Nachdem der Lasst die Hunde los! Nerf erwartungsgemäß große Spuren hinterlassen hat, ist primär der Hunter selbst verschwunden. Ob das tatsächlich gerechtfertigt ist, werden die nächsten Wochen noch zeigen müssen. Die schnelle Reaktion von einer generften Klasse wegzugehen, muss nicht deren tatsächliche Spielbarkeit wiederspigeln. Mit dem Hunter verschwand aber auch der große Sündenbock Hearthstones. Diese gab es immer mal wieder. Rogues aller Art zu Beginn der closed Beta, Druiden Burn Decks, das erste Lasst die Hunde los!, Priests, Mage Control, Warlock Zoo, das Buff Meta, das zweite Lasst die Hunde los! und nun Miracle Rogues.

Was das alles für Decks waren? Ziemlich unerheblich, es waren zu ihrer Zeit oft gespielte, starke Mitbewerber, an denen oftmals berechtigt Kritik geübt wurde. Bis auf die frühen Rogues, Buffs und Zoo haben die Decks eine Gemeinsamkeit: Gegen sie zu spielen ist unintuitiv oder wenig interaktiv. Da Blizzard diese Eigenschaft als “potenziell nerf-würdig” einstuft, wurde Klassenbalance teils vernachlässigt. Die prominentesten Beispiele sind Pyroschlag und Gedankenkontrolle, deren Kostenanhebung auf 10 die jeweiligen Klassen unverhältnismäßig stark getroffen haben.
Daher möchte ich beleuchten ob es gerechtfertigt wäre, Miracle Rogue zu nerfen.

Meine Meinung zu dem Deck

Miracle Rogue ist eines der spassigsten, spannendsten und herausfordernsten Decks in ganz Hearthstone. Es tritt in Varianten mit Leeroy Jenkins, Malygos, oder sogar Giants auf. Die Spiele werden zu einem vielschichtigen Puzzle, das über unterschiedlichste defensive und offensive Manöver gelöst werden muss. Ich bin also ein großer Fan des Decks, weswegen ich an der ein oder anderen Stelle subjektiv argumentiere.

Miracle Jenkins

Warum die Wut

Masse

Um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen muss ein Deck viel gewinnen. Das alleine reicht allerdings nicht, diese Erfolge müssen sich irgendwo zeigen. Bei Miracle Rogue war ein großer Paukenschlag die Veröffentlichung der Decks, die die Top 16 der letzten Season gespielt haben. Ein Großteil davon war besagtes Deck. Zudem sind mit Realz, Kolento und Forsen 3 bekannte Streamer für diesen Spielstil berüchtigt. Das führte zu einer Flut von Miracles, insbesondere in der US Ladder.

Diese Betrachtungen schließen meistens aus, dass keiner der Top 16 exklusiv Miracle Rogue gespielt hat. Jeder einzelne von ihnen benutzte das Deck als Hartkonter zu Sunshine Huntern, welche zum Ende der Season die hohen Legendary Bereiche fluteten. Um Top 16 zu werden muss man seine anderen, circa 100 Mitbewerber ausloten, niemanden sonst. Da dies aber generell ignoriert wird, wenn man ein Deck von erfolgreichen Spielern kopiert, wuchs die Zahl von Kombo Rogues stark an. Damit wurde die Grundlage für die hohe Zahl von Miracle Rogues gelegt.

Removal

Die Massen an Spells, die zur reinen Defensive genutzt werden, ist groß. Damit geht ein ansonsten garantierter Faktor von Interaktion im Spiel verloren. Miracle Rogues kontrollieren das Board ähnlich wie Warrior Control, ziehen dabei mehr und heilen weniger. Im Gegensatz zu Warrior Control wollen sie jedoch bis zu ihrer großen Wincondition überleben. Warrior Control hat diese auch, nutzt aber oft genug “normale” Minions um das Spiel zu beenden. Die Art des Removals und die Unantastbarkeit, die Miracle Rogues gegen bestimmte Midrangedecks haben, ist der erste Kritikpunkt.

Miracle

Das Miracle selbst, also der Prozess eine Unmenge an Karten mithilfe von Goblingauktionator zu ziehen, ist der zweite. Dabei muss man zwischen 2 Frustrationsmomenten unterscheiden: Die Unfähigkeit einen verhüllten Goblingauktionator zu töten und dem Gegenspieler dabei zuzusehen, wie er sein Deck leer zieht.

Wincondition

Der Finisher ist tatsächlich das oftgehörteste Argument. Drei mal Leeroy Jenkins innerhalb von einer Runde mit diversen Kaltblütigkeits abzubekommen, kann nur zu stark sein. Malygos und Vorbereitung fühlen sich dabei ähnlich hart an.

Gegenposition

Masse

Dass ein Deck viel gespielt wird, muss nicht zwangsweise mit dessen Stärke zusammenhängen. Genauso sehe ich keine Miracle Flut, aber einen Zuwachs. Es ist sicher nicht das meistgespielteste Deck in der Ladder.

Removals

Dass Krieger auf ähnliche Removals setzen, zeigt wie Control in Hearthstone aussieht: Flexible, billige, zahlreiche Zauber, die mit möglichst allen Aufgaben möglichst lange klar kommen. Ein Rogue tauscht hierbei seine Überlebensfähigkeit gegen ein potenziell schnelleres Spielende. Dass Midrangedecks mit einem zusätzlichen Hartkonter konfrontiert werden, dreht das Meta, lässt aber nicht auf die Stärke des Miracles rückschließen. Dessen Schwächen liegen in den Extremen – und damit auch die kurzfristige Entwicklung der nächsten Wochen.

Miracle

Der in Runde 5 verhüllte Goblingauktionator ist das unagefochtene Traumopening des Miracle Rogues. Die größten Schwächen und Stärken eines Kombo Decks sind eine erhöhte Drawabhängigkeit. Natürlich stehen die Chancen gegen eine perfekte Hand schlecht, gegen einen späten Goblingauktionator hat man aber in der Regel ein leichtes Spiel. Deswegen kann eine Betrachtung nur fair sein, wenn man ein durchschnittliches, realistisches Spiel bewertet. In diesem gehen Miracle Winraten nicht durch die Decke.

Wincondition

Was alle Miracle Win-Conditions (Leeroy Jenkins, Malygos) auszeichnet ist deren Burst Schaden. Aber das ist Hearthstone. Jedes kompetitive Deck nutzt ihn. Schon alleine Leeroy Jenkins findet sich dafür in vielen Decks:

Tempo Rogue: Leeroy Jenkins + Schattenschritt
Handlock: Leeroy Jenkins + Überwältigende Macht + Gesichtsloser Manipulator
Zoolock: Leeroy Jenkins + Überwältigende Macht (x2) + Seelenfeuer (x2)
Shaman: Leeroy Jenkins + Windzorn + Buffs (Waffe des Felsbeißers, Flammenzungentotem)
Hunter: Leeroy Jenkins + Lasst die Hunde los! + X

Dazu kommen klassenspezifische Finisher:

Shaman: Al’Akir der Windlord + Buffs
Shaman: Schicksalshammer + Waffe des Felsbeißers
Druid: Naturgewalt + Wildes Brüllen
Mage: Frostblitz, Eislanze, Eislanze
Warrior: Alexstrasza + Grommash Höllschrei + Enrage Trigger

Vor einer knappen Woche schaffte es auch ein Priest auf Platz 2 in der EU Ladder, das erste Priest Deck überhaupt so weit oben. Es nutzte Prophet Velen + Gedankenschlag Jede dieser Kombinationen wird aktuell gespielt, das sind keine unrealistischen Szenarien nur um einen Punkt zu machen. Burst ist so unglaublich beliebt, weil er so zuverlässig ist. Addiert sich der Schaden auf der Hand über die HP des Gegners hat man gewonnen – Taunts und Secrets ausgenommen. Damit ist er klassischen Winconditions wie zum Beispiel Ysera überlegen. Bis der Drache einem das Spiel gewinnt, ist Leeroy Jenkins 5 mal über den Gegner gelaufen.

Einem Kombo Deck eine Wincondition vorzuwerfen ist absurd. Burst als Miracle-exklusives Phänomen einzustufen weltfremd.

Der Kombo Archetyp
Was man in Hearthstone gemeinhin als Kombo bezeichnet ist meist nicht mehr als Synergie. Lasst die Hunde los! + Verhungernder Bussard ist so eine, da synergieren 2 Karten miteinander um einen Vorteil zu generieren. Das Deck ist nicht um diese aufgebaut, sondern wird durch sie unterstützt. Das selbe gilt für Uralter Wächter und Verteidiger von Argus oder Wilder Pyromant und Machtwort: Schild Diese Beispiele finden sich häufig in Hearthstone und stärken für gewöhnlich ein Deck. Man nutzt sie, wenn die Einzelleistung der jeweiligen Karten, zusammen mit deren möglichen Kombination, Alternativen leistungsmäßig überlegen sind.

Miracle Rogue hingegen represäntiert das _einzige_ spielbare Deck des Kombo Archetypen. Alles ist darauf ausgerichtet Goblingauktionator zu ziehen und ihn soweit zu bringen, das eigene Deck auszufiltern. Nebenaspekte sind das Entfernen von Taunts, das Sichern des eigenen Überlebens und die Wincondition.
Nerft man Miracle Rogue, nerft man die Vielfalt in Hearthstone. Wer das möchte ist zu kurzsichtig, was Abwechslung im Spiel angeht. Sollten die Winraten nicht über lange Zeit den Rahmen sprengen, würde ich eher Gedankenkontrolle auf 11 Mana setzen, als an diesem Deck zu schrauben.

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