Die Expedition nach Nordend war nichts anderes, als ein gewaltiges Himmelfahrtskommando. Nicht nur die Horde und die Allianz, auch die Drachen des roten Drachenscharms und viele weitere Gruppierungen kämpften im Jahr 624 des königlichen Kalenders gegen die untoten Horden des Lichkönigs und leider auch zum Teil miteinander.

Auch wenn das Ergebnis des Feldzuges zu einem Frieden auf Azeroth geführt hat, sind viele schreckliche Taten begangen worden. Eine der größten Schicksalsstunden der freien Völker verbindet man heute mit der Pforte des Zorns, Angrathar.

Die Pforte des Zorns ist eine gewaltige Konstruktion aus dem schwarzen Blut des alten Gottes Yogg-Saron, dass auch unter dem Namen Saronit bekannt ist. Das Tor wurde von tausenden Sklaven des Lichkönigs erschaffen. Als die freien Völker in Nordend an Land gingen, bauten sie überall auf dem Kontinent neue Militärbasen auf. Die beiden Hauptfraktionen erbauten auch jeweils eine Festung in Sichtweite der riesigen Pforte am nordwestlichen Ende der Drachenöde.

Doch alle Vorbereitungen zu der großen Schlacht mit dem ehemals unter Arthas Menethil bekannten Herrscher der Untoten wurden jäh unterbrochen. An jenen schicksalhaften Tag, der unter der Schlacht an der Pforte des Zorns bekannt ist, verloren die freien Völker durch heimtückischen Verrat einen Großteil ihrer Truppenverbände. Es fielen nicht nur Hochlord Bolvar Fordragon und der Kriegsfürst Saurfang der Jüngere, sondern auch viele weitere Soldaten. Der Verrat der Apotheker aus Unterstadt hat die Ränge der Horde-Streitkräfte schwer getroffen und viele Leben gekostet.

Doch alles der Reihe nach. Als Bolvar und Saurfang in dem Schlachtgewirr nebeneinander gegen die Horden von Arthas kämpften, glimmte in der vereinten Streitmacht ein Hoffnungsschimmer, dass sie Erfolg haben konnten. Als die meisten der Untoten an der Pforte erschlagen waren, forderte Bolvar Arthas sogar persönlich heraus. Mit einer Brandrede trieb er Arthas von seinen kalten Thron und als die Metalltore von Angrathar sich teilten, erblickten sie den Ursprung der Schrecken der vergangenen Jahre.

Saurfang jedoch griff Arthas leichtfüßig an, doch selbst seine kampferprobte Axt hatte keine Chance gegen die Klinge Frostgrams. Arthas zerschmetterte Saurfang und nahm seine Seele mit seiner unheiligen Klinge gefangen. Doch bevor die geeinten Streitkräfte den Kampf gegen Arthas vollständig eröffnen konnten, griffen die Untoten ein. Großapothekar Putress und seine Seuchenwagen griffen aber nicht nur den Lichkönig an, sondern töteten auch die versammelten Streitkräfte vor Angrathar.

Arthas, der zurück in seine eisige Zitadelle flüchtete, blieb von dem Gift verschont. Jedoch nicht die lebenden Mitglieder der Horde und Allianz. Selbst Hochlord Bolvar Fordragon, möge das Licht seiner Seele gnädig sein, wurde in nur wenigen Augenblicken von den giftigen Gasen dahin gerafft.

Dieser ultimative Verrat schwächte aber nicht nur die Streitkräfte der freien Völker, sondern hätte Arthas auch viele neue und mächtige Verbündete verschafft. Die Drachen von der Drachenkönigin Alexstrasza eilten zur Hilfe, doch sie waren nicht rechtzeitig vor Ort. Sie konnten zwar die Seuchenkatapulte zerstören und die Leichen der gefallenen Helden von der Pforte verbrennen, die Schlacht war jedoch bereits geschlagen. Danach, es ist, als ob es gestern war, folgte die Schlacht von Unterstadt. Diese jedoch werden wir uns nicht heute ansehen. Davon erzähle ich euch ein anderes Mal.

Es gibt jedoch auch einige Gerüchte, die hoffentlich nicht wahr sind. Es wird erzählt, dass Saurfang der Jüngere von Frostgram korrumpiert wurde und als Champion für den Lichkönig diente. Auch Hochlord Bolvar Fordragon scheint wohl noch, in der einen oder anderen Form unter den Lebenden zu weilen. Die Stoßtruppen in der Zitadelle der Eiskrone melden Zusammenstöße mit vielen Geistern der gefallenen Helden.

Nicht zum ersten Mal hat der Lichkönig eine rechtschaffene Seele verdorben und für seine Zwecke benutzt. Doch leider können wir die Gerüchte nicht bestätigen, denn all die Geschehnisse in der Eiskrone unterliegen noch immer strengster Geheimhaltung aus den Reihen des Militärs.

Doch die Ereignisse, die sich um den Kampf gegen den Lichkönig drehen, sind nicht für heute Abend geplant. Das ist vielleicht ein Thema für einen bitterkalten Winterabend…

Archivar James Federkiel