Oh du große, ehrwürdige Dreamhack. Ein Zockertraum in Schweden, Manifestierung des Nerdtums. Alle Jahre wieder gibt es die Dreamhack Summer, eine Lanparty der Superlative. Dort treffen sich professionelle Spieler aus aller Welt und Spielen neben “Casuals” in Turnieren mit hochdotierten Preisgeldern. Diese sind aber nicht mehr als ein netter Bonus verglichen mit dem Prestige dieser Esport Institution. Neben Größen wie Starcraft 2, LoL, Dota 2 und Counter Strike war diesmal natürlich wieder Hearthstone vertreten. Das erste mal seitdem Miracle Rogue seinen großen Auftritt hatte, sah man neue viel Neues und Unterschiedliches. Decks, Pros und Skandale, die Bildzeitung hätte es nicht besser erfinden können.


Meta: Rogue Aggro

Eine besondere Form des Aggros ist das Rogue Aggro. Dieses ist der härtest ausformulierte Hartkonter zu Miracle Rogue. Dabei funktioniert es sehr ähnlich wie andere Aggro Decks, mit vielen billigen Kreaturen, direktem Schaden und einer starken Ziehmechanik. Mit Coldlight Oracle und Shadowstep füllt man die eigene Hand wieder auf – genauso wie die des Gegners. Während man selbst nur zieht, hat man zum Ziel die Hand des Gegners zu verstopfen, weswegen sich Muklas Nachteil oftmals positiv auswirkt. So arbeitet man gegen 3 Decks, die aktuell viel der Ladder ausmachen. Miracle kann wichtige Draws verpassen, wie Leeroy oder Gadgetzan. Fast noch wichtiger ist, dass ein Miracle mit 10 Karten Probleme hat seine Kombo durchzubringen, ohne zu überziehen. Handlocks, die sowieso oft genug ihre Handgröße ausnutzen verlieren noch zuverlässiger Karten aus dem Deck. Zudem wird Sap zu einem Hardremoval um lästige Giants loszuwerden. Druiden haben auch große Probleme, da ihre Decks darauf ausgelegt sind, ein Minion pro Runde möglichst auf der eigenen Mankurve zu spielen. Sie profitieren also deutlich weniger von mehr Karten, als der Rogue das tut.


Meta: Hunter Midrange

Reynad hat den Hunter Midrange Archetypen modernisiert, welcher vor Miracle Rogue und Unleash the Hounds Nerf dominiert hat. Dass dieser verschwunden ist, lag jedoch mehr daran, dass es eben so unendlich schlecht gegen Miracle ist. Die neue Variante spielt 2 Oasis Snapjaws. Zusammen mit Houndmaster werden diese zu einer großen Bedrohung. Der Gedankengang dahinter ist früh Saps oder direkten Schaden des Rogues zu ziehen, um mit Savannah Highmanes wie gewohnt das Spiel zu beenden. Um zusätzlichen Druck zu erzeugen, nutzt man 2 Stranglethorn Tiger, welche 5 Schaden garantieren.


Meta: Freeze Mage

RDU, der Gewinner des Turnier hat Amaz mit 3-0 überzeugend geschlagen. Obwohl Amaz ein erstaunlich großes Misplay hatte, ist es sehr bemerkenswert, dass Freeze Mage der Archetyp seines Verderbens war. Dabei erinnert es sehr stark an das alte Mage Giants Deck – ohne Giants. Die Azure Drakes fallen auf, genauso wie die Ice Barrier. Ansonsten wird wie gewohnt bis Alextrasza überlebt und danach irgendwie 15 Punkte Schaden gemacht. Um die Reichweite gegen Warrior Control und Healing Touches zu erhöhen, hilft eine Kopie von Pyroblast aus. Der Archetyp ist ebenfalls stark gegen Miracle und hat in seinen besten Zeiten das Meta erstickt. Es gab kaum ein dominanteres Deck in der Hearthstone Geschichte. Ob es allerdings dazu fähig ist, nach den Nerfs in der Ladder zurück zu kommen, müssen die nächsten Wochen zeigen.


Meta: Druid Doppel-Kombo

Druiden hatten wohl den häufigsten Auftritt. Alle Druid Decks haben gemein, dass sie sehr ausgeglichene Matchups gegen fast alles haben. Dabei sah man Tokens, Watcher, Ramp und Midrange – also alles. Eine große Gemeinsamkeit war die exzessive Verwendung von zwei Savage Roar und zwei Force of Nature. die Reichweite gegen Miracle und Aggro zu erhöhen ist logisch, jedoch sah man für meinen Geschmack zu viele Spiele in denen mehrere Kopien der Karten nutzlos auf der Hand waren. Auch hier entscheidet, ob diese Decks immer noch gut sind, nach denen man 2 Kombos erwartet. Auf der Dreamhack selbst sah man sehr deutlich, wie vorsichtig die Spieler gegen Druiden wurden.

Pros: Team Curse

3 Mitglieder von Team Curse waren angereist: Kitkatz, Darkwonyx und Savjz. Während Darkwonyx und Savjz einen festen Platz in der Gruppenphase hatten, musste Kitkatz durch das BYOC Event und sich einen von 4 Plätzen ergattern. Das hätte er auch fast geschafft, scheiterte aber in der letzten Vorrunde. Damit erreichte er aber immer noch mehr als seine Teamkollegen, die eher klanglos aus der Gruppenphase ausschieden. Vor allem Darkwonyx merkte man es an, dass er das Meta falsch interpretierte. Ysera mit in eine immer schnellere Umgebung zu nehmen war einfach unangemessen. Während sie sicher nicht das meiste Glück hatten, kam doch vieles auf ihre Decks zurück. Schade um diesen ersten Auftritt, aber die enorme Qualität der Spieler wird in Zukunft weitere Erfolge mit sich bringen.

Pros: Gaara

Der Gewinner der letzten, “kleineren” Dreamhack verpasste den Einzug in die Eliminierungsrunden nur knapp. Vor allem sein Druid Ramp schnitt schlecht ab, welchem es einfach an Tempo und Reichweite fehlte um dem explosiven Meta entgegen zu kommen. Zwar ist es durchaus verständlich, dass er nach seinem ersten Erfolg weiter auf diesen Archetypen setzt, die Anpassungen waren aber einfach zu gering und gingen teilweise in eine falsche Richtung.

Pros: Reynad & Amaz

Die bekanntesten Streamer in der Runde haben gezeigt, dass sie auch wirklich Hearthstone spielen können. Reynad überraschte mit Hunter Midrange und Warrior Aggro. Er ist sicherlich einer der wenigen innovativen Spieler, die wirklich überraschen können. Amaz schaffte es sogar bis ins Finale. Natürlich mit der erforderlichen Portion Glück, aber auch beneidenswert guten Priest Spielen und einer soliden Performance mit seinen anderen Decks. Beide Spieler haben damit ihrer Reputation einen Gefallen getan und sich als kompetitiver Spieler bewiesen.

Streaming: Viagame

Die Produktion war auf einem erstaunlich hohem Standard. Viagame als Sponsor und Streamingservice war dafür verantwortlich, dass das Event nicht auf Twitch gestreamt wird. Über den Service selbst habe ich aber kaum Beschwerden gehört. Bei dem Turnier selbst gab es kaum Verzögerungen und das Casting war hervorragend. Artosis, ChanmanV und Admirable kommentierten die Spiele mit wechselnden Pros und sorgten für eine entspannte Atmosphäre. An dieser Produktion können sich andere Turniere gerne ein Beispiel nehmen.

Die Spieler jedoch vor ein Ipad Mini zu setzen war sehr störend. Man sah ihnen oft und deutlich an, wie sie nicht gewohnt waren, mit dem kleinen Touchscreen umzugehen. Vor allem große Hände haben ein Problem das kleine Ipad Mini zu bedienen. Ich verstehe, dass man bewerben will wie gut das Spiel auf Tablets aussieht. Aber zumindest die größere Variante hätte man spendieren können. Besonders fatal wirkte sich das bei Savjz aus, welcher tatsächlich falsche Ziele buffte. Auch hilft es Hearthstone nicht, als Esport ernst genommen zu werden, wenn die zwei Finalisten verloren vor unendlich kleinen Spielgeräten sitzen.

Der Dreamhack Skandal

Zu schön um wahr zu sein? Leider ja, im Finale zwischen RDU und Amaz kam es im zweiten Spiel zu einem Zwischenfall der innerhalb kürzester Zeit Reddit und Twitter explodieren lies. Dabei wurde RDU von seiner Freundesliste während des Matches zugespammt, einfach nur weil er live war. Da es keine Verzögerung im Stream gab, war es möglich, dass ihm einer seiner “Freunde” einen Teil der gegnerischen Hand verriet. Als sich die Admins sein Videomaterial zwischen Spiel zwei und drei ansahen, entschieden sie, dass es nicht wiederholt werden sollte.

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Da man davon ausgehen kann, dass sie keine weiteren Nachrichten dieser Art gefunden haben, war diese Entscheidung meiner Meinung nach richtig. RDU hatte genau diesen Spielzug gezielt vorbereitet und alle seine Alternativen hätten zu keinem Sieg geführt. Er hat also seinen Zug nicht aufgrund der Nachricht so gestaltet. Hätte er selbst betrügen wollen, dann sicher nicht indem er direkt im Battle.net von seinen Freunden angeschrieben wird. So unglaublich dumm ist kein Jugendlicher dieser Welt. Es wäre also einfach nur ungerecht gewesen ein Spiel zu wiederholen, welches er ehrenhaft gewonnen hat. Gute Admins treffen schwere Entscheidungen, eine “richtige” gab es in diesem Moment nicht.

Was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass es gar nicht erst so weit hätte kommen dürfen. Wir haben keinen “Nicht stören” Modus, was Blizzard dringend einrichten sollte. Aber eben genau weil wir diesen nicht haben, sollte man auf Turnieraccounts zurückgreifen, oder die Freundesliste vor dem Match verbindlich löschen lassen. Man schafft es ohne Spectatormodus auszukommen, wieso umschifft man dann nicht einen fehlenden dnd Modus? Genauso hätte Amaz informiert werden müssen, dass es einen Zwischenfall gab und wie entschieden wurde.
Es ist sehr schade, dass so etwas passieren musste. Aber im gesamten war die Dreamhack das Hearthstone Vorzeigeturnier schlechthin.