Blickpunkt World of Warcraft: Endgame in Burning Crusade
Teil 9 vom 30.04.2007

Mit Burning Crusade hielten viele Neuerungen Einzug, die auf den ersten Blick tolle Möglichkeiten für Wenig,- oder Gelegenheitsspieler (sog.Casuals) bieten.

Doch hält dieser Umstand einer genaueren Betrachtung stand?
Hat man durch diese Neuerungen wirklich alle Hände voll zu tun?
Warum zerbrechen derzeit vermeintlich so viele Gilden?
Es hören viele Spieler mit WoW auf? Stimmt das überhaupt?

Hier mal einige Betrachtungen der neuen Features und deren augenscheinliche Auswirkungen auf die Spieler.

Die neuen 5er Instanzen:
Mit Erscheinen von BC waren die Möglichkeiten, was Instanzbesuche betrifft, scheinbar riesig. Ganze sieben neue Instanzen bot uns Blizzard auf Stufe 70 zur Erkundung an. Doch spätestens nach dem fünften Besuch dieser Instanzen verkommen sie, wie auch schon Stratholme, oder Scholomance zu instanzierten Farmgebieten ohne große Abwechslung. Doch Blizzard setzt einen oben drauf und gibt uns die Möglichkeit jede BC-Instanz im Heroischen Modus zu betreten. Dort erwarten uns schwerere Gegner und bessere Items. Doch ganz ehrlich – es bleiben die selben Instanzen. Eine Zeit lang kämpft (oder wiped) man sich durch und mit jedem Patch werden auch die heroischen Instanzen mehr und mehr abgeschwächt. Doch nichts für “Casuals”…

Die neuen Fraktionen:
Bestimmt hat sich jeder Anfangs gedacht: „Was? Schon wieder eine neue Fraktion? Wie viele gibt’s hier denn noch davon?“
Die Antwort: Viele!
Und jede dieser Fraktionen hält neue Belohnungen für den engagierten Spieler auf Lager. So können auch die so genannten Casuals an epische Ausrüstung kommen, ohne mit einer großen Gilde wochenlang raiden zu gehen. Klingt im ersten Moment ziemlich gut. Betrachtet geht man diesen Umstand aber ein wenig genauer, stellt man fest, dass man seinen Ruf bei diesen Fraktionen fast ausschließlich in denselben Instanzen farmt, die man vermutlich sowieso schon nicht mehr sehen kann. Eine andere Möglichkeit gibt es wenn dann nur begrenzt durch Quests, oder „Ruf-Gegenstände“, die aber auch hauptsächlich innerhalb der Instanzen zu finden sind (z.B. Waffen des Echsenkessels in der Dampfammer).
Die neuen Raid Instanzen:
Der Geschmolzene Kern, der Pechschwingenhort, der Tempel von Anh’Qiraj, Naxxramas – alle alten „High end – Raidinstanzen“ waren für 40 Mann ausgelegt. Die neuen Raidinstanzen gehen einen anderen Weg. Zehn Mann passen nach Karazhan rein. Alle anderen sind ausgelegt für 25 Mann. Wie jede Änderung im System ein zweischneidiges Schwert. Viele Gilden jubelten, da sie nun ohne die Unterstützung eines Bündnisses raiden konnten, andere wiederum zerbrachen daran, weil zu viele Spieler in der Gilde waren für einen Raid, aber zu wenige für zwei. Auch sind dadurch die Anforderungen an jeden einzelnen gestiegen. In einem 40-Mann-Raid konnte man es locker ausgleichen, wenn ein oder zwei Spieler “afk” waren, oder nur halb bei der Sache. In Karazhan kann jeder Fehler eines einzelnen Spielers zum wipe der ganzen Gruppe führen. Auch sind die Anforderungen, was Grundausrüstung für z.B. Karazhan angeht um einiges höher, als es in Zul’Gurub, oder MC der Fall war. Solche Instanzen sind jetzt klare Leistungsraids.

„Dafür bekomme ich aber wenigstens tolle Ausrüstung!“

Nun ja, das ist so eine Sache. Mit Sicherheit gibt es in Karazhan, welches ja die erste Herausforderung für raidwillige 70er darstellt, das ein oder andere tolle Item zu ergattern, aber oft wird auch der Ruf laut, das diese in keinem Verhältnis stehen zum Aufwand, der dafür betrieben werden muss. Teilweise stellt man sogar fest, dass die items, die man am virtuellen Leib trägt gleichwertig, oder sogar leicht besser sind. Man bekommt zwar mit fast jedem neuen Ausrüstungsteil hier 10 mehr Angriffskraft, hier mal 2 mehr Ausdauer, aber eine Steigerung der Ausrüstung, wie es zwischen den „Classic-5er Instanzen“ und MC gab, sucht man vergebens. Für viele ist somit das einzige Ziel, die ersten Raidinstanzen zu durchspielen, um in die nächst höhere Inni zu kommen (Um in den Schlangenschrein zu gelangen, muss man z.B. komplett durch Karazhan und Gruuls Unterschlupf).
Ein Blick auf die Burning Crusade: Dungeon Struktur zeigt, dass die aktuellen Raidinstanzen pyramidenförmig aufeinander aufbauen. Man hat nicht mehr die Möglichkeit in die nächst Höhere Instanz zu kommen, ohne die Quest, und somit vorangegangene Raids abgeschlossen zu haben.

Vielen Spielern geht hierbei die Perspektive verloren. Hat man den Ehrgeiz den Endgame-Content zu erleben, wird man massiv unter Druck gesetzt, um auch mit seiner Gilde mit halten zu können.

Die neuen Berufe:
Auch hier gibt es seit BC positives, aber auch negatives zu berichten. Einige Items sind durchaus als sehr gut zu bezeichnen (Eisschattenzwirn-Set/Schmiedekunst-Waffen), wohingegen es bei anderen Berufszweigen an Highlights fehlt. Alchemie ist, wie auch in der alten Welt ein „nice-to-have“, aber in keinster Weise bringt es den eigenen Charakter in dem Maße nach vorne, wie das ein Schmied, oder Schneider vermag. Auch lassen sich die Kräuter oft wesentlich besser verkaufen, als die Tränke, oder Elixiere, die man daraus herstellen kann. Blizzard hat ja versprochen den Ingenieur zu überarbeiten, was auch dringend notwendig ist, da man aktuell als Ingenieur wenig, bis gar keine nützlichen Items herstellen kann.
Jedoch bleibt gesamt betrachtet fest zu stellen, dass sich mit BC kaum etwas geändert hat, was Nützlichkeit der einzelnen Berufe angeht. Hat man das Glück ein seltenes Rezept zu finden, kann man richtig gut Geld verdienen, ansonsten verstauben die meisten Rezepte im Skillbuch und werden einzig und allein fürs „skillen“ ausgepackt.

PvP – Der Einzug des eSports?
Bereits mit Patch 2.0 wurden die neuen PvP-Arenen eingeführt. Hier treten wahlweise 2er, 3er oder 5er Teams gegeneinander an. Erspielbar sind, wie auch mit Ehrenpunkten epische Rüstungssets und Waffen.
Vor einigen Wochen begann die „Weltmeisterschaft“ der Arena-Teams und hier winken nebst einiger spezieller Belohnungen (z.B. der gerüstete Netherdrache) auch Geldpreise – und das nicht zu knapp.
Ein Vergleich zu anderen eSport-Titeln, wie Counterstrike liegt hier bereits nahe, sind doch Preisgelder für die besten Teams dort Usus.
Aktuell werden die Stimmen immer lauter, dass es partout nicht ins Flair eines „Rollenspiels“ passt, dieses als “e-Sport” zu verkaufen. Auch stellt sich die Frage, ob denn WoW überhaupt dafür geeignet ist, da a) keine, für alle herrschenden Vorgaben existieren (Ausrüstung/Teamzusammenstellung) und auch sonst viel vom Zufall abhängt (Verfehlen/Widerstehen, etc…).

Update:
Die Seite world series of video games hat WoW als offiziellen eSport-Titel aufgenommen. Gespielt wird auf eigens von Blizzard zur Verfügung gestellten Servern mit vorgefertigten Charakteren. Einzig die Skillung kann man hierbei anpassen.

Fazit:
Nach dieser Betrachtung stellt sich nun die Frage:

Hat Burning Crusade wirklich alles besser gemacht?

Allen war mehr oder weniger bewusst, dass das Spielkonzept von WoW mit BC nicht komplett geändert wird. Aber der Ersteindruck vieler Spieler war: „Altes Konzept – aber das wenigstens verbessert!“
Doch nach einiger Zeit machte sich Ernüchterung breit. Mehr und mehr Spieler hören mit WoW auf und eine Gilde nach der anderen zerbricht unter dem Druck, der durch das Spielkonzept aufgebaut wurde. Hängt ein Spieler hinterher, sei es mit dem Level bis 70, dem Ruf für heroische Instanzen oder dem Zugang zu den neuen Raids, musste dieser oft allein sehen, wie er diesen Rückstand aufholte.
Anderen wurde bewusst, dass sich nie was ändern wird. Man wird kontinuierlich versuchen an das nächste T-Set zu kommen und eine Raidinstanz nach der anderen wird wieder hoch gezogen, nur um beim nächsten Addon wieder fest zu stellen, dass sie mit fast leeren Händen da stehen und die Anstrengungen vergebens waren.

Wie seht ihr die Änderungen? Was macht euch gerade am meisten Spass? Diskutieren könnt ihr das Thema wie immer im Kommentarthread im Forum.