig hinter sich gelassen.

Sylvanas war neugierig, herauszufinden, wer ihr das Päck¬chen geschickt hatte, aber zu vorsichtig, es einfach zu öffnen, ohne es zunächst zu untersuchen. Sie konnte keine Magie spü-ren und auch keine verräterischen Anzeichen von Gift erkennen. Die Schriftrolle war mit rotem Wachs versiegelt, jedoch bar ei¬nes Emblems, das Aufschluss über den Absender gegeben hätte. Auch das blaue Tuch war von einer unscheinbaren Art, wie sie in jeder größeren Stadt verkauft wurde, doch als Sylvanas das Päckchen leicht schüttelte, klimperte etwas. Sie setzte sich auf ihr weiches Bett und zog die Handschuhe aus, dann brach sie das Siegel der Rolle mit ihrem Fingernagel.

Die Schrift war elegant, der Text kurz:

Einst standen wir auf derselben Seite.

Vielleicht kann es wieder so sein.

Sie verengte grüblerisch die Augen und überlegte, wer diese mysteriöse Person wohl sein könnte. Es gab eine lange Liste von Leuten, die sich gegen sie gewandt hatten oder denen sie den Rücken gekehrt hatte, und obwohl sie die Handschrift zu¬mindest im Moment nicht einordnen konnte, kam sie ihr doch irgendwie vertraut vor. Amüsiert öffnete sie das Päckchen und öffnete die kleine, hölzerne Schatulle in seinem Inneren.

Abrupt zog sich ihre Brust zusammen, und sie ließ das Käst¬chen fallen, als hätte es sie gebissen.

Die Bansheekönigin starrte den Inhalt lange an, dann erhob sie sich und ging auf unsicheren Beinen zu ihrem Schreibtisch hinüber. Ihre Finger zitterten, als sie eine Schublade aufschloss, in der, seit Jahren unberührt, die Überbleibsel ihrer Vergangen¬heit lagen: eine Handvoll jahrzehntealter Briefe, Pfeilspitzen, mit denen sie bedeutsame Opfer niedergestreckt hatte, andere Kleinigkeiten – die Trümmer eines Lebens.

Und dazwischen eine kleine Schatulle.

Ein Teil von ihr beschwor sie, dieses neue Geschenk einfach in die Schublade zu werfen, den Schlüssel zu drehen und es zu vergessen. Aus dieser Sache konnte nichts Gutes erwachsen. Dennoch …

Sylvanas nahm das Kästchen und kehrte damit zu ihrem Bett zurück. Mit ungewohnter Behutsamkeit hob sie den Deckel an und betrachtete den Inhalt. Ein Abenteurer hatte es vor mehreren Jahren gefunden, unter den Ruinen des Turms, wo sie gefallen war, und so hatte es seinen Weg zurück zu ihr gefunden. Die Er¬innerungen, die es erweckte, hatten sie damals fast zerstört, und auch heute drohten sie noch, die dunkle Fürstin zu übermannen.

Wie ein so winziger Gegenstand, ein so schlichtes Schmuck¬stück nur solche Macht über die Bansheekönigin haben konnte! Sie nahm die Kette aus kühlem Metall in die Hand und starrte auf den blauen, funkelnden Edelstein hinab, der sie zierte. An¬schließend legte sie die Kette vorsichtig neben die andere, die sie eben erhalten hatte.

Sie waren völlig identisch, mit Ausnahme der Edelsteine. Der ihre war ein Saphir, der andere ein Rubin. Sylvanas musste nicht einmal hinsehen, um zu wissen, dass die Inschriften sich eben-falls unterschieden.

Sie klappte ihren Anhänger auf und las: Für Sylvanas. In ewiger Liebe, Alleria.

Alleria … die zweite der Windläufer, die von ihnen gegan¬gen war. Erst ihr Bruder, Lirath, der jüngste unter ihnen, und womöglich auch der schlaueste, dann Alleria, die jenseits des Dunklen Portals in der Scherbenwelt verschwunden war, und schließlich …

Die dunkle Fürstin schüttelte den Kopf und riss sich zusam¬men. Sie war sicher, aus dem engsten Familienkreis der Wind¬läufer gab es nur eine, die noch atmete.

Sylvanas öffnete das Rubinmedaillon. Sie wusste, was sie da¬rin finden würde, aber sie musste es mit ihren eigenen Augen sehen.

Für Vereesa. In Liebe, Alleria.

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