Was früher war – meine Kindheit

Darf ich mich kurz vorstellen? Mein Name ist Shyleena und ich bin mit Abstand die süßeste und hübscheste blonde Menschenfrau, die jemals auf Azeroth gewandelt ist oder jemals wandeln wird … jedenfalls sage ich mir das immer, wenn ich in einen Spiegel schaue. Nachdem meine Eltern auf einer ihrer Reisen durch die Wälder unser Königreiches spurlos verschwanden (sie waren Kräuterkundige und daher immer abseits der sicheren Pfade unterwegs) wurde ich, fast noch ein Baby, dem Waisenhaus von Stormwind in Obhut gegeben. Ich nehme daher an, dass ich keinerlei weitere Angehörige habe.

Das Waisenhaus ist eine Einrichtung der Cathedral of Light und wurde seiner Zeit geführt von der hochehrbaren Priesterin Agnes Rottenberry. Wir haben uns niemals richtig gut verstanden, Schwester Agnes und ich. Das könnte natürlich auch an den Streichen gelegen haben, die Willard und ich ihr immer gespielt haben. Ach habe ich Willard noch nicht erwähnt? Der Bursche war 1 oder 2 Jahre älter als ich (so genau konnte man das bei uns Findlingen ja nicht genau sagen) und wir verstanden uns auf Anhieb. Er wurde für mich eine Art Ersatzfamilie in einer Welt der tristen Schlafsäle, schalem Essen und strenger Zucht und Ordnung und ich liebte ihn wie den Bruder, den ich nie hatte. Aber zurück zu Schwester Agnes. Ich glaube das eigentliche Problem bei den Streichen war, dass sie zwar wußte, wer sie ihr spielte, es aber nie beweisen konnte. Das ist nämlich mein Talent – mich nicht erwischen zu lassen. Mit der Zeit brodelte und wütete es in ihr und sie ließ es mich mit allerlei üblichen Ärgernissen büßen wie Abwaschen (bei 150 Heimkindern kein Zuckerschlecken sage ich euch), Fußböden schrubben und Latrinenreinigen. Ich muss ja wohl nicht extra betonen, dass sie eines Nachts den Inhalt einer solchen Latrine unter dem Kopfkissen vorfand, oder?

So wuchsen Willard und ich heran, er zu einem stattlichen Burschen und ich zu einem gut aussehenden blonden Mädel. Eines Tages, es mögen jetzt wohl so etwa drei Jahre vergangen sein seither, kamen diese Männer in unser Heim. Blinkende Rüstungen trugen sie und prächtige Waffen und Schilde. Sie erzählten irgend etwas vom Krieg gegen Untote, Dämonen und Orks und dass dieser auf Messers Schneide zwischen Wohl und Wehe für das Volk von Stormwind stünde. Im selben Atemzug erklärten sie alle wehrfähigen Burschen und Mädchen von uns als einberufen in die Armee der Allianz. Es sei unsere Pflicht am Gemeinwohl sagten sie. Dummerweise war auch Willard alt genug und wurde aus meinem Leben gerissen. Monate später erfuhr ich dann, das ihn ein Ork im Blutrausch in zwei Hälften gespalten habe. Da gab es für mich kein Halten mehr und ich lief aus dem Waisenhaus fort. Ohne Willard hielt mich hier ohnehin nichts mehr und nur die Briefe, die er mir bis dahin an diese Adresse geschickt hatte, machten die Knute von Schwester Agnes erträglich.

In den folgenden Jahren war es nicht immer leicht für mich, in einer Stadt wie Stormwind zu überleben. Wenn man sich die gepflegten Straßen, die weiß getünchten Fassaden der Häuser und die verschiedenfarbigen Dächer der Häuser betrachtet, dann kommt man kaum auf den Gedanken, welche Armut in den finsteren Gassen dahinter verborgen ist, geboren und genährt durch die Kriege in unserer Welt. Unter all den Flüchtlingen der Stadt war ich nur eine weitere. Unser Blick fiel auf die sauber gestutzten Bärte der Zwergenkrieger, die blinkenden Rüstungen der Paladine, die kunstvollen Stäbe der Magier und die schneeweißen Roben der Priester von der Cathedral of Light in den Hauptstraßen und wir alle wollten an dieser Pracht teilhaben. Nun … ich hatte da so meine eigenen Wege und was mich früher dazu befähigt hatte, ungeschoren Schwester Agnes einen Schabernack nach dem anderen zu spielen, erwies sich nun als nützlich. Über die Jahre hinweg entwickelte ich mich zu einer recht geschickten kleinen Beutelschneiderin und gar so mancher Silberling wanderte ungesehen in meine Taschen.

Eines Tages jedoch, es wimmelte mal wieder in der Stadt von Soldaten auf Fronturlaub oder soetwas (hat mich nie sonderlich interessiert warum wenn sie nur schnell betrunken waren), sah ich diesen Krieger im Plattenpanzer, der in der Sonne auf einer Bank ein Nickerchen hielt. Die prall gefüllte Geldbörse an seiner Seite machte mich wohl etwas unvorsichtig und anstatt die Lage eine Weile zu sondieren wie immer griff ich gleich zu meinem kleinen scharfen Messer. Erst als blitzschnell und schraubzwingenartig seine Hände meine Handgelenke umfassten und mir jede Möglichkeit der Flucht nahmen, erkannte ich die Lage. Dieser Mann hatte nicht geschlafen, ja vielleicht nicht einmal gedöst und mich in aller Seelenruhe kommen sehen.

Die weitere Geschichte ist, so unglaublich sie klingen mag, schnell erzählt. Der Mann war kein anderer als Urias Lightfoot, Paladin und Verteidiger des heiligen Lichts, Veteran auf zahlreichen Schlachtfeldern. Anstatt mich in den finsteren Kerker der Stadt werfen zu lassen, wo ich für meine Taten sicherlich eine Hand eingebüßt hätte, nahm er mich bei sich auf. Er sorgte dafür, dass ich Dreck und Flöhe los wurde, wieder Fleisch auf die Knochen bekam und etwas anständiges zum Anziehen. Ob er sich nun auf einer heiligen Mission befand, ich seinen väterlichen Instinkt geweckt hatte oder ich ihm gefiel und als seine Gespielin herhalten sollte konnte ich zu dieser Zeit nicht sagen. Nach einigen Wochen schließlich bat er mich zu einer Unterredung unter vier Augen. Ich war zur Flucht bereit, sollte er mir zu nahe treten, das könnt ihr mir glauben. Er eröffnete mir aber, dass er mein Treiben in der Stadt schon eine Weile beobachtet und meine Talente erkannt hatte. Die Allianz wird auch nach den vergangenen Siegen von allen Seiten von inneren und äußeren Feinden bedrängt und es werden Leute meiner Fähigkeiten gesucht, um Augen und Ohren offen zu halten und im Verborgenen für den Erhalt des letzte Menschenreiches auf Azeroth zu kämpfen. Er stellte mich vor die Wahl, diesen Zielen zu dienen und gleichzeitig meinen Leidenschaften nachzugehen oder die gerechte Strafe für meine bisherigen Taten zu erhalten. Naja was soll ich euch sagen … ich entschied mich erst einmal sein Spiel mitzuspielen und mir anzusehen, was er anzubieten hatte. Ich konnte mich später ja immer noch aus dem Staub machen. Doch statt vieler Worte reisten wir umgehend in das schöne Northshire Valley (ich hatte die Mauern Stormwinds zuvor noch nie verlassen) und er entließ mich mit den Worten, ich solle mit Deputy Willem drüben an der Abtei reden. Der wisse schon etwas mit mir anzufangen. Danach kehrte er mir den Rücken zu und ritt von dannen.

Hier und jetzt – erste Schritte in ein neues Leben

Also dieses Northshire ist ja mal ein richtiges Dorf wie es eine Städterin wie ich ja nicht einmal im entferntesten ausmalen kann bis sie es das erste Mal betritt. Es riecht ein wenig nach Mist, die Kühe, Schafe und Kaninchen laufen überall herum und das fröhliche Gezwitscher der Vögel verleiht dem Ganzen die Atmosphäre eines Märchens. Naja – jetzt reiß dich zusammen Mädchen – es gibt Schlimmeres. Ich melde mich also wie befohlen bei diesem Deputy. Natürlich haben Deputys nichts zu sagen wie überall und ich werde auch gleich in die Abtei zu seinem Boss Marshal Mc Bride geschickt. Es sieht so aus, als gibt es hier ein Problem mit Kobolden, die sich nördlich der Abtei in der Echo Ridge Mine festgesetzt haben. Schickt der Bursche mich doch tatsächlich aus, um Kobolde zu erlegen. Gleich drei mal soll ich mehr und stärkere Exemplare dieser Gattung aus dem Weg schaffen. Da ich glücklicherweise meinen Dolch recht gut beherrsche ist dies jedoch meine leichteste Übung. Wirklich gefährlich sind diese Burschen ja hier nicht und immerhin gibt es für die Mühen jedes Mal ein wenig mehr Kupferstücke und zum Schluss geht sogar ein schicker Gürtel in meinen Besitz über. Von meinen ersten redlich erwirtschaftetet Kupferstücken (ich fasse es nicht das ich das bin, die das schreibt) kaufe (du liebe Güte) ich mir einen kleinen Rundschild, um mich besser schützen zu können. Bei den Händlern handelt es sich nur um einfache Wanderhändler, die unerfahrenen Abenteurern wie mir grade einmal das Nötigste verkaufen können. Von den Prachtrüstungen aus den Straßen von Stormwind keine Spur.

Aus den Augenwinkeln bemerke ich noch, wie mich dieser Deputy Willem noch einmal heranwinkt. Offensichtlich hat sich mein Koboldgemetzel herumgesprochen und es gibt mehr Arbeit für mich. Und tatsächlich sind die hiesigen Ordnungshüter nicht einmal in der Lage, mit ihrer eigenen Rasse fertig zu werden. Hätte ich mir nach der Koboldgeschichte ja denken können. Wie es aussieht bedrohen Diebe der Defias Brotherhood östlich der Abtei und jenseits des Flusses die Ordnung. Als Beweis für meinen Erfolg will er deren rote Schlapphüte haben. Insbesondere einen Knaben namens Garrick Pathfoot, der in den hiesigen Weinbergen Unterschlupf gefunden hat, gilt es dann noch den Garaus zu machen. Da für mich insgesamt ein schicker neuer Dolch und eine annehmbare Lederweste neben weiterem Bargeld drin sind, willige ich missmutig ein. Vorher nutze ich aber noch die Gelegenheit und schaue bei einem Burschen vorbei, der sich in einem Stall hinter der Abtei verbirgt. Es ist schnell klar warum er sich verbirgt. Jorik Kerridan ist sein Name und er entpuppt sich als alter Hase meiner Zunft, bereit, mir gegen klingende Münze weitere Tricks beizubringen. Ich entscheide mich für die Kunst des Schleichens sowie einen besonders hinterhältigen Angriff von hinten. Danach ist leider auch mein Geld alle. Ausbeuter. Wie sich herausstellt, sind diese neuen Fertigkeiten bei der mir bevorstehenden Aufgabe auch sehr nützlich. Mein Plan war eigentlich ganz gut. Einfach mal rübergehen, den Jungs zuwinken und ein Gespräch unter Kollegen führen und nebenbei ein paar Käppis mitgehen lassen und fertig. Doch was ist das? Auf meinen fröhlichen Ruf hin (natürlich verbunden mit dem geheimen Zeichen der Diebe) zücken die Burschen doch gleich ihre Waffen und gehen auf mich los. Ja so jetzt aber nicht – nicht mit mir. Von gerechtem Zorn übermannt haucht dankt meines neuerworbenen Könnens einer nach dem anderen sein Leben durch mich aus. Ich hatte tatsächlich schneller 8 Kappen zusammen als die Burschen „Geld oder Leben“ brüllen konnten. Auch das Anschleichen gelingt mir von Mal zu Mal besser. Nur dieser Garrick ist ein sehr aufmerksamer Bursche und mir an Fähigkeiten ebenbürtig. Kaum bin ich unsichtbar auf vier Schritt an ihn heran zückt er doch seine Waffe und geht auf mich los. Einige Augenblicke später sinkt er jedoch vor mir zu Boden. Natürlich liegen Männer mir regelmäßig zu Füßen, aber dieser hier war jetzt sogar regelrecht kopflos. Um ehrlich zu sein klemmt sein Kopf sogar grade unter meinem linken Arm als Beweis meines Erfolges für den Deputy. Im Nachhinein betrachtet bin ich nicht wirklich böse darum, dass ich ihm diese Gefallen getan habe. Die sind aber auch wirklich zu fies die Burschen von der Brotherhood. Und Geschäfte mit redlichen Leuten zu machen gefällt mir eigentlich auch … sie pflegen sich nämlich entgegen meiner früheren Bekanntschaften an getroffene Vereinbarungen zu halten. Ich jedenfalls erfreue mich nun an einigen feinen Ausrüstungsgegenständen, darunter eine schicke Lederweste in Mitternachtsblau. Ich hab schon immer gesagt, dass mir dunkle Farben gut stehen.

Mit einem Hinweis, ich solle noch mal beim Marshal reinschauen, entlässt Willem mich dann. Tja und der gute alte Mac Bride lässt dann den stärksten Knaller des Tages vom Stapel. Erklärt mich der Knabe doch zum Deputy bei den Stormwind Mashals (und das mir) und schickt mich anschließend mit einem Empfehlungsschreiben nach Goldshire, dem nächsten Ort im Süden der Abtei. Immer noch verdattert ob meines neuen Ranges mache ich mich aus dem Staub. Doch Moment einmal, denke ich so bei mir. Da draußen im Wald, da sind die Räuber. Dieser Gedanke bringt mich dazu, meine verbliebene Barschaft beim Dorfhändler für das beste an Lederwaren auszugeben, was verfügbar ist. Auch von meinem Berufskollegen Jorik lasse ich mir noch einige Tricks beim Taschendiebstahl sowie einen lähmenden Schlag gegen Feinde erklären (wieder gegen Silber). Da ich wieder einmal pleite war, übte ich meine neuen Fertigkeiten noch eben schnell an einigen der dummen Kobolde nahe der Mine. Wirklich lieb von ihnen, mir eifach ihr Kupfer ohne Kampf zu überlassen. Bei den Bewohnern von Northshire konnte ich allerdings nicht Hand anlegen. Muss wohl mit meinem neuen Ehrenkodex zusammenhängen oder so. Nun steht meiner Reise nichts mehr im Wege und ich machte mich frohen Mutes auf.

Kobolde und Farmersleut”

Jung und energiegeladen wie ich nun einmal so bin marschierte ich denn auch schnurstracks die gut ausgebaute Straße hinab Richtung Goldshire. Da ich mit meinem geübten Auge für Dinge, die mir nicht gut bekommen, zwischen den Stämmen der gigantischen Baumriesen weitere Schurken der Defias Brotherhood ausmachte und auch den einen oder anderen aggressiven Bären beschloss ich, erst einmal auf der sicheren und regelmäßig von Wachmännern begangene Straße zu bleiben. Es ist eigentlich ein schönes Gefühl, wenn diese Burschen auch mein Wohl im Auge haben und nicht wie schon so oft nach mir suchen.

Mmmmh. Also die Gebäude dahinten können doch nicht schon Goldshire sein? Aber doch. Tatsächlich. Ich hatte es schon geschafft – ganz ohne einen Kratzer. Nun ja, wer nicht wagt der nicht verliert sage ich immer. Jedenfalls ist das mein Motto an Orten, in denen ich mich nicht heimisch fühle. Und ein uralter Wald voller Raubtiere gehört zufällig dazu. Auch wenn man Goldshire immer noch nicht den Charakter eines Dorfes abschreiben kann, ist hier bedeutend mehr los. Aus der nahen Schmiede mitsamt Esse (bestimmt von Zwergen entworfen das Gebäude, komische Form – wie ein Teekessel) schallen Laute von Hämmern auf Stahl zu mir herüber. Auf der Straße duellieren sich junge Helden. Und aus dem Lions Pride Inn dringt einladendes Gemurmel an mein Ohr. Ja ein kleiner Schluck, um den Staub aus meinen Lungen zu spülen wäre jetzt genau das richtige. Der große Schankraum macht einen sehr gemütlichen Eindruck auf mich, ganz anders als die verrauchten Räuberhöhlen, die ich aus Stormwind kannte. Nach einem prüfenden Rundumblick erkor ich einen Tisch nahe des Ausgangs als geeignet. Man weis ja nie.

Während ich noch mein Bier hinunter kippte, trat ein Mann an meinen Tisch und stellt sich als William Pestle vor. Einfach so. Wie sich herausstellt sucht er abenteuerlustige Leute, die im die eine oder andere Kerze von den Kobolden besorgen, die die nahem Minen besetzt halten. Er scheint eine Art Alchemist oder sowas zu sein. Erkaufen tut er allerdings nichts. „Na klar Alterchen“, antworte ich. „Wenn du gut bezahlst bin ich dabei.“ Einen Handschlag später ist er auch schon wieder weg. Naja extra krumm machen werde ich mich für den Burschen aber nicht. Mal sehen was sich so ergibt. A Propos krumm machen. Da steckt doch noch dieses Bündel von Mac Bride in meinem Beutel. Also nix wie los und den Stellvertreter des Gesetzes hier suchen gehen. Je eher das erledigt ist desdo besser. Naja ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ich den Burschen auch bald gefunden habe. Er steht schließlich mitten auf dem Dorfplatz. Und die Leute der Region haben wirklich ein Problem mit Kobolden. Nicht nur das mich Marshal Dughan (vom selben Schlag wie der olle Mac sag ich euch) darum bittet, die südlich gelegene Fargodeep Mine nach besonderen Vorkommnissen auszukundschaften. Auch Leute, die aus der Koboldplage Gewinn schlagen wollen sind bereits eingetroffen. Jedenfalls überredet mich doch dieser Remy „Two Times“ dazu, ihm Goldstaub der hiesigen Kobolde mitzubringen, sollte es sich ergeben. Ich bleibe aber misstrauisch, denn der Preis den er bietet für Gold ist nicht grade besonders. Wir werden sehen. Tja und dann wäre da noch der Schmied, der eine Miene zieht, als überlege sich gerade, ob er mich mit einem kleinen Auftrag betrauen soll. Doch dann zögert er doch aufgrund meiner mangelnden Erfahrung. Vielleicht beim nächsten Mal. Zumindest konnte ich einen Blick auf sein Angebot werden und stellte fest, dass ich unbedingt zu mehr Silber kommen musste. Was für feine Sachen. Da ich ja genug Arbeit beisammen hatte, kehrte ich dem Örtchen den Rücken. Dabei kam ich an einem Tümpel vorbei, an dem ein Fischer sein Glück versuchte. Na Petri Heil. Ob er wohl was fängt?

Wohin sollte ich doch gleich? Ach ja zu der Mine im Süden. Da mir der Marshal am meisten Silber versprochen hatte, war die Mine ein guter Anlaufpunkt. Doch der Weg dorthin ist nicht gerade ungefährlich. Als ich eine Lichtung überquere lässt mich ein zischendes Geräusch aus einem nahen Gestrüpp herumfahren und – iiih bäh – ein riesige Spinne stürzt sich auf mich. Ich habe diese Viecher noch nie leiden können, aber dieses Exemplar war eindeutig zu groß, um sie unter dem Stiefel zu zerquetschen. Ein gut geführter Dolch hat aber einen ähnlichen Effekt und so war ich bald wieder auf dem Weg gen Süden. In der nächsten Stunde konnte ich folgende Entdeckungen verzeichnen: Die gesuchte Mine, voller aggressiver Kobolde natürlich sowie zwei Framen, deren Familien sich offensichtlich spinnefeind sind. Doch der Reihe nach.

Da vor und in der Mine zahlreiche Leichen junger Abenteurer liegen, machte ich das Naheliegenste: Mich unsichtbar. So vor den gierigen Augen der Kobold Tunneler geschützt, die sich auf jeden Neugierigen stürzen, gelingt es mir tatsächlich, bis in die erste Kammer der Mine hinter dem Eingangsschacht vorzudringen. Kein Zweifel das die Mine vollkommen von den Kobs überrannt ist und die Minenarbeiter längst in einem Topf gar gekocht sind. Wenn das der Marshal erfährt. Da mir ein derart zu heißes Bad allerdings im Augenblick wenig zusagt, mache ich mich schnell wieder von dannen. Weil ich mich jedoch noch an die Bitten der beiden anderen Ortsbewohner erinnere, töte ich aus reiner Gefälligkeit (oder war es doch Eigennutz) noch zahlreiche Tunneler in der Umgebung. Macht das umherlaufen nur sicherer für mich. Und einzeln komme ich mit denen schon zurecht. Nicht hingegen mit einer ganzen Hand voll. Unten in der Mine konnte ich selber mit ansehen, wie sie zu viert einen mutigen Helden filetierten.

Kaum war das erledigt, meinte meine neugierige Nase, ich müsse mir die Geschichte mit den Farmersfamilien einmal näher ansehen. Das erste positive Erlebnis für mich: In meinem Rucksack stapelten sich Wasserschläuche, deren Inhalt wahrlich den Zauberkundigen im Land wohl mundet, um ihre magsiche Kraft wiederzuerlangen. Ich ziehe hingegen alkoholische Getränke aus zwergischer Braukunst vor. Daher ist es umso netter, dass diese Gerard an der Scheune der MacLure Farm den Durst eines Ochsen hat (naja Feldarbeiter halt) und mir im Tausch gegen einen Wasserschlauch einen leckeren roten Apfel gibt. Ja das ist doch mal schon eher was für mich. Außerdem stellt sich heraus, dass Maybell MacLure hoffnungslos in diesen Tommy Joe von den verfeindeten Stonefields verliebt ist. Und er in sie. Ach und da mich diese Geschichte rührt verspreche ich ihr daher, einen Liebesbrief zu Tommy zu überbringen. Die Stonefield Farm ist ja nicht weit im Westen. Während ich Tommy schnell schmachtend an seinem Plätzchen am Fluss ausmache und er mich in davon überzeugt, mehr dafür zu tun, damit die Liebenden sich vereinen können, gewinnt auch die Fehde zwischen den Familien an Deutlichkeit. Ma Stonefield hat Probleme mit der preisgekrönten Princess, die immer kommt und ihr Gemüse frisst. Wenn ich das richtig verstanden habe gehört sie den Brackwells von der Farm im Osten. Mache ich doch mit links. Und Auntie Bernice vermisst ihre Halskette und verdächtigt Billy MacLure. Da der Preis für die Mühen anständig ist und mich der Weg zurück nach Goldshire eh quasi an der Farm der MacLures vorbeiführt, sage ich zu. Goldshire deshalb, weil das Liebespaar auf Ratschlag von Gamma Stonefield die Hilfe von William Pestle (ja eben der mit den Kerzen) benötigt. Ich möchte euch jetzt nicht mit der weiteren Geschichte mit der Halskette langweilen, eine Romanze wartet. Kurz gesagt war der gute Billy nur gegen einen Pie aus Eberfleisch von Tante Bernice bereit, mit zu verraten, dass ein Kobold namens Goldtooth die Kette in Besitz hat und tief in Fargodeep lebt. Da ich es mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht erlauben konnte, mich mit der gesamten Koboldschaft der Mine anzulegen, hatte meine Reise nach Goldshire daher Prioriät.

Der Mashal schaute durchaus bestürzt drein nach meinem Bericht über die Mine. Und da ich das so toll hinbekommen hatte, sollte ich auch gleich noch die zweite Mine, Jasperlode, im Osten erkunden. Klar warum nicht. Wenn es da wieder Kobs gibt sehen die mich ja doch nicht. Doch so langsam macht sich bei mir Müdigkeit breit und nach einem langen Tag kehre ich erst einmal im Lions Pride Inn ein. William ist auch noch da und bezahlt mir einen fairen Preis für die Kerzen, die ich ihm bringe. Zudem bietet er mir gleich an, sie noch auszuliefern. Das lehne ich aber erst einmal dankend ab und spreche ihn auf die Bauernromanze an. Gut, ob nun sein Unsichtbarkeitstrank die Lösung der beiden ist, kann ich nicht sagen. Aber das werden wir ja sehen. Tatsache ist, dass er dazu Zutaten benötigt, die nur die Kobolde am Crystal Lake im Osten ab und an besitzen Doch das verschiebe ich lieber auf Morgen. Gute Nacht alle miteinander.

Ein paar Eindrücke von mir zum Ausklang

Die Grafik ist schon atemberaubend. Kein Baum gleicht dem anderen und ohne die Minimap, die wirklich alles nötige in verschiedenen Zoomstufen zeigt, wäre ich schnell verloren wie Hänsel und Gretel. Und ich bin mir (fast) sicher, dass es irgendwo in Elwynn auch das passende Hexenhaus gibt 😉 . Mit zunehmender Spieldauer nimmt bei mir allerdings das Ruckeln in überfüllten Orten zu und das Programm scheint bei neuen Orten öfter nachzuladen. Auch dabei stockt die Grafik dann ein wenig. Allerdings bin ich mir noch nicht ganz im Klaren, ob es an zu wenig Arbeitsspeicher liegt (512 MB) oder daran, dass ich eine Radeon 9700 verwende. Ich denke am Speichermanagement könnte Blizzard ruhig noch ein wenig arbeiten. Aber zur Vorsicht update ich heute erst einmal meinen ATI-Cataclyst-Treiber.

Der Sound ist unglaublich gehaltvoll und unterstützt die Atmosphäre voll und ganz. Auch die Hintergrundmusik spielt fröhlich vor sich hin ohne nervig zu wirken. Allerdings sollte jeder Spieler schon jetzt darauf achten, dass er bei einem 4-Lautsprecher-Subwoofer-Surroundsysten (ok ist etwas veraltet) nicht versehentlich 5.1-Sound einstellt. Denn in diesem Fall schickt Blizzard sämtliche Geräusche des eigenen Charakters (Schritte, Geplätscher beim Schwimmen, Waffengeklirr und Schmerzenslaute) über den Mittleren Lautsprecher. Bei derer 4 ist dann also garnix zu hören und das raubt erstaunlicherweise viel Flair.

Es gibt viele Kleinigkeiten, die das Spiel unglaublich angenehm machen und wo Blizzard ganz offensichtlich aus den Fehlern der anderen Anbieter gelernt hat. Da wären zum Beispiel die Tatsache, das sich Gegenstände automatisch im Inventar stapeln, wenn mehr als ein Objekt vorhanden ist und diese stapelbar sind. Also Obst und Nahrung um nur eines zu nennen. Ich kenne da ganz andere Vertreter von Benutzerunfreundlichkeit. Stapeln muss man da selber per Befehl (über „+“, „Enter“, „Pfeiltaste hoch“, „Enter“) und wenn man keinen Platz mehr im Inventar hat, werden neue Gegenstände der gleichen Art von Monstern nicht mehr aufgenommen. Also danke Blizzard. Ein weiteres positives Beispiel ist die Questverwaltung. Dem aufmerksamen Leser dürfte es nicht entgangen sein, dass manchmal ein und der selbe NPC in verschiedenen Quests eingebunden ist. William aus dem Inn in Goldshire ist solch ein Beispiel. Man kann in einem kleinen Menü auswählen, in welcher Questangelegenheit man die Person grade sprechen will, sei es eine laufende andere Quest, eine Quest durch ihn selber oder eine neue Quest. Sehr löblich. Ich kannte es bisher nur so, das NPCs, sobald sie in eine andere Quest eingebunden wurden, selber ihren Willen verloren und bis zu dessen Abschluss gradezu unkooperativ wurden. Noch mal danke Blizzard. Eine Kleinigkeit bei den Quests hat mich aber noch stutzig gemacht und ich hoffe, der Eindruck bestätigt sich nicht. Die Farmerliebe ist ein Beispiel dafür. Brief von Mädchen zum Geliebten tragen ist eine Miniquest. Der Bursche bittet mich, siene Oma um Rat zu fragen ist eine Miniquest. Oma schickt mich zu William in Goldshire – Miniquest. Und auch die Kristalle für den Unsichtbarkeitstrank zu besorgen ist wieder eine Miniquest, die man separat ablehnen oder annehmen kann. Versteht mich jetzt bitte nicht falsch. Es ist gut, wenn man eine Quest, sobald sie einen langweilt oder man grade noch nicht bereit dazu ist, erst einmal ablehnen und später machen kann. Ich mache mir nur Sorgen, dass Blizzard diese Miniquests einzeln zählt, wenn sie auf 1600 Quests weltweit kommen … dann erreicht man diese Zahl schnell 😀 . Ich hoffe nicht.

Mehr Eindrücke berichte ich euch beim nächsten Mal. Der Grund das ich so viel geschrieben habe ist nicht, weil ich nicht spielen will sondern dass ich gerade nicht spielen kann. Aber auch das geht vorbei. Bis dahin.

Begleitet nun Shyleena auf ihrer Reise