Gesteigerte Motivation

Die letzten Tage hatten es in sich und seit dem offiziellen Start der Beta stand ich selbst unter Starkstrom. Da die Arbeiten an der Page hier möglichst reibungslos weitergehen mussten und es zunächst ohnehin nicht die Möglichkeit gab, dass viele vom Staff hätten spielen können, habe auch ich wie alle hier nur gespannt alljenen Leuten gelauscht, die bereits in Azeroth unterwegs waren. Wie für alle, die nicht selbst loslegen können, ist es ein Ringen mit dem Verlangen nach neuen Informationen und dem Wunsch, einfach gar nichts mehr von WoW zu hören, bis das Spiel endlich erscheint. Aber der Mensch ist von Natur aus neugierig und somit ist es klar, dass alle Arten von Informationen auch bei mir auf offene Ohren stießen. Das steigerte natürlich mein Verlangen nur noch mehr und irgendwann dachte ich, entweder spiele ich jetzt oder ich fliege für 4 Wochen ganz weit weg, ohne Internet, ohne Email und am Besten ohne das Wissen um WoW. Aber dann konnte ich den Download starten und meine Abenteuer in Azeroth nahmen ihren Anfang ?

Ankunft in Northshire

Die Wahl eines Charakters ist wie der Beginn eines neuen Lebens, soll irgendwann einmal ein erfahrener Rollenspieler gesagt haben. Ich schließe mich dieser Weisheit an und somit brauchte ich mehr als 10 Sekunden, um meinen Charakter zu erstellen. Allerdings auch nicht mehr als 30 s, denn zu viel Zeitverzug konnte ich einfach nicht mehr hinnehmen. Eine Zauberin der Menschen sollte es sein, mit schwarzen Haaren und einem Namen, der im Gedächtnis haften bleibt. Da kam mir die Erinnerung an die alte Weisheit gerade recht und ich wählte Athene, die Göttin eben dieser Tugend. Ein simpler Klick auf den ?Login?-Button und ein so großer Schritt für Athene, mit der ich beim Eintritt in Azeroth zu einer Person verschmolz.

Das erste, was meine Augen erblickten war eine grüne Wiese, voller Blumen und unterbrochen nur von den größten Bäumen, die ich bisher gesehen hatte. Ich ließ den Blick schweifen und stellte fest, dass in Northshire ein ziemlicher Aufruhr herrschte. Überall aufgeregte Menschen, die den unterschiedlichsten Tätigkeiten nachgingen. Einige standen wie ich selbst einfach nur da und staunten, andere schlugen auf schreiende humanoide Gestalten ein, einige wenige rannten vor eben diesen Kreaturen weg und viele hatten diesen Wettlauf scheinbar verloren, denn sie lagen auf dem Boden und rührten sich nicht. Zwei Paladine saßen in der Nähe des Klosters und unterhielten sich über die aktuelle Preislage von Fisch und dann gab es da noch die Stripperin, die Gefallen daran fand, ihren Körper im Rhythmus eines unhörbaren Taktes zu bewegen. Diese obszöne Geste fesselte mich nur kurz, immerhin geziemt es sich für eine Lady nicht, auf nacktes Fleisch zu starren.

Ich begab mich zum Aufseher dieses Klosters, schaute mich in der Gegend um dieses Gebäude um und hatte innerhalb von 5 Minuten 3 zu lösende Quests gesammelt. Jede dieser Quests beinhaltete des Töten von Monstern. Gewalt und noch mehr Gewalt, nur mit klugen Sprüchen würde ich hier also nicht sehr weit kommen. Tja, dann eben nicht. Auf in den Kampf!

Mit Level 2 bekam ich für das Töten eines Timber Wolfs, ein Level 2 Monster, 55 Exp. Für ein Level 1 Monster erhielt ich 50 Exp und für ein Level 3 Monster 60 Exp. Bis zum nächsten Levelaufstieg benötigte ich 400 Erfahrungspunkte und für meine erste erledigte Quest schenkte mir der Aufseher 130 Erfahrungspunkte. Ich merkte schnell, dass mich nur das Lösen von Quests weiterbringen konnte. Die Milchmädchenrechnung ergab: 130 (Quest) + 7×50 (7 Kobolde töten) ergaben ? viele Erfahrungspunkte. Und dieser Unterschied sollte später noch immens ansteigen, die nächste Quest brachte mir schon 300 Exp.

Hilfe für Goldshire

Nach einer Stunde hatte ich genug von Northshire und wollte mehr von Azeroth sehen. Da kam ein Brief des Vorstehers gerade recht, den ich nach Goldshire bringen sollte. Postbote spielen liegt mir im Blut und bereits nach wenigen Minuten betrat ich die neue Region. Der Ansprechpartner vor Ort hielt gleich wieder eine Unzahl von Quests für mich bereit. So sollte ich zwei Minen in der Nähe aufklären, die gelbe Farbe der Quests zeigte mir aber, dass diese wohl etwas schwerer werden sollten. Als Belohnung wurden mir bereits jetzt einige Gegenstände gezeigt, wahrscheinlich zum Anfüttern. Das beeindruckte mich aber nicht besonders, denn was sollte eine zarte Zauberin wie ich mit einem Metallschild oder einem grobschlächtigem Hammer? Da ich allerdings wieder mehrere Händler in der Nähe erblickte, war mir klar, was ich mit dem neuen Gegenstand machen würde. Aber vorher musste ich die Quest erst einmal lösen.

Tödliche Minen

In der ersten Mine tummelten sich zahlreiche Kobolde, die leider nicht besonders freundlich eingestellt waren. Sobald sie meine Gestalt erblickten, wollten sie mir auch schon meine blaue Robe in Fetzen reißen! Eine Ungeheuerlichkeit, die ich mit mehreren Feuerbällen beantwortete. Allerdings war das nicht so einfach, wie ich dachte, denn die Monster griffen an und störten meine Konzentration, der Zauberspruch wurde immer wieder abgebrochen. Somit blieb nur der Griff zum Stab und der Kobold hauchte sein Leben aus. Der nächste wollte kurz vor seinem Ableben flüchten, ein Feuerball beraubte ihn dieser Illusionen. Ich hatte gelernt, zunächst mit Fernangriffen Schaden zu verursachen und später mit dem Stab nachzusetzen.

Ich durchquerte die Mine und sah überall glücklose Abenteurer, die die Tunnel wie einen Friedhof erscheinen ließen. Eine Lebensversicherung in Azeroth wird wohl kaum das Papier wert sein, auf dem sie geschrieben steht, dachte ich mir und ging weiter. Eine Nachricht auf dem Bildschirm zeigte mir, dass ich die Mine erforscht hatte und begann sofort den Rückzug. Das war auch bitter nötig, denn immer mehr Kobolde buhlten um meine Aufmerksamkeit.
Problematisch dabei war besonders, dass ich immer wieder betäubt wurde und meinen grandiosen Abgang nicht planmäßig fortsetzen konnte. Aber ich hatte Glück, ein Paladin heilte mich und mein Handkuss zur Belohnung verleitete ihn gleich zu der Frage, ob ich mich ihm anschließen wolle. Ich ignorierte dieses Angebot, denn ich hatte keinen Bedarf nach einem männlichen Begleiter. Bekanntlich wollen die alle nur das Eine und dafür war ich gerade nicht im Stimmung, denn die Jasperlode Mine rief!

Vorher stattete ich meinem Auftraggeber noch einen Besuch ab und erhielt 675 Erfahrungspunkte. Meine Kenntnisse in der Geographie von Azeroth waren sehr begrenzt, ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, wo ich nach der Mine suchen sollte. Ein Blick auf die Weltkarte zeigte mir zwar, wo ich war und wo sich Stormwind und Goldshire befanden und ich konnte sogar die Weltkarte bestaunen, aber es gab keinen Eintrag mit dem Namen der Mine. Wie unpraktisch! Mein weibliches Orientierungsvermögen würde wohl genügen müssen.
Eine Abenteurerin, ein Level 9 Warlock, kam gerade recht und nach einem kurzen Gespräch schlossen wir uns zu einer Gruppe zusammen. Sie zeigte mir den Weg, aber unterwegs hielten wir kurz an. Sie holte Holz, Zunder und einen Feuerstein aus der Tasche und machte ein Lagerfeuer! Ich war begeistert und sie erklärte mir, dass ein Überlebenstrainer diese Fähigkeit lehren konnte. Am Lagerfeuer regenerieren angeschlagene Kämpfer schneller ihre Lebenspunkte und außerdem sind diese Feuer wunderbar zum Braten von Fleisch geeignet. Von einer Waldbrandwarnstufe hatte in Azeroth wohl noch niemand etwas gehört.

Kurze Zeit nach unserem Aufbruch kam die Mine in Sicht, welche von zahlreichen Kobolden umlagert war. Diese hatten immerhin schon Level 7 und einige schossen sogar mit Feuerbällen auf mich! Meine Rache ließ nicht lange auf sich warten und einige gezielte Eisbolzen beenden die erbärmlichen Bemühungen der Kobolde. Ohne meine Gefährtin hätte es aber schlecht um mich gestanden, denn die Monster waren äußerst zahlreich. In der Mine selbst wimmelte es von riesigen Level 10 Spinnen, welche mich sogar vergifteten. Von der Decke hingen eingesponnenen Kadaver und Ekel packte mich. In der ganzen Aufregung achtete ich nicht auf meine Begleiterin, die das Zeitliche segnete. Kurz darauf war es auch um mich geschehen. Wir ließen uns von einem Heiler wieder beleben, den Verlust von 175 Exp nahm ich in Kauf. Ich hatte keine Lust mehr auf Spinnen!
Der Auftraggeber belohnte mich mit 1150 Exp für die Quest und ich erreichte Level 6.

Amüsante Begebenheiten

Wieder allein unterwegs hatte ich genug vom Aufträge erfüllen und schaute mir die Welt an. An einem kleinen See traf ich eine total süße Gnomdame, die gerade angelte. Sie warf ihre Angel aus und beobachtete aufmerksam den Schwimmer. Fing dieser an zu zucken, holte sie die Angel ein. Ich sprach mit ihr und sie sagte, dass sie schon viele Fische und sogar eine Lederrüstung ?gefangen? hatte. Ich war Feuer und Flamme und wollte mitmachen. Leider fehlten mir die Angel, ich hatte keine Köder und Ahnung vom Angeln hatte ich auch nicht. Aber die Dame führte mich zum Fischlehrer und ich lernte die Grundfähigkeit des Angelns. Ich sah, dass es weitere Angeltalente gab, die aber alle Geld kosteten und 3 bzw. 5 Fähigkeitspunkte. Ich beließ es bei den Grundkenntnissen und suchte nach einem Händler, der mir eine Angel verkaufte.

Ich ging Richtung Goldshire und sah auf einmal eine Ansammlung von männl. Kriegern. War die Stripperin in der Nähe oder weshalb waren die Männer so aufmerksam? Ich sah zunächst gar nichts, die breiten Schultern verdeckten meinen Blick auf einen kleinen süßen Level 1 Wolf. Der war eingekreist und wurde attackiert. Aber er starb nicht! Was für ein Held! Leider würde er wohl dennoch bald in die ewigen Jagdgründe eingehen, denn ein Aufseher von Azeroth (GM Staff) hatte sich den Wolf bereits vorgeknöpft. Ich wollte mir das Weitere ersparen und ging weiter. Ein paar Schritte weiter traute ich meinen Augen nicht, eine riesige Kuh stand auf dem Weg! Sie trug eine goldene Glocke und schaute mich an. Ich betrachtete sie aus der Nähe und war beeindruckt, denn sie war schwarz wie die Nacht und weiß wie ein Hochzeitskleid zugleich.


Wenige Schritte weiter sah ich einen Bauernhof, auf welchem sich zahlreiche Pferde befanden. Diese waren noch größer als die Kuh und sahen atemberaubend aus. Ich sprach mit dem Pferdehändler und er forderte 50 Goldstücke für ein Pferd! Ein Skandal, ich hatte gerade einmal 5 Silbermünzen. Ich beschloss, erhobenen Hauptes das Feld zu räumen, um später mit so viel Gold wiederzukommen, um alles leer kaufen zu können. So ein Pferd musste ich einfach haben!

Stormwind

Da ich genug von Wald und Wegen hatte, trugen mich meine Füße wie von selbst nach Stormwind. Schon von Weitem sah ich die Stadt und mir wurde ganz schwindelig. Ich hatte erwartet, das Stormwind groß sein würde. Aber das was ich sah, war einfach zu viel für mich. Riesige Heldenmonumente säumten die Straße in den Stadtkern, ich reichte den Monumenten nicht einmal bis zum Sockel! Über mir schwebten immer wieder Greifen in Richtung Osten und ich konnte nicht anders, ich musste einfach ungeniert starren.

Ich begriff, dass ich für Stormwind einen vollen Tag benötigen würde und ich setze mich, um für diese Aufgabe neue Kräfte zu sammeln ?

Begleitet Athene auf ihrer Reise