Im Februar 2005 kam ein Online Rollenspiel auf den Markt,
welches die virtuelle Welt revolutionierte und nahezu auf den Kopf
stellte. Niemals zuvor gab es eine Community dieser Dimension, bis
zum heutigen Tag haben weltweit mehr als vier Millionen Spieler den
Weg in die Warcraft’sche Welt gefunden. Eine schier unglaubliche
Zahl und nicht zuletzt auch für den Hersteller Blizzard
Entertainment sicherlich so lukrativ wie kein anderes Produkt
zuvor. Viel ist geschrieben worden über die Gründe des Erfolges,
der sich vor allem durch die extrem leichte Zugänglichkeit erklärt.
Das Spieldesign war von Anfang an darauf ausgelegt auch ungeübten
Online Rollenspielern den Einstieg zu erleichtern. Kaufen,
installieren, spielen. So und nicht anders findet selbst der
Computerspielneuling seinen Weg in die virtuelle Welt und besteht
spannende Abenteuer.
Auch andere Online Rollenspiele (MMORPGs – Massive
Multiplayer Online Roleplaying Games) konnten bereits einigen
Erfolg erzielen. Titel wie Ultima Online, Everquest oder Dark Age
of Camelot klingen uns auch heute noch in den Ohren und doch waren
diese Spiele eher den “Freaks”, den Internet Spielefans
vorbehalten. Also denjenigen, die sowieso gerne Computerspiele
spielten und die bereits einen erkennbaren Bezug bzw. eine gewisse
Affinität zu Rollenspielen hatten.
Aber World of Warcraft ist anders. Es spricht die Masse an.
Vom jugendlichen “Powergamer” bis zum 50- jährigen Familienvater.
Sie allen spielen das Phänomen WoW. Entweder aus reinem Spaß am
(Computer-) Spiel, zur Entspannung oder auch im Wettkampf mit
anderen. Sie treten Gilden bei, sie finden Bekannte, sie handeln
Gegenstände, sie unterhalten sich und verkaufen Waren im
Auktionshaus.
Und der Hersteller? Er sorgt seit Erscheinen des Spieles für
immer neue Inhalte. Inzwischen ist man bei Patch 1.8.4 angekommen,
was nichts anderes bedeutet, daß mehr als achtmal per Patch ein
Schwung Neues ins Spiel integriert wurde. Neue Verliese (Dungeons),
neue Schlachtfelder, in denen man gegeneinander antreten kann, neue
Gegenstände, neue Rätsel (Quests) und neue Rezepte sorgen dafür,
daß den Spielern auch nach fast einem Jahr Spielzeit nicht
langweilig wird.
Stimmt doch, oder?
Heute, im Dezember 2005 hört man immer öfter Stimmen, die von
aufkommender Langeweile sprechen und die mehr Innovation und
Dynamik fordern. Fraglos haben neue tolle Inhalte den Weg ins Spiel
gefunden. Diese Inhalte wenden sich jedoch fast ausschließlich an
Spieler, die auch die Zeit (!) haben, diese neuen Inhalte
auszutesten. Da gibt es gewaltige sogenannte “Raidinstanzen”
(Schlachtzüge) wie Molten Core, Blackwing Lair oder Zul Gurub, die
20 oder gar 40 Mann Spielergruppen erfordern. Noch mehr aber
erfordern sie Zeit. Der Otto Normalspieler kann sich diese Zeit
jedoch kaum nehmen (der Autor dieser Zeilen spricht da aus
Erfahrung), da gibt es schließlich noch Nebensächlichkeiten wie
Familie und Beruf. Der Otto Normalspieler kann sicherlich einige
Stunden in einen Dungeon investieren. Dann aber möchte er sein
Erfolgserlebnis haben, er möchte das Gefühl haben, etwas geschafft
zu haben und am besten hat er auch noch einen brauchbaren
Gegenstand erhalten, mit dem er seinen Charakter neu einkleiden
kann.
Die angesprochenen Raidinstanzen machen für diese “Normalo”-
Spielergruppe aber kaum Sinn, denn mit einmal mitgehen ist es nicht
getan. Immer wieder und wieder muss man die Powergruppen begleiten,
um überhaupt einmal die Chance zu haben, ein gutes Item abzustauben
oder einen besonders schweren Gegner zu besiegen.
Die Spielerfraktion der Gelegenheits-oder Spaßspieler (Casual
Gamer) meldet sich immer öfter zu Wort. Sie wollen machbare Inhalte
haben. Beispielsweise 5 Mann Instanzen wie Stratholme oder
Scholomance, die für dieser Spielergruppe den ultimativen Spielspaß
bringen. Oder Quests, die zu zweit oder zu dritt spiel- und lösbar
sind. Nicht jeder kann und will sein virtuelles Leben in großen
Gilden verbringen, die schwere Schlachtzüge mit fast schon
militärischem Drill organisieren und durchführen.
Sicherlich kann man nun argumentieren, dass Online
Rollenspiele eben so sind und wem das nicht passt, der soll halt
Civilization 4 spielen. Aber ganz so einfach ist das nicht. Der
Start von World of Warcraft hat ja durchaus gezeigt, was der
richtige Weg ist und sein kann. Monatelang konnten die “Normalos”
an ihrem Charakter feilen. Sie haben ihn auf Level 60 gespielt und
sich dann in die schweren 5-Mann Instanzen gewagt. Sie waren stolz,
diese Herausforderungen gemeistert zu haben und haben sich diebisch
gefreut, wenn sie ihren Ruf gegenüber einer bestimmten Fraktion
steigern konnten. Und dann haben sie vielleicht sogar noch einen
zweiten Charakter auf eben denselben Level gespielt. Vielleicht
sogar von der anderen Fraktion?
Doch nun hat selbst dieser Gelegenheitsspieler seine Aufgaben
erledigt. Er stellt nun fest, dass es da noch eine Menge mehr zu
entdecken gibt, Raidinstanzen zum Beispiel. Er stellt aber
weiterhin fest, dass er diese enorme Herausforderung alleine schon
zeitlich gar nicht zu leisten imstande ist. Er ist eben nicht in
der Gilde, die in der Lage ist, solche Dungeons zu spielen? Er hat
nicht die Zeit an vier aufeinander folgenden Tagen nach Molten Core
zu gehen. Er muss befürchten, dass er keine Punkte vom
gildeneigenen Punktesystem bekommt, wenn er nicht mitgehen kann.
Irgendwie stellt der Gelegenheitsspieler fest, dass er einfach
nicht mehr recht weiterkommt.
Und es gibt immer häufiger Stimmen, die nach Erneuerung
rufen. Eine Erhebung, die wir kürzlich durchgeführt haben, beweist,
daß mehr als die Hälfte aller WoW Spieler unzufrieden ist oder
dabei ist, es zu werden. Und wir fragen uns inzwischen, warum
Blizzard Entertainment für den kommenden Patch erneut 20-mann und
40-mann Raidinstanzen ankündigt, jedoch keine Inhalte für den
Normalverbraucher. Denn das kommende AhnQiraj ist definitiv nicht
für den Casual Gamer geeignet.
Was sind die Konsequenzen für das Spielerlebnis World of
Warcraft?
Das ist sicherlich eine schwierige Frage. World of Warcraft
wird auch weiterhin seine Stammspieler haben. Und zwar mehr als
alle anderen MMORPGs zusammen. Es ist und bleibt ein fantastisches
Spiel. Aber es entfernt sich immer weiter von den Spielern, die
auch nach Level 60 und 25mal Scholomance auf der Suche nach
weiteren Inhalten sind. WoW hat bereits mit den Battlegrounds
bewiesen, dass man sich sich eher an die Hardcore Fraktion wendet
und den Wettkampf Gedanken betont. Das Itemsystem trägt ebenfalls
seinen Teil zu diesem Eindruck bei. Es ist vollkommen in Ordnung,
dass die großen Raidgruppen auch besondere Items finden. Aber warum
darf der Solo- oder 5 Mann Instanzen Spieler nicht auch einmal ein
besonderes Item finden? Warum muss man für einen “respektvollen”
Ruf bei der Thoriumbruderschaft unbedingt nach Molten Core? Ok, man
kann auch Dunkeisen abgeben, aber es ist kaum anzunehmen, dass ein
Gelegenheitsspieler 8400 Dunkelerze sammelt und sich stundenlang,
tagelang, ja wochenlang durch die entsprechenden Örtlichkeiten
“farmt”.
Der Hersteller sollte an der Basis bleiben. Zwei oder drei
Instanzen ala Düsterbruch würden wahre Wunder bewirken. Gebt den
Gelegenheitsspielern auch die Chance, weiter Spaß an WoW zu haben
und sorgt für normalsterbliche Inhalte.
Dann steht der fünften Million Spieler sicher nichts im Wege.
Wir alle freuen uns auf das angekündigte AddOn “The Burning
Crusade” – nur wann das erscheint steht in den Sternen. Bis dahin
vergesst uns bitte nicht, Blizzard Entertainment. Uns, die reinen
Spaßspieler, die froh sind, sich alle 2 Tage ein paar Stunden
abknapsen zu können. Danke für eure offenen Ohren.
Garry Leusch
Eure
Meinung zum Artikel
Wo steht World of Warcraft heute?
...die Kharazan Katakomben wahrscheinlich wegen der gezeigten Grausamkeiten (Wasserleichen, Knochenberge) nicht als Zone eingefügt wurden und nie erschienen sind?
(Feedback)









