von DrJones

Bei Blizzard zu Besuch zu sein, ist immer etwas besonderes. Wenn man aber schon vorher die Ahnung hat, dass man dabei ein neues Spiel in die Finger bekommt, ist die Vorfreude gewaltig. Und diesmal war es einfach nur wahnsinnig spannend, denn in Versailles, im EU-Hauptquartier von Blizzard, durften wir als einige der ersten Europäer überhaupt Hearthstone anspielen.

Dementsprechend gespannt war ich auf die Playsession und ehrlich, ich wurde nicht enttäuscht. Meine Vorstellung von Hearthstone war, dass ich ein, wie für Blizzard üblich, sehr schick designetes und durchgestyltes Kartenspiel anspielen darf, welches in einem meiner absoluten Lieblingsuniversen spielt – Warcraft. Und so nahm ich vor dem Rechner Platz und blickte voller Vorfreude auf das Menü des Spiels.

Was haben wir gespielt

Aber vielleicht erst ein paar Worte zu der Version, die wir gespielt haben. Wir konnten uns eine von 9 Klassen aussuchen und mit einem eingeschränkten Grunddeck gegen die anderen, anwesenden Spieler antreten. So hatten wir keinen Zugriff auf andere Funktionen des Spiels, wie die Schmiede, das Erstellen eigener Decks, das Crafting oder Ähnliches. Wir konnten spielen, das wars.

Und wie gesagt, auch die Auswahl der Karten war beschränkt. So haben wir relativ oft die gleichen Karten gesehen, wobei kaum Klassenkarten und keine goldenen oder legendären dabei waren. Insgesamt hatten wir auch nur eine Stunde Zeit, was für genau drei Matches gereicht hat.

Der Einstieg

Zunächst habe ich mich für den Magier als Klasse entschieden, wobei diese durch Jaina Prachtmeer repräsentiert wurde. Ich musste also meine geliebte Horde verlassen, aber die Fraktionszugehörigkeit spielt in Hearthstone eh keine Rolle. Als Klassenfähigkeit hat der Magier bzw. die Magierin einen Feuerball, welcher den Spieler 2 Managems kostet und dafür zwei Schaden am Gegner verursacht.

Generell fiel der Einstieg sehr leicht. Die Karten waren fast alle selbsterklärend, das Spielsystem schnell durchschaut und das allgemeine Vorgehen klar. Bereits in der zweiten Runde hatte ich ohne großes Vorwissen, was Sammelkartenspiele angeht, so gut wie alles verstanden und es kam zu keiner großen Überraschung mehr.

Die Gameboards und Details

Neben dem Spiel konnten mich vor allem die Spielbretter fesseln, welche mit der berühmten blizzardschen Liebe zum Detail gestaltet sind. Überall gibt es Kleinigkeiten zu entdecken, so kann man in Orgrimmar ein Katapult laden und abfeuern, im Schlingendorntal ein Feuerchen entfachen oder in Sturmwind mit dem Greifen spielen. Das macht das Umfeld des Spiels sehr lebendig und bietet auch in den Denkpausen des Gegners einige Ablenkung.

Aber auch der Rest des Spiels ist von sehr hoher, man möchte schon sagen gewohnter Qualität. Die Sprachschnipsel der Klassen sind sehr amüsant gehalten, die Musik und Soundeffekte aus WoW und Warcraft bekannt, die Karten sehr schön gestaltet und das Handling des Spiels ist einfach perfekt. Das Ziehen der Karten geht sehr gut von der Hand bzw. Maus und die Reaktionen des Spiels auf meine Handlungen waren zu jeder Zeit nachvollziehbar und intuitiv gestaltet.

Spannend bis zur letzten Sekunde

Und dann war da noch etwas, das mich sehr überrascht hat. Selbst diese ersten, eingeschränkten Spiele gegen einen Gegner, der selber nicht wusste, was genau er tat, waren schon extrem spannend und hatten jeweils ein sehr knappes Ende. Ich habe mich dabei erwischt, wie ich den Gegner verfluchte, wenn er eine gute Karte spielte und wie ich selbst gejubelt habe, wenn ich im richtigen Moment die richtige Entscheidung getroffen habe. Im Endeffekt habe ich am Ende mit meinem Opponenten die Battle-Tags ausgetauscht, rein zu dem Zweck, eine Revanche spielen zu können, wenn das Spiel dann mal da ist.

Und jedes mal nach einem Spiel war sofort das Gefühl da, noch eine Runde spielen zu wollen. Und noch eine und noch eine und hoffentlich wieder gegen den gleichen Gegner, denn dann kann ich es ihm von der letzten Partie heimzahlen. Der Wiederspielwert war also selbst in dieser kleinen Version schon sehr hoch und die Stunde verging wie im Flug. Ich konnte am Ende, als man uns darauf hinwies, dass es nun an der Zeit sei aufzuhören, viele enttäuschte Gesichter sehen, die alle sagten: Ach komm, nur noch eine Runde.

Kleine Tipps für den Anfang

Falls ihr dann irgendwann in den nächsten Monaten Gelegenheit haben werdet, in das Spiel reinzuschauen, habe ich auch gleich ein paar kleine Tipps für euch, welche dann vielleicht auch nicht mehr gelten, da sich in der Alpha bzw. Beta natürlich noch einiges ändern kann.

  • Verschwendet keine Angriffe an kleine und wenige Kreaturen. Hat der Gegner wenige Minions auf dem Spielfeld, solltet ihr immer seinen Helden angreifen. Denn nur wenn ihr diesen tötet, könnt ihr gewinnen.
  • Lasst euch nicht zu viel Zeit. Auf der einen Seite kann der Gegner in der Zeit, in der ihr nichts tut, selber gut über seine weiteren Züge nachdenken, auf der anderen Seite geratet ihr so schnell unter Zeitdruck. Ihr habt nämlich nicht unendlich Zeit für eure Züge und unter Zeitdruck fallen selten die besten Entscheidungen.
  • Verbraucht immer alle Managems. Sie aufzusparen bringt euch nichts, da ihr zum nächsten Zug sowieso wieder volle Gems plus einen Extra-Gem habt. So habt ihr im ersten Zug einen, im zweiten Zwei, im vierten Vier, im zehten Zehn usw.
  • Hebt euch eine Minion-Karte mit Taunt auf. Diese kann euch in der Endphase des Matches den Allerwertesten retten. Denn anstatt euren Helden, muss der Gegner dann erst diesen Minion angreifen.
  • Kombiniert möglichst viele Buffs auf einmal. Spielt Minions aus, die eure anderen Minions verstärken, auch auf die Gefahr hin, dass der Gegner eine AOE-Karte hat. Habt ihr mehr als eine Buff-Karte, spielt sie auf den gleichen Minion, da dieser dadurch sehr viel stärker wird.

Fazit

Ich war bei der Ankündigung auf der PAX East skeptisch, ich fand die danach veröffentlichten Fireside Duel-Trailer schon recht ansprechend und seit ich es selbst in den Händen hatte, freue ich mich sehr auf Beta und Release. Hearthstone macht jetzt schon einen nahezu perfekten Eindruck als Spiel für zwischendurch und wird sicher einen festen Platz auf meinem Desktop und später vielleicht auch auf dem Tablet haben.

Und das Beste daran ist: es ist Free2Play und wenn man Blizzards Versprechen glaubt, wird man auch ohne zu bezahlen nicht Monate spielen müssen, um auf das Niveau anderer, bezahlender Spieler zu kommen. Die Entwickler ließen uns wissen, dass in den internen Tests die meisten Spieler mit höchstem Rang wenig oder nichts für das Spiel ausgegeben haben. Und die Spieler, die wirklich keine Kosten hatten, machen in dieser Gruppe immer noch knapp 40% aus. Hoffen wir, dass es so bleibt und hoffen wir, dass auch die anderen Features des Spiels so gut werden, wie das direkte Duell, das wir anspielen durften.