Blickpunkt World of Warcraft: Der Kater danach
Teil 8 vom 28.02.2007

Das Addon The Burning Crusade ist nun seit einigen Wochen auf dem Markt und die Mehrzahl der World of Warcraft Spieler (Insider sprechen von über 90%!) haben entsprechend aufgerüstet. Genug Zeit ist mittlerweile verstrichen um einen ersten ausführlichen Blick auf die Neuigkeiten in der Scherbenwelt werfen zu können. Die Spieler haben sich mit der neuen Welt bekannt gemacht und konnten sich mittlerweile sehr gut einen eigenes Urteil darüber machen, was Blizzard mit dem AddOn wirklich geleistet hat. Und wenn man ganz ehrlich ist, scheint schon ein wenig Ernüchterung einzukehren.

Welche Freude und Euphorie war mit dem Verkauf vom Addon verbunden. Spieler, die vor den Läden in Schlangen standen, nur um pünktlich um Mitternacht das Spiel zu ergattern. Eine neue Welt mit neuen Abenteuern und neuem Loot lockte. So unberührt wie World of Warcraft zwei Jahre zuvor. Die Hoffnung auf eine kleine Revolution wie damals keimte wohl wieder im Herzen der Spieler auf und sicherlich auch bei den Machern. Nicht umsonst darf sich Blizzard auf die Schultern klopfen für die Produktion eines Spieles, das den MMORPG Markt so gravierend und nachhaltig beeinflusst hat. Waren MMORPG “s früher eher eine Art Nische, in der eine kleine bis mittlere Anzahl von Spielern ihr Dasein fristete, wurden nun Massen beweget. Spieler verschiedenster Couleur tummeln sich in World of Warcraft und mit ihnen natürlich auch die unglaublich unterschiedlichen Spielweisen und Ansichten. Diese ein wenig zu vereinen war und ist das Grundkonzept von World of Warcraft und sollte sich auch mit dem Addon nicht ändern. Vielleicht hatte der ein oder andere gehofft, dass seine Spielart nun ein wenig mehr Beachtung findet und entsprechende Elemente Einzug ins Spiel halten würden. Und so feierten sich die Spieler und die Macher sonnten sich im Glanze der Aufmerksamkeit.

Doch allmählich scheint der Kater danach einzusetzen. Die Spieler verlieren allmählich ihre Euphorie und kommen zurück zu dem Punkt, den sie gut drei Monate vor dem Addon bereits erreicht hatten: der virtuellen Realität. Hat sich das Spiel schneller verbraucht als früher? Das kann man wohl so sagen und das hat auch einen Grund: im Grunde spiele wir alle das Gleiche in Grün. War früher alles neu und der Wille zum Sammeln war so schön und aufregend wie zu Diablo Zeiten, verkommt die Spielwiese nun schneller zur Routine. Es ist ein wenig wie mit dem Konsum von Kaugummi, irgendwann ist der Geschmack raus und der Kaugummi wirkt zäh und alt.

Ist es wirklich so schlimm? Viele Spieler beklagen sich über das ewig gleiche Prozedere wie zuvor in World of Warcraft. Man questet, meistens durch das Verhauen von Bösewichten, und lernt nach und nach neue bzw. bessere Fähigkeiten oder Zauber. Man sammelt Gold für die Transportmittel, um dann irgendwann schneller vorwärts zu kommen. Man geht in Instanzen, um sich mit dem neuesten und angesagtesten Outfit auszustatten. Man geht ins PvP, um anderen zu beweisen das man besser ist als sie. So oder so ähnlich hört es sich in den Foren an. Zu wenig Neues und zu viel Altes.

Vielleicht aber haben die Spieler aber noch nicht alles gesehen oder ausprobiert? Die Arenen sind völlig neu dazugekommen und die Saison hat gerade erst begonnen. Wie sich dieses Element bewährt wird die Zeit zeigen. Potential hat es allemal. Allerdings ist dieses Feature nur für PvP Spieler interessant. Bevor die PvE”ler jetzt aber losmotzen, sollte sich ein jeder Spieler einmal aufraffen, das Arena Feature einmal auszuprobieren…bevor man es eventuell doch als nicht akzeptabel für sich abheftet.
Viele neue Instanzen sind noch nicht implementiert (Schwarzer Tempel, Zul”Aman, Grim Batol, Uldum, usw). Dies war auch zum Release von World of Warcraft so und hat dem Spiel nicht geschadet. Vielmehr lässt man sich damit die Möglichkeit offen, dass Blizzard auf die Wünsche der Kunden eingeht und entsprechend neue Instanzen anpasst.

Das Bancing der Klassen ist wie schon in den zwei Jahren zuvor stetig ein wichtiger Teil der Entwicklung und wird es wohl auch immer bleiben. Es braucht Zeit und jeder der ein Warcraft3 oder Starcraft gespielt hat, weiss das. Das Spiel kann und wird sich im Grunde nicht von Heute auf Morgen ändern, man kann mit übereilten Änderungen mehr kaputtmachen als man denkt. Auch können 50 oder 100 interne Tester aus der Qualitätssicherung noch soviel testen: die wahren Auswirkungen auf den Spielablauf geben erst die abertausenden Spieler da draußen. Kein Entwicklerstudio der Welt kann das simulieren und deswegen ist Entwicklung so kompliziert. Dies sollte bei aller Kritik immer berücksichtigt werden. Und trotzdem bleibt der Eindruck des “alles schonmal dagewesen” Eindrucks. Immer wieder kann man Argumente anbringen, zum Beispiel:

  • Die Flugmounts sind eine ganz tolle Sache und machen den Spieler freier, schränken ihr aber leider doch auf die neue Welt ein.
  • Die Arenen bieten PvP vom Feinsten und doch ist es für viele nicht der heilige Gral. Warum eigentlich nicht?
  • Die neuen Instanzen sind wirklich neu und beherbergen jetzt dankenswerterweise nur noch maximal 25 Spieler,.. und doch sind sie so wie sie immer waren, nicht wahr?
  • Die Handwerker bekommen neue Rezepte und doch bleibt der Großteil so nebensächlich wie früher. Man könnte sogar sagen, die Berufe sind eine Katastrophe, verglichen mit den teils fantastischen Crafting System anderer MMOs. Jedoch: will Blizzard so etwas überhaupt? Der Schwerpunkt in WoW liegt woanders…
  • Die Quests und Gebiete sind vorher unbekannt und laden zum Erforschen auf und doch kommt es dem Spieler oft wie ein Dèjà vu vor.

Wenn man also ehrlich ist, kommt man zwangsläufig zu dem Ergebnis, daß das Spiel nicht anderes ist als das, was wir vor 2 Jahren in die Finger bekamen. Die Frage ist, die sich jeder selber stellen muss ist, ob man wirklich etwas anderes erwartet hat oder man das Spiel genau so wollte wie es immer war.

Diese Entscheidung muss ein jeder selber treffen und vielleicht kommt ihr zu der Entscheidung, dass es für euch Zeit ist etwas anderes auszuprobieren. Aber werft dies nicht den Entwicklern vor. Sie haben genau das gemacht was alle Spieler seit zwei Jahren spielen und anscheinend lieben. Es hätte vielleicht mehr Neues dabei sein können aber das Grundsystem sollte trotzdem weiter bestehen bleiben. Das Spiel könnte nur durch kleine Verbesserungen wie die Arenen in spezifischen Gebieten aufgewertet werden aber es würde trotzdem World of Warcraft bleiben. Neue Arten der Questerfüllung könnten ein wenig Abwechslung bringen aber man würde weiterhin nur Quests machen und der Hauptteil würde weiter nach dem alten Schema F ablaufen. Vielleicht macht man sich daher auch etwas vor, wenn man jetzt plötzlich so tut, als sein man von Burning Crusade enttäuscht. Das Grundsystem ist nunmal erfolgreich, fertig. Wie groß war daher die Wahrscheinlichkeit auf ein völlig neuartiges und anderes Konzept? Richtig, gleich Null.

Es ist bestimmt nicht alles Gold was glänzt aber nicht immer trägt der Wolf auch einen Schafspelz.

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