Wir spielen es alle!

Ein knappes halbes Jahr ist es her, da erschien ein Online Rollenspiel, welches die Spielwelt revolutionieren sollte. Mit bisher nicht für möglich gehaltenen Spieler- und Kundenzahlen – vor allem auch auf dem europäischen Markt – und extrem einfacher Zugänglichkeit begeisterte World of Warcraft jung und alt. Eine regelrechte Warcraft- Manie war entstanden und Tausende und Abertausende Spieler trafen sich auf den Servern, in diversen Foren und Chats. Tagesthemen und Spiegel berichteten, und die Konkurrenz ist inzwischen vor Neid mehr als erblaßt. Man fragt sich händeringend, warum es eigene Produkte nicht zu einem solchen Erfolg geschafft haben (Everquest 2) und gestand sogar öffentlich ein, daß WoW einfach das bessere und angenehmere Spiel sei.

Hersteller Blizzard Entertainment bekam die üblichen Anfangsprobleme und Kinderkrankheiten eines solchen Spiels relativ schnell in den Griff und man kann trotz einiger vorhandener Probleme sagen, daß World of Warcraft inzwischen mit überragender Serverstabilität glänzt. Zumal man bedenken muß, daß man sich bei Blizzard nicht um drei oder vier Server Gedanken machen muß, sondern um über 100 solcher Realms in Europa.

Auch inhaltsreiche Updates wurden im Abstand von einigen Wochen eingespielt. So hat man das Ehrensystem implementiert, die Schlachtfelder geschaffen, neue Instanzen freigeschaltet sowie neue Rezepte, Items und Balanceänderungen eingeführt. Das Spiel begeistert nicht zuletzt durch immer neue Inhalte auch weiterhin.

Und trotzdem muß die Frage erlaubt sein: Wo geht der Weg hin, Quo Vadis World of Warcraft?

Auf den Spuren von DAoC?

Entwickelt sich unser aller Spiel wie sein Konkurrent Dark Age of Camelot? Diese Frage läßt sich so einfach nicht beantworten, denn Dark Age of Camelot (DAoC) ist erheblich länger auf dem Markt und hat bereits diverse kostenpflichtige Add-Ons hinter sich. Das Interesse an Mythic’s Rollenspiel hat deutlich nachgelassen, das erfährt man leicht aus Gesprächen mit ehemaligen Spielern oder durch die Lektüre entsprechender Foren.

Trotzdem: DAoC oder auch Sony’s Everquest sind nun bereits einige Jahre auf dem Markt und noch immer gibt es eine stattliche Anzahl an Spielern und Fans, die diesen Produkten die Treue halten. Es stellt sich unweigerlich die Frage, ob das bei World of Warcraft ebenfalls der Fall sein wird. Spielen wir alle in einem oder auch zwei Jahren immer noch durch Azeroth ziehende Menschen, Orcs und Trolle? Oder werden wir der Quests müde, langweilen uns durch immer gleiches „Instanzen Farming“, dem Verprügeln anderer Mitspieler, immer im Bestreben auch noch den letzten Ehrenpunkt zu erhaschen?

Man kann in keinen Spieler hineinschauen, aber jetzt, ein halbes Jahr nach Veröffentlichung des Spiels, kann man bei gewissen Spielertypen erste Ermüdungserscheinungen feststellen. Viele Spieler haben den maximalen Charakterlevel erreicht – vielleicht sogar mit mehr als einem Charakter – und sie fragen sich, was sie jetzt eigentlich tun sollen. Sicher, sie spielen Schlachtfelder und sie spielen High End Instanzen wie den Geschmolzenen Kern („Molten Core“) oder den Pechschwingenhort („Blackwing Lair“). Sie haben tolle Ausrüstung („Sets”) zusammen und sie scheinen optimal gerüstet für kommende Aufgaben zu sein.

Jedoch, auf wen genau trifft diese Aussage zu? Wer sind diese „gewissen Spielertypen“? Und welche Aufgaben warten denn in der Zukunft auf diese Spieler? Durch Gespräche und Chats stellt man sehr schnell fest, daß tatsächlich nur eine Minderheit so argumentiert wie oben zu lesen ist. Es gibt Gilden, die ziehen zum x-ten Male durch die 40-Mann Raidinstanzen. Entscheidend ist aber: es gibt eine überwältigende Anzahl an Spielern, die diese Raidinstanzen noch niemals gesehen haben – geschweige denn von innen. Das beweisen auch diverse Umfragen, die wir hier auf dieser Seite in der letzten Zeit geschaltet haben.

Gilden, die es immer wieder schaffen, ihre Mitglieder zu organisieren und solche großen Raids auf die Beine zu stellen, sind aller Ehren wert. Davor kann und sollte man wirklich Respekt haben. Aber nicht ein jeder will das auch wirlich erleben. Nicht jeder möchte sich einer solchen Organisation verpflichten, viele Spieler möchten einfach nur das Spiel spielen ohne große Planung oder Disziplin. Man darf diese Casual (Gelegenheits)-Spieler nicht vergessen, die auch ihren Spaß in den seit Patch 1.6 einfacheren 5 Mann Instanzen wie Scholomance oder Stratholme haben wollen. Fest steht: diese Vereinfachung der beiden Instanzen ist im Sinne der Mehrheit aller Spieler absolut zu begrüßen.

Blizzard hat einen unglaublich schweren Job durchzuführen. Jeder weiß: es ist vollkommen unmöglich, es jedem Spielertypus Recht zu machen. Bei einem Projekt dieser Größe bleibt dem Entwickler gar nichts anderes übrig als Kompromisse einzugehen und zu versuchen, sich nach den Begehrlichkeiten der Mehrheit zu richten. Insofern sind die getroffenen Entscheidungen, bald eine 20 Mann Instanz zu schaffen (Zul’Gurub), Instanzen zu vereinfachen sowie die Spielbarkeit der Charakter zu verbessern, absolut gerechtfertig und richtig.

Und was kommt dann?

Die Frage, die allerdings genauso gerechtfertig ist wie die vorherigen, ist die Frage nach der Zukunft. Man muß kein Prophet sein um behaupten zu können, daß immer neue Instanzen bzw. Schlachtfelder nicht ausreichen um den langfristigen Erfolg von World of Warcraft zu garantieren. Die Spieler möchten eine lebendige Welt erleben, mit neuen Quests, mit Veränderungen und mit neuen Gebieten. Spieler möchten den eingeführten Jahrmarkt auch einmal sehen und ihn besuchen und nicht nur über ihn lesen. Die Entdeckerfreude kommt zu kurz derzeit, das steht sicherlich fest. Mitschuld daran haben natürlich auch Webseiten wie Thottbot Co., auf denen es so gut wie alles nachzulesen gibt, was nicht niet und nagelfest ist.

Die Entwickler sollten sich daran aber trotzdem nicht stören, sondern ihren bisher so fantastischen Job weitermachen. Aber: sie sollten uns wissen lassen, ob es eines Tages neue Gebiete geben wird und was sie an Updates und Veränderungen planen. Die Geheimhaltung, die bei Blizzard’schen Spielen immer betrieben wird ist gut bekannt, aber World of Warcraft ist da anders. Es ist ein „ongoing project“, bei dem es darauf ankommt, die Leute dauerhaft zu motivieren und zu unterhalten. Und da hilft der ein oder andere Hinweis durchaus. Ein schlichtes „wußtest ihr eigentlich, daß in Hijal derzeitschwere Stürme herrschen“ würde die Community beschäftigen, es würde Erwartungen schüren und es würde klarmachen, daß man die noch geschlossenen Gebiete nicht vergessen hat.

Wir alle ertappen uns dabei, wie wir doch immer wieder einloggen. Selbst nach einigen Tagen Pause wird man wie magisch angezogen vom WoW Symbol auf dem Desktop. Wir wollen wissen, was unsere Gefährten treiben, wir wollen doch wieder einen Level aufsteigen und wir wollen die Gewißheit, daß die Welt Azeroth sich weiterdreht.

Aber wir dürfen nicht übersehen, daß unsere Pausen inzwischen auch einmal etwas länger ausfallen können und man doch einmal wieder in die Kneipe geht anstatt WoW zu spielen. Ob das nun positiv zu bewerten ist oder nicht, das möge ein jeder selber entscheiden. Vielleicht ändert sich das ja wieder, wenn die Stürme in Hijal nachgelassen haben…

Eure Meinung? Hier klicken