Der Abschied

Der Herbst erfasst auch Teldrassil,
und rot färbt sich der weite Wald
was einst erblühte wird jetzt still,
und fallet vom Gehölze – bald?

Langsam segeln all die Blätter,
tanzend, schön, hernieder dar,
entfesselt von dem Regenwetter,
und landen ach so wunderbar?

Und ein Blatt – es fällt so zart,
auf einen Baumstamm auf der Erd,
und in dessen Gegenwart,
Pilze spriessen, unbeschwert?

Doch auf dem weichen Moose da,
sitzen zwei traurig’ trist Gestalten,
noch sind sich die beiden nah,
noch lässt die Zeite Gnade walten?

Elfen sind es, Mann und Weib,
beim Nam’ Eylana und Natander,
doch fühlen sie unendlich’ Leid,
eng umschlungen beieinander?

Es glitzern ihre Augen stark,
doch sind die beiden voll von Tränen,
denn lastet doch das Schicksal arg,
und sie sich bald in Schatten wähnen?

Denn morgen noch, bei Mondesschein,
zieht Natander ins Gefecht,
sei sein Herz auch noch so rein,
ist der Krieg niemals gerecht?

Eylana bittre Tränen weint,
doch muss der Elf sein Volk beschützen,
jetzt hier sind sie noch vereint
doch wird das ihrem Land nichts nützen?

So gibt er ihr den letzten Kuss,
innig, verträumt und doch gebrochen,
ein Abschied den er nehmen muss,
wie ein Dolch ins Herz gestochen?

Und so geht er von ihr fort,
geballter Faust und tief betrübt,
fern – weit an den Kriegesort,
und sein Herz als Held belügt?

Dunkel ist’s geworden hier,
die Nachtesschwärze folget bald,
verlassen nun von Elf und Tier,
nur noch Eylana weilt im Wald?

Rüstung zum Kampf

Der Mond leuchtet am Himmelszelt,
verachtend blickt er drein,
erhobnen Haupts” über der Welt,
entblösst er seinen fahlen Schein…

Die Dunkelheit, die schwarze Nacht,
ergraut im silbermatten Licht,
es halten Sterne ihre Wacht,
und im Wald wandert ein Wicht…

Sein blaues Haar wehet im Wind,
der gen Ost zum Meere zieht,
und tief gebückt das Erdenkind,
vor seiner Liebe flieht…

Es ist Natander, der schon weiss,
dass er dem Licht bald folgen muss,
es werde seine letzte Reis,
im Nack” spürt er den Todeskuss…

Und weinend schleicht er durch die Bäume,
durchzieht die dichten Nebelschwaden,
die haften bleiben wie Alpträume,
und ihn zerfressen wie die Maden…

Auch das Holz – es knarret leise,
tief bedrückt vom Elfenleid,
und auch der Wald erkennet weise,
Natander kehrt zur Ewigkeit…

So geht er in sein Haus aus Holz,
und öffnet eine silbern” Truhe,
erhebt daraus sein Schwerte – stolz,
welches weilte stets in Ruhe…

Von der Wand her glänzt das Schild,
fein geschmückt und voll von Pracht,
doch trägt”s verziert ein Kreuz als Bild,
und weise damit in die Schlacht…

Auch dieses nimmt der tragisch” Held,
und seufzt noch einmal voller Pein,
er wird es brauchen auf dem Feld,
und geht zurück zum Mondesschein…

Eylanas Einsamkeit

Einsam steht der Wald und still,
vergräbt sich in der Dunkelheit,
es scheint als sei”s des Holzes Will”,
dass Ruhe herrsche weit und breit…

Weder Stamm, noch Ast, noch Kron”,
wiegen sich im sanften Wind,
die Bäume – ohne Laut noch Ton,
die starr und steinig sind…

Nur leisem Tröpfeln kann man lauschen,
woher es wohl kommen mag?
Denn man hört kein Bächlein rauschen,
nicht bei Nacht und nicht bei Tag…

Der Baumstamm der liegt schwer im Laub,
dick und knorrig, moosverhangen,
betrübt weilt er und ist nicht taub,
er weiss die Elf” ist nicht gegangen…

Denn ihre Tränen sind der Quell,
des leeren, tropfend Klange,
und der Mond erleuchtet hell,
die Perlen auf der Wange…

So steht sie auf und geht umher,
stolpert über Stock und Stein,
es lastet ihr das Schicksal schwer,
und geht durch Mark und Bein…

Sie torkelt förmlich, voll von Schmerz,
und fällt bald auf die Knie,
hernieder brennt das Licht, die Kerz’,
der Funk von Hoffnung verlässt sie?

Weg zur Schlacht

Natander wandert durch den Nebel,
welcher seine Kehle schnürt,
er fühlt wie sich der Schicksalssäbel,
langsam von der Stelle rührt…
Er muss zum Hort der Truppen gehn,
zu Kriegern und zu Schützen,
die stramm in Reih und Gliede stehn,
und das Land beschützen…

Stunden reist er durch die Nacht,
sich gegen Schlaf am wehren,
stets nur auf das ein” bedacht,
gesund zurück zu kehren…

Von fern her höret er Gebrüll,
es ist das Heer der Elfen,
Fleisch und Blut in Hüll” und Füll”,
und auch er wird helfen…

Doch anstatt mutiger Gesichter,
sieht er in den Augen Elend,
längst verblasst sind sie, die Lichter,
und ihre Blicke bohren stehlend…

Es weint nun auch das Himmelzelt,
dumpfer Regen schlägt hernieder,
ein Schrei rumort hoch übers Feld,
der Donner spielt hässliche Lieder…

Finstre Bäche fliessen quählend,
über den schlammig” Untergrund,
stets von Leid und Pein erzählend,
bringen sie vom Kriege kund…

Die Fackeln tanzen geisterhaft,
und ängstigen Natander sehr,
es fehlt ihnen an einer Kraft,
Nacht zu vertreiben – lasten schwer…

Unser Held der setzt sich hin,
es fröstelt kalt das nasse Laub,
und eisig werden seine Sinn”,
aus Stein erscheint das Herz ihm – taub…

Verloren schliesst er seine Lider,
verdrängt die rauhe Wirklichkeit,
erschrocken öffnet er sie wieder,
Hörner schallen – es ist soweit…

Dolchstoss…

Eylana zittert – ist erdrückt,
vom grausamen hier und jetzt,
verbittert fühlt sie sich, verrückt,
verlassen, gequählt und tief verletzt…

Und auch das Wetter zeiget ihr,
dass alle Hoffnung längst verloren,
was soll sie denn allein noch hier,
die Einsamkeit steht vor den Toren…

Leer blickt sie gen Sternenschar,
erhofft sie weisen ihr den Wege,
doch ist der Himmel längst nicht klar,
denn der Nebel formt sich rege…

Und er bildet ein Gesicht,
zwei Augen, zornig, eingefallen,
in Gedanken – wahr ist es nicht,
trotzdem hört sie Stimmen hallen…

Die Dunkelheit ersucht zu sprechen,
färbt schwarz Eylanas restlich” Seele,
erpicht ihren Willen zu brechen,
und zugeschnürt ist ihre Kehle…

Bebend rappelt sie sich auf,
um Vergebung zu erflehen,
es stockt der armen Elf” der Schnauf,
die Zeit ist reif – die Zeit zu gehen…

Und so reisst sie sich – das Weib,
ihren Dolch vom Gürtel fort,
sticht ihn sich in ihren Leib,
– ein letzter Schrei am dunklen Ort…

Wiedersehen

Der Klang der Hörner schallt in der Nacht,
erbebt den schwarzen, giftig” Sumpf,
fern hört man wie der Feinde lacht,
und ihre Schritte fallen dumpf…

Die Elfen stürzen durch den Regen,
die Schwerter stets zum Mond gestreckt,
ersuchen sie Elunes Segen,
der Mut des Volkes ist erweckt…

Natander reisst sich aus den Träumen,
und trägt so voller Stolz sein Schild,
rennt hindurch zwischen den Bäumen,
schreit schlimme Worte laut und wild…

Blitze zischen durch die Krieger,
Regen stürzt sich auf das Feld,
Donner grollt und sucht den Sieger,
Tod und Blut – den tragisch Held…

Die ersten Feinde stürmen her,
und schlachten los, so ungeheuer,
der Sumpf wird bald zum Blutesmeer,
getrieben vom Hass und Fegefeuer…

Natander lässt das Schwerte schnellen,
und rot färbt sich die edle Klinge,
doch kann es nicht sein Herz erhellen,
im Töten sieht er keinen Sinne…

Und trotz der Tapferkeit, dem Schweiss,
ist die Schlacht noch nicht geschlagen,
hunderte Feinde sind auf der Reis”,
Natander kann es nicht ertragen…

Dutzende liegen sterbend da,
und auch unser Held erbleicht,
plötzlich fühlt er sich Eylana nah,
ein Dolch in seinen Rücken schleicht…

Mit starren Augen fällt er nieder,
auf den kalten, toten Grund,
Stich in den Rücken – wieder, wieder,
Natander fühlt weder Schmerz noch Wund”…

Ein lächeln liegt auf seinem Mund,
er sieht am Himmel ein Gesicht,
“Eylana” – tut er leise kund,
und schliesst die Augen, fern vom Licht…