Vor kurzem hatte ich die Möglichkeit, mich mit Bill, David und dem älteren der Schafers über ihre Pläne und ihre neue Firma zu unterhalten
etoychest.org:
Nachdem alle anderen bereits das Wie und
Warum eures Weggangs breitgetreten haben, überspringe ich das und
frage euch gleich, ob ihr noch ein paar letzte Worte oder Aufrufe
an eure ehemaligen Kollegen habt?
DAVID
: Wir wünschen ihnen alle Gute. Wir haben all
diese Leute angestellt, weil wir an ihr Talent geglaubt haben und
denken, dass sie grossartige Kollegen sind. Unser Weggang hatte
absolut nichts mit ihnen zu tun. Wir fanden es toll mit ihnen zu
arbeiten und wissen, dass sie alle einer rosigen Zukunft bei
Blizzard entgegen gehen.
MAX: Unsere alten Kollegen waren für uns wie eine Familie.
Viele von ihnen haben jahrelang mit uns zusammen gearbeitet und
einige waren seit ihrer Kindheit Freunde. Wir hatten das Gefühl,
das beste Team der Welt zu haben. Wir wünschen ihnen dass
Allerbeste und sind uns sicher, dass sie Erfolg haben werden, egal
was sie tun. Wir hegen für niemanden bei Blizzard, Blizzard North
oder dem Hauptquartier negative Gefühle.
BILL: Das schlimmste was ich je tun musste, war allen Leuten
bei Blizzard Lebewohl zu sagen. Wir waren alle für ein Jahrzent eng
mit dem Unternehmen verbunden, und all die Freundschaften
aufzugeben, die sich im Laufe dieser Zeit unvermeidbar entwickeln,
war für uns alle sehr hart. Wenn es etwas gibt, was ich jedem
mitgeben möchte, mit dem ich bei Blizzard North zusammen gearbeitet
habe, ist das ein dickes “DANKE” für all die Arbeit, die wir über
die Jahre hinweg mit einigen tollen Spielen verbracht haben.
etoychest.org: Wenn ich mir die Gehaltsliste eurer neuen
Firma so ansehe stelle ich fest, dass ihr die Posten der
Produzenten, Designer, Entwickler und Künstler unter euch vier
aufgeteilt habt. Plant ihr, weitere Leute auf einer festen Basis an
Bord zu nehmen, oder werdet ihr alle vier die Leiter eurer
jeweiligen Bereiche sein und euch auf Outsourcing verlassen, um die
Firma flexibel zu halten?
MAX: Wir werden mit Sicherheit weitere Leute anstellen und
es gibt einige, die während dieses Gesprächs bereits die Verträge
unterzeichnen. Tatsächlich glauben wir, dass wir bereits eine
grossartige Kerngruppe haben. Wir sind alle sehr gespannt.
DAVID: Wir werden einen harten Kern von Experten
zusammenstellen, der unsere Basis für den Anfang sein wird. Eine
Weile wollen wir das Unternehmen klein halten, bis wir genauer
wissen, wie viele Leute wir für die Verwirklichung unserer Vision
benötigen werden.
BILL: Wir mögen es, jeden Tag mit den Leuten im Büro zu
sitzen, die das Spiel entwickleln, weil sie so auf vielfältigere
Art und Weise zum Spiel beitragen können, als wenn sie nur Grafiken
erstellen oder Code schreiben.
Viele unserer besten Ideen enstanden während ungezwungenen Treffen, und das bekommt man nicht hin, wenn man alles outsourct.
etoychest.org: Es ist schön zu sehen, wie vier talentierte und wichtige Mitarbeiter es geschafft haben, Blizzard North ohne konkurrenzverbietende Ausstiegsklauseln zu verlassen. Wie habt ihr das geschafft?
MAX
: Keine Arbeitsverträge zu haben war ein
zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite waren wir nicht an
etwas gebunden, aber andererseits gehen solche Beschränkungen
meistens Hand in Hand mit langfristigen Abfindungszahlungen, die
wir ebenfalls nicht hatten.
Ich denke der Grund dafür ist wahrscheinlich die wenig fixierte und in Arbeit vertiefte Natur des Unternehmens, dem wir angehörten.
BILL: Ich denke es war für Vivendi Universal eine Frage der
Prioritäten und direkte Kommunikation mit jedem Mitarbeiter einer
Firma, die sie zu verkaufen planten, hatte keine besonders hohe
Priorität.
Sie haben einfach nicht auf uns geachtet, da sie ein Umsatzvolumen von 14 Milliarden Dollar haben. Ein Wertverlust ihres Spiele-Ressorts von 100-150 Millionen Dollar (so sagen Analysten) hatte da einfach im Vergleich zum Gesamtkonzern ein zu geringes Gewicht.
DAVID: Wir waren alle ziemlich geschockt, wie die ganze
Sache ausgegangen ist, aber wir konzentrieren uns auf die Zukunft
und arbeiten hart daran, sicherzustellen, dass unsere zukünftigen
Partner wie wir das Ziel haben tolle Spiele zu entwickeln und
fesselnde Welten zu erschaffen.
etoychest.org: Habt ihr schon angefangen, Kontake mit
Herstellern, Distributoren und anderen sekundären
Produktionspartnern zu knüpfen? Und steht ihr in der Hierarchie
weiter unten weil ihr nicht mehr Blizzard North seid, oder habt ihr
immer noch genauso viel Einfluss, weil jeder weiss wer ihr
seid?
BILL: Glücklicherweise hat unsere Erfahrung und unser Erfolg
- speziell mit der Diablo Reihe – dazu geführt, dass wir bereits
die meisten dieser Leute kennen. Dies führte dazu, dass wir schon
in den ersten zwei Tagen nach unserem Weggang mit ihnen in Kontakt
standen. Ich denke die Tatsache, dass wir nicht mehr für Blizzard
North arbeiten ermöglicht es, dass wir uns wirklich darüber
unterhalten können, wie wir in Zukunft zusammenarbeiten können. Das
sehe ich in dem ganzen Prozess als sehr positiv an.
DAVE: Viele Leute wissen, wer wir sind. Die Branche ist
recht klein und viele Menschen kennen sich untereinander. Die
Meisten wissen, dass es die talentierten Mitarbeiter sind, die
Spiele entwickeln, und nicht der Firmenname. Deswegen haben sich
fast alle Publisher weltweit mit uns in Verbindung gesetzt, mit dem
Zeil in irgendeiner Form mit uns zusammen zu arbeiten.
MAX: Wir waren begeistert von der Reaktion der Publisher in
den USA, Europa und Asien. Sie scheinen genau zu wissen, wer wir
sind und was wir gemacht haben. Wir haben uns mit vielen von ihnen
getroffen und rechnen damit, grossartige Beziehungen
aufzubauen.
etoychest.org: Die Spielebranche hat in Sachen Weggang von
wichtigen Mitarbeitern, die dabei geholfen haben, ihre Unternehmen
gross zu machen, eine lange Vergangenheit.
Entweder wendet es sich zum Guten (wie bei
Peter Molyneaux und Lionhead) oder zum Schlechteren (John Romero
und Ion Storm). Kann sich jemand von euch diese Sprunghaftigkeit
der Entwickler erklären?
DAVE
: Ich denke, die meisten dieser Menschen
tragen eine gewisse Abenteuerlust mit sich herum. Sie wollen in
einer nicht arbeitsorientierten Umgebung Spiele entwickeln, in der
sie kreativ sein können. Viele der Spiele-Entwickler sind Anführer,
und sie wollen Spiele entwickeln, ohne auf die Einschränkungen des
grossen Geschäfts Rücksicht nehmen zu müssen.
BILL: Ich denke, wir alle arbeiten in diesem Geschäft, um
Welten zu erschaffen, in denen wir dem Stress und den Problemen
unseres Alltagslebens entfliehen und Spass haben können. Manchmal
stehen die Ziele und die Richtung der Unternehmen (oder ihrer
Besitzer) nicht im Einklang mit unseren eigenen Zielen. Um die
Möglichkeit, machen zu können was man will, zurück zu erlangen und
wieder Spass zu haben, versuchen es manche auf eigene Faust und
versuchen sich mit Hilfe der gesammelten Erfahrungen so gut als
möglich treu zu bleiben.
MAX: Manche Leute heben meiner Meinung nach aufgrund des
plötzlichen Reichtums etwas ab. Im Gegensatz dazu sind wir sehr
bodenständige Menschen. Ich glaube nicht, dass sich unser Leben
grossartig ändern würde, wenn wir wahnsinnig reich werden würden,
obwohl ich es gerne ausprobieren würde.
Aber selbst dann hätten wir keine opulenten Büros oder würden Geld für extravagante Dinge ausgeben. Einfach nur Schreibtische, Spiele, kostenlose Getränke und Snacks und ab und an ein Firmenausflug wie ein Kinotag oder ein Besuch auf der E3.
etoychest.org: Hattet ihr schon das Glück, einen Publisher
zu finden? Ich könnte mir vorstellen, dass es bei eurer Herkunft
nicht allzu schwer sein dürfte zumindest Gespräche mit dem einen
oder anderen Publisher zu führen.
BILL: Wir haben im letzten Monat mit einer Menge Leute
gesprochen, und es war eine fantastische Erfahrung.
MAX: Jeder will Geschäfte machen. Unser vordringlichstes
Ziel ist es nicht, einen Vertrag zum Abschluss zu bringen, sondern
den richtigen Partner auszuwählen.
DAVE: Wir haben noch keinen Publisher, aber wir werden es
bekannt geben, so bald es soweit ist. Also bleibt am Ball!
etoychest.org: Habt ihr euch schon Gedanken darüber gemacht, wie ihr den Markt erreichen wollt, wenn eure Spiele fertig sind? Es ist allseits bekannt wer Blizzard North ist, aber leider bekommen in der Spielebranche die wichtigen Leute selten die Anerkennung, die sie verdienen würden. Wie also wollt ihr die Botschaft hinaus zu den Käufern tragen, dass die Gründer von Blizzard North nicht mehr dort arbeiten?
DAVE : Ich denke der hohe Bekanntheitsgrad von Blizzard North liegt in den tollen Spielen begründet, die sie gemacht haben. Ich glaube daran, dass sich unsere Bekanntheit per Mundpropaganda erhöen wird, wenn wir ein tolles Spiel abliefern.
Wir sind nicht daran interessiert, der ganzen Welt zu erzählen, dass hier ex-Blizzard Mitarbeiter am Werk waren - wir wollen das Spiel für sich sprechen lassen.
MAX: Zwei Worte: Bill Roper.
BILL: Ich hatte das große Glück, auch der Haupt-Repräsentant
von Blizzard zu sein und habe viele Spieler und Presseleute auf der
ganzen Welt getroffen. Wie Max sagte, wird dies im Hinblick auf
unsere neue Firma in meinen Händen liegen und ich bin gespannt
darauf, raus zu gehen und mit der Community und der Presse über
unsere Zukunftspläne und das Spiel das wir entwickeln zu
sprechen.
etoychest.org: Zum Schluss noch eine Frage: Werdet ihr
nächstes Jahr auf der E3 eure Aufwartung machen oder werden die
Heerscharen von Diablo und Warcraft Fans darauf hoffen müssen, euch
dort einfach über den Weg zu laufen?
DAVE
: Ob wir das Spiel zeigen werden, hängt davon
ab, für welchen Publisher wir uns entscheiden und wie unsere
Gesamtstrategie aussehen wird.
MAX: Nächstes Jahr werden wir wohl nur durch die Hallen der
E3 wandern. Das Jahr darauf werdet ihr möglicherweise etwas zu
sehen bekommen, aber das hängt davon ab, wie sich alles
entwickelt.
BILL: Unabhängig davon, ob wir auf der E3 etwas zeigen
werden oder nicht, wir werden da sein. Es gibt einfach zu viele
grossartige Leute, die wir nur dort von Angesicht zu Angesicht
sehen und ich will nicht eine Geschichte oder lustigen Treffen
verpassen.
Ausserdem werden wir uns eine Menge Spiele ansehen können, und das ist immer gut.
Es sieht so aus, als ob die von diesem
Quartett von Legenden eine Menge erwarten dürften. Nochmals danke
für das Interview und alles Gute für eure Firma, auch wenn es nicht
so aussieht, als ob ihr Glück nötig haben werdet!
Das Original-Interview führte die Seite
www.etoychest.org, es ist
unter
diesem Link erreichbar. Herzlichen Dank an
unseren Forenuser
TBa für die Übersetzung ins
Deutsche.









