Im Juni erschütterte der Weggang von vier Blizzard North-Gründern die Community. Bill Roper, David Brevik und Erich und Max Schaefer entschieden sich dazu, das Unternehmen welches sie gross gemacht hatten, zu verlassen. Der Grund waren die Beziehungen zum Publisher Vivendi Universal, die den Anforderungen von Blizzard North ihrer Meinung nach nicht gerecht wurden.

Vor kurzem hatte ich die Möglichkeit, mich mit Bill, David und dem älteren der Schafers über ihre Pläne und ihre neue Firma zu unterhalten

etoychest.org: Nachdem alle anderen bereits das Wie und Warum eures Weggangs breitgetreten haben, überspringe ich das und frage euch gleich, ob ihr noch ein paar letzte Worte oder Aufrufe an eure ehemaligen Kollegen habt?

DAVID : Wir wünschen ihnen alle Gute. Wir haben all diese Leute angestellt, weil wir an ihr Talent geglaubt haben und denken, dass sie grossartige Kollegen sind. Unser Weggang hatte absolut nichts mit ihnen zu tun. Wir fanden es toll mit ihnen zu arbeiten und wissen, dass sie alle einer rosigen Zukunft bei Blizzard entgegen gehen.


MAX: Unsere alten Kollegen waren für uns wie eine Familie. Viele von ihnen haben jahrelang mit uns zusammen gearbeitet und einige waren seit ihrer Kindheit Freunde. Wir hatten das Gefühl, das beste Team der Welt zu haben. Wir wünschen ihnen dass Allerbeste und sind uns sicher, dass sie Erfolg haben werden, egal was sie tun. Wir hegen für niemanden bei Blizzard, Blizzard North oder dem Hauptquartier negative Gefühle.


BILL: Das schlimmste was ich je tun musste, war allen Leuten bei Blizzard Lebewohl zu sagen. Wir waren alle für ein Jahrzent eng mit dem Unternehmen verbunden, und all die Freundschaften aufzugeben, die sich im Laufe dieser Zeit unvermeidbar entwickeln, war für uns alle sehr hart. Wenn es etwas gibt, was ich jedem mitgeben möchte, mit dem ich bei Blizzard North zusammen gearbeitet habe, ist das ein dickes “DANKE” für all die Arbeit, die wir über die Jahre hinweg mit einigen tollen Spielen verbracht haben.

etoychest.org: Wenn ich mir die Gehaltsliste eurer neuen Firma so ansehe stelle ich fest, dass ihr die Posten der Produzenten, Designer, Entwickler und Künstler unter euch vier aufgeteilt habt. Plant ihr, weitere Leute auf einer festen Basis an Bord zu nehmen, oder werdet ihr alle vier die Leiter eurer jeweiligen Bereiche sein und euch auf Outsourcing verlassen, um die Firma flexibel zu halten?


MAX: Wir werden mit Sicherheit weitere Leute anstellen und es gibt einige, die während dieses Gesprächs bereits die Verträge unterzeichnen. Tatsächlich glauben wir, dass wir bereits eine grossartige Kerngruppe haben. Wir sind alle sehr gespannt.


DAVID: Wir werden einen harten Kern von Experten zusammenstellen, der unsere Basis für den Anfang sein wird. Eine Weile wollen wir das Unternehmen klein halten, bis wir genauer wissen, wie viele Leute wir für die Verwirklichung unserer Vision benötigen werden.


BILL: Wir mögen es, jeden Tag mit den Leuten im Büro zu sitzen, die das Spiel entwickleln, weil sie so auf vielfältigere Art und Weise zum Spiel beitragen können, als wenn sie nur Grafiken erstellen oder Code schreiben.

Viele unserer besten Ideen enstanden während ungezwungenen Treffen, und das bekommt man nicht hin, wenn man alles outsourct.

etoychest.org: Es ist schön zu sehen, wie vier talentierte und wichtige Mitarbeiter es geschafft haben, Blizzard North ohne konkurrenzverbietende Ausstiegsklauseln zu verlassen. Wie habt ihr das geschafft?

MAX : Keine Arbeitsverträge zu haben war ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite waren wir nicht an etwas gebunden, aber andererseits gehen solche Beschränkungen meistens Hand in Hand mit langfristigen Abfindungszahlungen, die wir ebenfalls nicht hatten.

Ich denke der Grund dafür ist wahrscheinlich die wenig fixierte und in Arbeit vertiefte Natur des Unternehmens, dem wir angehörten.


BILL: Ich denke es war für Vivendi Universal eine Frage der Prioritäten und direkte Kommunikation mit jedem Mitarbeiter einer Firma, die sie zu verkaufen planten, hatte keine besonders hohe Priorität.

Sie haben einfach nicht auf uns geachtet, da sie ein Umsatzvolumen von 14 Milliarden Dollar haben. Ein Wertverlust ihres Spiele-Ressorts von 100-150 Millionen Dollar (so sagen Analysten) hatte da einfach im Vergleich zum Gesamtkonzern ein zu geringes Gewicht.


DAVID: Wir waren alle ziemlich geschockt, wie die ganze Sache ausgegangen ist, aber wir konzentrieren uns auf die Zukunft und arbeiten hart daran, sicherzustellen, dass unsere zukünftigen Partner wie wir das Ziel haben tolle Spiele zu entwickeln und fesselnde Welten zu erschaffen.

etoychest.org: Habt ihr schon angefangen, Kontake mit Herstellern, Distributoren und anderen sekundären Produktionspartnern zu knüpfen? Und steht ihr in der Hierarchie weiter unten weil ihr nicht mehr Blizzard North seid, oder habt ihr immer noch genauso viel Einfluss, weil jeder weiss wer ihr seid?


BILL: Glücklicherweise hat unsere Erfahrung und unser Erfolg – speziell mit der Diablo Reihe – dazu geführt, dass wir bereits die meisten dieser Leute kennen. Dies führte dazu, dass wir schon in den ersten zwei Tagen nach unserem Weggang mit ihnen in Kontakt standen. Ich denke die Tatsache, dass wir nicht mehr für Blizzard North arbeiten ermöglicht es, dass wir uns wirklich darüber unterhalten können, wie wir in Zukunft zusammenarbeiten können. Das sehe ich in dem ganzen Prozess als sehr positiv an.


DAVE: Viele Leute wissen, wer wir sind. Die Branche ist recht klein und viele Menschen kennen sich untereinander. Die Meisten wissen, dass es die talentierten Mitarbeiter sind, die Spiele entwickeln, und nicht der Firmenname. Deswegen haben sich fast alle Publisher weltweit mit uns in Verbindung gesetzt, mit dem Zeil in irgendeiner Form mit uns zusammen zu arbeiten.


MAX: Wir waren begeistert von der Reaktion der Publisher in den USA, Europa und Asien. Sie scheinen genau zu wissen, wer wir sind und was wir gemacht haben. Wir haben uns mit vielen von ihnen getroffen und rechnen damit, grossartige Beziehungen aufzubauen.

etoychest.org: Die Spielebranche hat in Sachen Weggang von wichtigen Mitarbeitern, die dabei geholfen haben, ihre Unternehmen gross zu machen, eine lange Vergangenheit. Entweder wendet es sich zum Guten (wie bei Peter Molyneaux und Lionhead) oder zum Schlechteren (John Romero und Ion Storm). Kann sich jemand von euch diese Sprunghaftigkeit der Entwickler erklären?

DAVE : Ich denke, die meisten dieser Menschen tragen eine gewisse Abenteuerlust mit sich herum. Sie wollen in einer nicht arbeitsorientierten Umgebung Spiele entwickeln, in der sie kreativ sein können. Viele der Spiele-Entwickler sind Anführer, und sie wollen Spiele entwickeln, ohne auf die Einschränkungen des grossen Geschäfts Rücksicht nehmen zu müssen.


BILL: Ich denke, wir alle arbeiten in diesem Geschäft, um Welten zu erschaffen, in denen wir dem Stress und den Problemen unseres Alltagslebens entfliehen und Spass haben können. Manchmal stehen die Ziele und die Richtung der Unternehmen (oder ihrer Besitzer) nicht im Einklang mit unseren eigenen Zielen. Um die Möglichkeit, machen zu können was man will, zurück zu erlangen und wieder Spass zu haben, versuchen es manche auf eigene Faust und versuchen sich mit Hilfe der gesammelten Erfahrungen so gut als möglich treu zu bleiben.


MAX: Manche Leute heben meiner Meinung nach aufgrund des plötzlichen Reichtums etwas ab. Im Gegensatz dazu sind wir sehr bodenständige Menschen. Ich glaube nicht, dass sich unser Leben grossartig ändern würde, wenn wir wahnsinnig reich werden würden, obwohl ich es gerne ausprobieren würde.

Aber selbst dann hätten wir keine opulenten Büros oder würden Geld für extravagante Dinge ausgeben. Einfach nur Schreibtische, Spiele, kostenlose Getränke und Snacks und ab und an ein Firmenausflug wie ein Kinotag oder ein Besuch auf der E3.

etoychest.org: Hattet ihr schon das Glück, einen Publisher zu finden? Ich könnte mir vorstellen, dass es bei eurer Herkunft nicht allzu schwer sein dürfte zumindest Gespräche mit dem einen oder anderen Publisher zu führen.


BILL: Wir haben im letzten Monat mit einer Menge Leute gesprochen, und es war eine fantastische Erfahrung.


MAX: Jeder will Geschäfte machen. Unser vordringlichstes Ziel ist es nicht, einen Vertrag zum Abschluss zu bringen, sondern den richtigen Partner auszuwählen.


DAVE: Wir haben noch keinen Publisher, aber wir werden es bekannt geben, so bald es soweit ist. Also bleibt am Ball!

etoychest.org: Habt ihr euch schon Gedanken darüber gemacht, wie ihr den Markt erreichen wollt, wenn eure Spiele fertig sind? Es ist allseits bekannt wer Blizzard North ist, aber leider bekommen in der Spielebranche die wichtigen Leute selten die Anerkennung, die sie verdienen würden. Wie also wollt ihr die Botschaft hinaus zu den Käufern tragen, dass die Gründer von Blizzard North nicht mehr dort arbeiten?

DAVE : Ich denke der hohe Bekanntheitsgrad von Blizzard North liegt in den tollen Spielen begründet, die sie gemacht haben. Ich glaube daran, dass sich unsere Bekanntheit per Mundpropaganda erhöen wird, wenn wir ein tolles Spiel abliefern.

Wir sind nicht daran interessiert, der ganzen Welt zu erzählen, dass hier ex-Blizzard Mitarbeiter am Werk waren – wir wollen das Spiel für sich sprechen lassen.


MAX: Zwei Worte: Bill Roper.


BILL: Ich hatte das große Glück, auch der Haupt-Repräsentant von Blizzard zu sein und habe viele Spieler und Presseleute auf der ganzen Welt getroffen. Wie Max sagte, wird dies im Hinblick auf unsere neue Firma in meinen Händen liegen und ich bin gespannt darauf, raus zu gehen und mit der Community und der Presse über unsere Zukunftspläne und das Spiel das wir entwickeln zu sprechen.

etoychest.org: Zum Schluss noch eine Frage: Werdet ihr nächstes Jahr auf der E3 eure Aufwartung machen oder werden die Heerscharen von Diablo und Warcraft Fans darauf hoffen müssen, euch dort einfach über den Weg zu laufen?

DAVE : Ob wir das Spiel zeigen werden, hängt davon ab, für welchen Publisher wir uns entscheiden und wie unsere Gesamtstrategie aussehen wird.


MAX: Nächstes Jahr werden wir wohl nur durch die Hallen der E3 wandern. Das Jahr darauf werdet ihr möglicherweise etwas zu sehen bekommen, aber das hängt davon ab, wie sich alles entwickelt.


BILL: Unabhängig davon, ob wir auf der E3 etwas zeigen werden oder nicht, wir werden da sein. Es gibt einfach zu viele grossartige Leute, die wir nur dort von Angesicht zu Angesicht sehen und ich will nicht eine Geschichte oder lustigen Treffen verpassen.

Ausserdem werden wir uns eine Menge Spiele ansehen können, und das ist immer gut.

Es sieht so aus, als ob die von diesem Quartett von Legenden eine Menge erwarten dürften. Nochmals danke für das Interview und alles Gute für eure Firma, auch wenn es nicht so aussieht, als ob ihr Glück nötig haben werdet!

Das Original-Interview führte die Seite www.etoychest.org, es ist unter diesem Link erreichbar. Herzlichen Dank an unseren Forenuser TBa für die Übersetzung ins Deutsche.