Einleitung

Das Knistern der Flammen wird nur manchmal unterbrochen vom Knacken eines Astes, welcher dem Raub des Feuers zum Opfer fällt. Die müde Gestalt davor versucht sich seiner Plattenrüstung zu erledigen, doch die vielen Dellen und Scharten erleichtern das auch sonst schon schwere Unterfangen nicht. Hilfsbereit springt der Begleiter zur Hilfe, dank Stoffbekleidung um einiges wendiger, die jungen Jahren außen vor gelassen. Leicht stöhnend nimmt der Krieger nach Erledigung der Rüstung am wärmenden Feuer Platz und schaut seinen jungen Begleiter prüfend an.

So so, Du möchtest also Krieger werden…” mit sehr ernster Stimme. “Und nicht nur Krieger, Du willst Dich auch gleich der edelsten Aufgabe eines Kriegers stellen und Dich auf den Schutz der Anvertrauten stürzen…Ich hoffe, Dir ist bewusst wie viel Verantwortung Du da übernimmst und Du bist wirklich dieser Aufgabe gewachsen“. Noch immer liegt der prüfende Blick auf dem Jüngling gegenüber. “Sicher, lehrt mich alles, was es zu lernen gibt!” “Halt, halt, so schnell geht dies nicht. Mit dieser Ungeduld fängt es bereits an. Ein Schutzkrieger ist nicht einfach nur ein Krieger, er hat besondere Aufgaben, sollte eine besondere Einstellung zum Kampf und zum Leben ansich mitbringen. Mit der Ungeduld, welche Dich treibt, wärst Du besser bei den anderen möglichen Funktionen eines Kriegers aufgehoben” wird abwehrend die Hand vom alten Krieger erhoben. Der junge Recke zuckt zurück und versucht seine Ungeduld zu zügeln, während er weiter den Worten des Lehrers lauscht. “Ein Schutzkrieger erfüllt in erster Linie eine einzige Aufgabe: Den Schutz der Gruppe! Er hat NICHT die Aufgabe den höchstens Schaden zu machen, er hat NICHT das Privileg mit vollem Elan wild durch die Gegend zu rennen und alles außer acht zu lassen, was da für die Begleiter gefährlich werden könnte, im stillen Vertrauen auf andere. Falls Du gerne die Spitze der Nahrungskette sein möchtest, brechen wir die Schulung an dieser Stelle ab und Du unterhältst Dich besser mit einem Furor- oder einem Waffenkrieger!” der prüfende Blick bleibt weiterhin auf den Stoffträger liegen. “Wie ich sehe bleibst Du, fangen wir also an…” mit strenger Stimme.

Wie in der Einleitung angetönt, wollen wir uns heute über den Schutzkrieger unterhalten. Obwohl es mehr ein philosophischer Ansatz ist, möchten wir doch gerne nochmals deutlich unterlegen, dass der Schutzkrieger NICHT für den Schaden zuständig ist. Ein Schutzkrieger hat genau eine Aufgabe: er schützt die anvertraute Gruppe, er unterstützt sie und er bindet so viele Gegner an sich, wie es das Equipment, der Content und seine Möglichkeiten erlauben. Wir Schutzkrieger protzen nicht mit DPS-Zahlen, wir stellen uns völlig in den Dienst der Gruppe und unserer Aufgabe. Wir schütteln im Stillen den Kopf darüber, so jemand nach über 40’000 Lebenspunkten und DPS über 5’000 verlangt, falls er einen Tank sucht, denn wir haben ein Gesamtbild und kennen unsere Möglichkeiten. Wir wissen, dass wir ein Rädchen im Getriebe der Gruppe sind, und das Getriebe selbst die Gesamtgruppe darstellt. Kurz: wir kennen unsere Aufgabe und versuchen diese zu erfüllen.

Der Schutzkrieger ist eine Tankklasse, welche vor allem mit den vielen Möglichkeiten überzeugen kann. Vor dem Patch 3.2 ist es die eigentlich schwächste der möglichen Tankklassen, denn Schutzkrieger haben nicht den höchsten Schaden der vier Tankklassen. Schutzkrieger haben auch nicht die besten Massen-Aggrofähigkeiten aller vier Tanks. Schutzkrieger haben ebenso wenig die besten Schutzfähigkeiten aller vier Tanks, sie haben nicht die höchsten Lebenspunkte bei gleicher Ausrüstung, die besten Parierfähigkeiten, die besten Blockfähigkeiten, die besten Ausweichmöglichkeiten usw. Warum also überhaupt einen Tankkrieger spielen, mag sich mancher fragen. So ihr euch diese Frage wirklich stellt, dann wählt am besten gleich eine der anderen drei Tankklassen, denn der Tankkrieger heißt Arbeit, Einsatzwillen und Zähne zusammen beißen, während es angeblich alle anderen viel einfacher haben. Mit dieser Einstellung müsst ihr gar nicht erst einen Schutzkrieger anfangen wollen!

Was zeichnet also den Schutzkrieger wirklich aus? Was kann diese Tankklasse besser als andere anderen? Eigentlich traurigerweise nichts, doch unabhängig davon kann sie Spaß machen. Wie es dazu gekommen ist, dass der Krieger vom Ende der Nahrungskette verschwunden ist, ist geschichtlich begründet – in der Gründerzeit von WoW war noch der Schutzkrieger DER Tank überhaupt. Der Todesritter war in weiter Ferne, der Paladin eine der schwächsten Klassen im Spiel und der Druide noch lange nicht richtig tankfähig. So man nach einem Tank verlangte, kam im Normalfall der Krieger zum Zuge. Auch einer der Gründe, warum heute noch so viele Tankaufgaben vom Krieger übernommen werden, obwohl es eigentlich die anderen Tanks gleich bis besser machen können. Doch bleiben wir bei der Veränderung: damit die Hauptaufgabe des Tanks besser verteilt werden konnte, wurde zuerst der Druide verstärkt, danach der Paladin. Später, mit dem zweiten AddOn, kam noch der Todesritter dazu. Zu dem Zeitpunkt war der Krieger allerdings bereits der schlechteste aller drei Tanks, mit dem Todesritter kam gleichzeitig noch der damals noch stärkste Tank dazu. Blizzard wollte die anderen drei Klassen ebenfalls zum Tanken anregen und hat dem entsprechend das Tanken zu sehr ausgebaut. Wer heute mit dem Tanken beginnt, hat keine Vorstellung davon wie mühsam es früher war, wie arbeitsintensiv. Und wie leicht es heute alle vier Klassen, inklusiv der Schutzkrieger, haben.

Wie tankt man überhaupt, gerade in Hinsicht des Schutzkriegers?

Wir wollen nicht große “Theorycraft” betreiben. Sehr einfach gesagt tankt man, indem man möglichst viel Aufmerksamkeit beim Gegner gegenüber dem eigenen Charakter aufbaut. Wer nur andauernd “Spott” benutzt, der wird niemals die Tankfunktion voll erfüllen können. Es geht darum, ein Gleichgewicht zwischen den Schutzmöglichkeiten, den Bewegungen und den Angriffsmöglichkeiten zu finden, damit sowohl die Gegner möglichst am Tank kleben, man aber selbst nicht gleich aus den Schuhen fliegt. Eine perfekte Rotation ansich gibt es nicht, es stehen verschiedene Möglichkeiten offen, welche man zur besten Zeit einsetzen sollte. Das Balancing geht ebenso weiter bei den gewählten getragenen Gegenstände, wer sich nur auf möglichst viel Lebenspunkte abstützt ist nicht der bessere Tank wie jener, der vielleicht 10’000 Lebenspunkte weniger hat. Denn was nützen die vielen Lebenspunkte, so man den Schlägen nicht ausweicht, sie pariert oder meistens blockt?…

Ein wenig erholt stemmt sich der Krieger müde in die Höhe, nimmt sich das nahe Schild und die Waffe. Prüfend sieht er noch einmal sein Gegenüber an und reicht ihm schließlich beides. “So, und nun zeig mir einmal wie Du Dich verteidigen würdest“. Beides wird sofort in Empfang genommen, aggressiv schwingt der Jüngere das Schwert, während er versucht das Schild ungeschickt aus der Schwungrichtung zu halten. “Stop, stop, stop. Nochmals, Du willst Schutzkrieger werden. Unsere Waffe ist nicht etwa das Schwert alleine, das Schild ist nicht die Zierde. Du musst es genau umgekehrt machen; das Schwert begleitet das Schild, das Schild ist uns Verteidigung und Angriff gleichzeitig. Es ist unser Bollwerk in der Schlacht, und gleichzeitig können wir mit ihm unsere Gegner schocken, sie aus dem Gleichgewicht werden und ihnen sehr großen Schaden zufügen. Man kann sagen, das Schild ist unsere Hauptwaffe und das Schwert eigentlich mehr die Zierde. Du scheinst zu lachen? Soll ich es Dir beweisen?” Schnell schnappt sich der Krieger das nahe zweite Schild und stürmt ansonsten waffenlos auf den Lehrling zu, wirft diesen zu Boden und hält ihn mit dem Schild an Boden. “Fragen…?

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