Der erste Tag

Angefangen hatte alles gestern in der Schule. Ich ging routinemäßig online und las die große Kunde. Ab diesem Zeitpunkt war es um mich natürlich geschehen, den Rest des Schultages konnte man mich vergessen, denn ich saß apathisch auf meinem Platz und wartete darauf, dass die letzten sechs Stunden endlich vorbei gingen. Aber davon möchte ich gar nicht mehr viel erzählen, wie jeder nachvollziehen kann, waren es die längsten Unterrichtsstunden meines Lebens.
Erst letzte Nacht begann es interessant zu werden, denn um 22:35 Uhr konnte ich endlich die letzten paar Kilobyte saugen, um den Client zu vollenden. Ein wahres Prachtstück mit seinen 2 Gigabyte, das muss einfach einmal gesagt werden. Die Vorfreude stieg ins Unermessliche, schließlich hatte ich jetzt die heißeste Datenmenge des Planeten auf meinem Rechner: Die Betaversion zu World of Warcraft. Doch ich wurde total enttäuscht. Vielleicht lag es an meiner Unwissenheit, dass ich damit rechnete, dass die Installation des Clients schnell zum Ende kommen würde. Aber auch meine bisherige Erfahrung ließ mich im Stich und ich war niedergeschlagen, als ich noch einmal geschlagene 20 Minuten warten musste, bis ich endlich auf den Server connecten konnte.

Doch schon tat sich das nächste Problem auf. Natürlich hatte ich in der ganzen Aufregung vergessen, dass momentan nur die Allianz zu Verfügung steht. Ich hatte mich doch schon so auf meinen Untoten gefreut! Ich wollte schon eine Email an Blizzard schreiben, um ihnen von den seelischen Grausamkeiten, die sie mir antaten, zu berichten. Doch ich besann mich eines besseren und wählte meine 2. Lieblingsrasse, die Gnome. Da ich eher ein Nahkämpfertyp bin und Gunslinger schon einen Krieger gewählt hatte, entschied ich mich für einen Schurken.
Dann noch schnell ein wenig am Aussehen des Gnoms gebastelt – die Voreinstellung mit dem wilden Bart und den zersausten Haaren sah einfach zu schrecklich aus – und den Namen eingeben. Doch leider stellte mich das Eingeben des Namens wie Sandro vor ein Problem. Nicht das mein Nickname vergeben wäre, im Gegenteil, ich hatte einfach keinen. Wie ich oben schon erwähnt habe, wollte ich einen Untoten spielen und hatte auch schon einen Namen für ihn, doch woher auf die Schnelle einen Namen für einen Gnom finden? Ich entschloss mich nach kurzer Überlegung dazu, ihn Killas zu nennen (Keine Sorge, mein nächster Charakter wird sicherlich nicht KillasII heißen.).

Endlich drin! Ich startete in Coldridge Valley, ein kleines Tal umschlossen von hohen Bergen südwestlich von Ironforge. Zu meiner Rechten stand ein Planwagen, der allerlei Krimskrams zu verkaufen hatte, unter anderem Brot, was man verzehren kann, um die Lebensanzeige wieder aus dem roten Bereich zu retten und Wasser, welches das Mana auflädt. Zu meiner Enttäuschung musste ich feststellen, dass ich ohne einen Pfennig Geld in diese fremde Welt eingetreten war und auch in meinem Rucksack fand ich keine Gegenstände, die ich hätte verkaufen können. Die Programmierer waren allerdings so nett, meinen Gnom mit einem kleinen Schwert, einem Hemd und einer Hose auszurüsten. Wahrscheinlich waren sie aber nur deshalb so gütig, damit die Anfänger nicht in Unterwäsche durch das Camp laufen müssen. 😉

Ich sah mich weiter um und entdeckte links neben dem Verkäufer einen weitere Karren. Er hatte ein großes Fass geladen, offenbar haben die Zwerge in diesem weit abgelegenen Teil von Azeroth die Zeit und Muse, den einen oder anderen Becher zu trinken. Mich interessierte das allerdings herzlich wenig, denn ich war scharf darauf, mein erstes Quest zu erhalten. Wer ist das auch nicht, wo Blizzard doch so viel darüber berichtet hat. Ich drehte mich ein wenig weiter nach links und erblickte den Zwerg Balir Frosthammer. Er sah stark und groß aus, mit seinem langen Bart, der ihm über den Gürtel hing und seinem schweren einhändigen Hammer. Wirklich, er kam mir sehr groß vor, ich reichte ihm gerade mal bis zu Brust und das auch nur, weil ich bei der Größe ein wenig schummelte und meine Haare steil nach oben gerichtet hatte. So stand ich vor ihm und er erteilte mir nach der Begrüßungszeremonie mein erstes Quest: Ich sollte für ihn 5 Rockjaw Troggs sowie 5 Burly Troggs töten. Keine leichte Aufgabe, wo ich doch erst vor wenigen Minuten das Spiel gestartet hatte. Nun ja, es blieb mir keine andere Wahl, schließlich möchte ich mal ein großer und anerkannter Gnom werden! Ich machte mich auf den Weg, die Bestien zu finden. Als Erstes stachen mir die riesigen Bäume ins Auge. Als ich noch im Camp war, hatte ich das gar nicht richtig registriert, weil ich mich dort auf die Leute konzentriert hatte. Aber jetzt, unterwegs auf diesem Sandweg mit der Kamera im Rücken, die übrigens frei beweglich ist, klappte mir mein Unterkiefer um 10 Zentimeter nach unten.

Die Landschaft sieht einfach fantastisch aus. Das können noch so viele Screenshots und Filme nicht zeigen, denn wenn man sich selbst in dieser Landschaft bewegt und sieht, wie die Bäume an einem vorbeihuschen, dann wird einem ganz anders. Man fühlt sich nicht nur in einer anderen Welt, man IST in einer anderen Welt. Nach wenigen Sekunden ist man bereits in sie verliebt und nach ein paar Minuten hoffnungslos verloren. Nach den ersten paar Metern war es zumindest bei mir so. Das Gefühl von Geborgenheit und eine Ahnung, dass es verdammt richtig ist, in dieser Welt zu sein, breitete sich in mir aus.

Nachdem ich meine Gedanken und Gefühle wieder halbwegs unter Kontrolle halten konnte, ging es weiter in meinem noch jungen Gnomenleben. Schließlich hatte ich ein Quest zu erledigen und ich wollte Balir Frosthammer nicht zu lange warten lassen. Ich schnappte mir das erstbeste Monster, was ich töten konnte. Leider war es kein Rockjaw oder Burly Trogg, sondern ein Kaninchen, was dran glauben musste, aber jeder fängt mal klein an. Zwei weitere Kaninchen mussten noch ihr Leben lassen, bevor ich mein erstes richtiges Monster erschlug, einen Ragged Young Wolf. Sein Tod brachte mir 50 Erfahrungspunkte und ein Fell, mit dem ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nichts anzufangen wusste. Ich tötete noch ein paar weitere Wölfe, bis ich am Horizont eine Gruppe Troggs entdeckte. Natürlich lies ich sofort von den Wölfen ab, um mich meinem Quest zu widmen, doch dies war gar nicht so leicht. Ein Wolf verfolgte mich und machte mir das Leben schwer, indem er mich immer wieder erwischte, obwohl ich doch noch zwei Sekunden vorher gedacht hatte, ihm endlich entkommen zu sein! Entnervt drehte ich mich um und gab dem Wolf den Gnadenstoß.

Nun konnte ich mich endlich den Troggs widmen. Einer nach dem anderen musste mit seinem Leben dran glauben und jedes Mal, wenn ich einen erledigt hatte, wurde in der Mitte des Bildschirmes eine kurze Nachricht eingeblendet, der ich entnehmen konnte, wie viele ich noch zu eliminieren hatte. Nachdem ich die 5 Rockjaw und 5 Burly Troggs erledigt hatte, kehrte ich zu meinem Auftraggeber zurück. Er belohnte mich mit einem Gegenstand, den ich sehr gut gebrauchen konnte. Es waren Handschuhe, die meine Verteidigung um 5 Punkte erhöhten. Weitere Quests erledigte ich mit ähnlicher Geschwindgkeit, bis auf eine Aufgabe, dies es wirklich in sich hatte: Ich sollte mich in eine Höhle begeben, die im tiefsten Südosten von Dun Morogh liegt, um 12 Frostman Trolle zu erledigen. Die ersten Trolle waren zwar kein Problem für mich, doch ich machte den Fehler, mich zu weit in den Dungeon hineinzuwagen. Auf einmal sah ich mich einem Anführer, Grik”nit the cold, gegenüber, der mich mit seinen Schergen zusammen attackierte. Keine Chance. Ein schnelleres Ableben ist kaum noch möglich, innerhalb von Sekunden haben mir die Feuerbälle und die Schwerthiebe das Leben ausgetrieben. Ich kehrte als Geist an einem Bindstone ganz in der Nähe meiner Startposition zurück. Da ich mir im Klaren war, dass ich wieder sterben würde, sobald ich auch nur einen Schritt zu weit in die Nähe dieses fiesen Bossmonsters setzen würde, ließ ich mich am Bindstone komplett wieder herstellen. Dies kostete mich zwar über 200 Erfahrungspunkte, aber das war es mir Wert.

Statt sofort einen erneuten Versuch zu starten, begab ich mich nun zum ersten Mal in die kleine Stadt Anvilmar. Dort gibt es einen Waffenschmied sowie einen Rüstungsbauer und natürlich auch für jede Klasse einen Trainer.

Wie mein kleines Abenteuer mit den Frostman Trollen ausgeht und welche Talente mein junger Schurke inzwischen erworben hat, erfahrt ihr morgen Nacht im zweiten Teil meines Betatagebuches!

Begleitet Killas auf seiner Reise