Wer wie die Kuh vorm neuen Tor steht, hat so gar keine Ahnung von dem, was er als Nächstes tun soll. Wie die Meisten hier wissen dürften – die Übrigen wissen es jetzt – habe ich es geschafft, mich mehr als 7 Jahre in einem WoW-Forum herumzutreiben, ohne WoW zu spielen. Der bislang einzige Versuch scheiterte schon nach 4 Monaten daran, dass ich Examen hatte. Ich kenne folglich nur einige Gebiete auf Hordeseite. Generell sind mir MMOs jedoch nicht fremd; gerade Guild Wars – vor allem das – aber auch Runes Of Magic und vorher Diablo II haben eine Menge meiner Lebenszeit aufgefressen 😉

Dass der Einstieg in ein MMO um so schwieriger wird, je mehr Zeit seit dem Erscheinen vergangen ist, ist häufig zu beobachten. Es steht mehr spielbarer Content zur Verfügung, mehr Klassen, mehr Skills, komplexere Belohnungssysteme – viele Sorten Punkte, Marken und Tokens für dieses und jenes. In F2P-Titeln dreht sich auch die Aufrüst-Spirale schnell und schneller.

Diese Dinge tendieren dazu, Anfänger in ihrer Fülle quasi zu erschlagen. Die Frage, die ich hier stellen möchte ist, wie zugänglich WoW nach Cataclysm für Einsteigerinnen und Einsteiger ist und ob man zurecht kommt, auch ohne sich tagelang durch Skillungen, Listen und Forenthreads zu quälen und schnell noch Mathematik zu studieren. Was die Anfangsgebiete anbetrifft, habe ich z.T. auch den Vergleich zum Zustand vor Cataclysm.

Deshalb: was eine Kuh macht, wenn sie keine Ahnung hat, wird Tauren-Schamanin Katajaq für Euch herausfinden.

Alles begann mit einer Orgie

… mit einer Installations- und Patch-Orgie natürlich 😉 Zunächst WotLK und anschließend den Cataclysm-Betaclient zu ziehen und zu installieren hat seine Zeit gedauert, vor allem, wenn man nicht in einer Stadt wohnt und die DSL-Leitung lang und insbesondere dünn ist. Mag lange Wartezeit auch frustrieren, so war der Vorgang gleichwohl weitgehend selbsterklärend und hat problemlos funktioniert.

Klar ist aber auch, dass das nicht so umständlich sein wird, wenn Cataclysm dann erscheint. Dass der Client nunmehr eine Streaming-Funktionalität besitzt und benötigte Daten selbständig nachlädt, ist eine vernünftige und bei anderen Titeln auch bereits bewährte Neuerung.

Wie bei jedem anderen MMO auch ging es nun als Nächstes an die Charaktererstellung. Sie ist erfreulich unkompliziert, da man außer der generellen Ausrichtung, die durch die Klasse bestimmt wird, keine spielmechanischen Entscheidungen treffen muss, wie Statuspunkte verteilen oder sich für Skills entscheiden. Auch das Einstellen von Anzeige und Interface ging mehrheitlich leicht von der Hand, wenn man nicht zum ersten Male ein Computerspiel in der Hand hat. Einzig das Einschalten von Antialiasing sowie die Größenskalierung im Interface funktionierten nicht, was aber sicherlich auch dem Beta-Status von Cataclysm geschuldet ist.

Was den Anfänger jedoch überfordert sind zahlreiche Interface-Einstellmöglichkeiten, deren Beschreibungen nicht wirklich aussagen, was diese Funktionen überhaupt tun. Vermutlich muß man erst eine Weile gespielt haben um das herauszufinden und es dürfte sinnvoll sein, zunächst die Finger davon zu lassen.

Eine stachelige Angelegenheit

Am Ende der Prozedur stand meine arme Schamanin nun in Camp Narache, mit nichts als ihrem weißen Pelz und einem merkwürdigen Wickelrock bekleidet. Ein erster Schatz wartete auf sie jedoch bereits im Postkasten: ein niedliches Pinguin-Minipet. Und mit ihm das Erste, was WoW besser löst, als viele andere Titel: das Beschwören des Minipets ist ein erlernbarer Skill und die Tierchen – man weiß, es werden mit der Zeit viele – verstopfen nicht das Inventar.

Auch dass sich die Örtlichkeit (Camp Narache) im Gegensatz zum letzten Versuch etwas verändert hat, fällt sofort auf: hier ist ja Krieg! Überall stehen NPC-Krieger herum und kämpfen gegen Stacheleber. Vor Cataclysm gab es die dort wohl auch, aber ich erinnere mich nicht daran, dass die Plage so ein Ausmaß gehabt hätte. Auch ihre überdimensionalen Dornenranken, an denen sie ihre Behausungen errichten, haben die Biester mitgebracht.

Hat irgendwer oder irgendetwas sie möglicherweise aus dem Brachland vertrieben? Die ersten Quests legen uns nahe, den Biestern etwas auf die Fritteuse zu hauen, gefangene Krieger zu befreien und gestohlene Waffen zurückzuerobern. Eine weitere Neuerung ist das Vorhandensein eines “Questpfeils”, der das Ziel der dafür markierten Quest anzeigt. Danach suchen zu müssen, war oft mühsam und zeitaufwendig. Wie man Questlog und Questverfolgungsliste bedient, war ebenfalls schnell herausgefunden.

Schnell waren dabei ein paar Kupfermünzen verdient – und auch eine schicke Robe sowie ein fetter Hammer unter den Questbelohnungen. Im Charakterfenster fiel mir jedoch auch etwas auf, womit es mir nicht gelang etwas anzufangen, nämlich ein Totem in einem offenbar dafür bestimmten Slot. Das Ding in eine Symbolleiste zu ziehen machte es auch nicht benutzbar, ich musste es also zunächst ignorieren.

Ansonsten fand ich jedoch nichts, dessen Sinn sich mir nicht sofort erschloss; großes Lob, denn viele Spiele erschlagen den Einsteiger mit Dingen, die er gar nicht braucht oder mangels vernünftiger Beschreibung nicht benutzen kann.

Bei der Jagd auf die Stacheleber hatte ich auch rasch Level 3 erreicht und konnte nun meinen ersten Skill erlernen; der mich besonders heftig mit einer Nahkampfwaffe zuschlagen lässt. Um sicherzustellen, dass es auch jedermann verstanden hat, soll man den Skill in einer kleinen Quest an einer wehrlosen Übungsattrappe ausprobieren. Ein Schlag mit dem Hammer tut den Mobs nun noch weniger gut als vorher.

Was bei Nahkampfangriffen und -skills jedoch etwas gewöhnungsbedürftig ist, ist die Tatsache dass der Char nicht selbständig in Reichweite geht wenn man den Kampf beginnen will (oder ich habe zumindest nicht herausgefunden, wie man ihm das beibringt). Mit Level 4 gab es schon den nächsten Skill, das Totem der Erdstärke. Nun wurde die Funktionsweise dieser Spielmechanik auch verständlich; das Totem im Inventar ist lediglich eine Voraussetzung, um Totem-Skills anwenden zu können.

Wie der Skill wirkt, war mir sofort verständlich, da es dergleichen auch bei Guild Wars gibt, aber für Leute die keine MMO-Vorerfahrung haben, wäre vielleicht eine Erklärung wünschenswert, z.B. auch durch eine kleine Quest. (Anm. der Red.: Bei den Goblin-Schamanen gibt’s die auch :) )

Showdown für Anfänger

In der nächsten Quest wartete nun der erste kleine Boss. Der kleine Verbrecher hatte die Mutter des Dorfhäuptlings auf dem Gewissen, die Älteste dieser Ansiedlung. Sein Todesurteil. Sowas gehört sich ja auch nicht. Ich machte mich also auf, ihn in die ewigen Jagdgründe zu befördern und besuchte ihn in seiner kleinen Höhle.

Er war allein. Aber Level 5. Ich konnte die Schwierigkeit des Kampfes nicht im Vorhinein einschätzen und versuchte einfach mein Glück. Knappe Sache, die dazu führte, dass ich erstmals das Datennirvana kennen lernen durfte und als Geist auf dem Friedhof wieder zu mir kam. Als ich den Ort des Geschehens wieder erreicht und meine körperliche Gestalt wieder angenommen hatte, stellte ich fest, dass der letzte Blitzschlag gleichwohl gesessen hatte – das Mistvieh war ebenfalls umgefallen.

Ich nahm die geforderte Trophäe an mich und kehrte zu Häuptling Falkenwind zurück, der nunmehr eine rührende Ansprache für seine ermordete Mutter hielt. Es sind solche Szenen, die zur Atmosphäre eines guten Spiels ungemein viel beitragen. Der Häuptling eröffnete mir nun, dass an dieser Stelle alle Aufgaben erfüllt seien, und ich nun in Richtung der nächsten Ansiedlung weiterziehen möge. Was Katajaq dort erlebte, erfahrt Ihr beim nächsten Mal.

Ich würde mich über eure Kommentare in den Kommentare freuen und verabschiede mich bis zur nächsten Ausgabe.