von Taseni

Ein wichtiger Bestandteil des Spiels ist für viele MMO-Spieler sicherlich das Raiden. Blizzard hat sich in der vergangenen Zeit bemüht mehr Spielern Zugang zu dieser Aktivität zu verschaffen, z.B. die Reduzierung der Gruppengröße von 40 Spieler auf 25 bzw. 10 Spieler. Inzwischen teilen sich diese Größen sogar denselben Inhalt.

Was passiert jedoch, wenn man weder die eine noch die andere Anzahl aufbringen kann? Dann sucht man sich eine Random-Gruppe, deren Erfolg jedoch oft fraglich bleibt. Auch hier sprang Blizzard ein und schuf den LFR, um jederzeit eine Gruppe finden zu können, mit der man raiden konnte.

Im kommenden Patch 5.4 wird nun mit dem flexiblem Raid eine weitere Option eingeführt, den Spielern das Raiden noch zugänglicher zu gestalten.

Die Eckdaten

Um eher sozialen Gruppen den Zutritt zu erleichtern, könnt ihr im flexiblen Raid mit 10 bis 25 Spielern zusammenspielen. Ob ihr nun 14, 17 oder 23 Spieler seid, all das ist möglich. Ebenfalls könnt ihr für diesen Modus eure BattleTag bzw. RealID-Freunde serverübergreifend einladen.

Entsprechend der Anzahl der Spieler wird sich der Schwierigkeitsgrad dynamisch erhöhen, so dass sich die Schwierigkeit bei 12 oder 22 Spielern nicht unterscheiden soll.

Dieser Schwierigkeitsgrad lässt sich zwischen LFR und normalen Modus einordnen und wird damit auch eine weitere Beutestufe geben, die sich zwischen den bereits existierenden Stufen einordnet. Die Beute wird dabei vorerst mittels des Beutesystems aus dem LFR verteilt, d.h. jeder besitzt seine ganz eigene Chance auf Ausrüstung.

Den flexiblen Raid könnt ihr unabhängig von LFR und normalen/heroischen Raid besuchen, da er eine separate Instanzzuweisung erhält.

Vielfältige Möglichkeiten

Generell bedeutet dies also, dass ihr die flexiblen Raids mit einer Gilde oder zufälligen Gruppe von Spielern bestreiten könnt, in der Gruppengröße, die gerade zur Hand ist. Ihr müsst euch dann Bossen stellen, die nicht so sehr vereinfacht wurden wie im LFR, jedoch weiterhin einfacher zu bewältigen sind, als die Bosse im normalen Modus.

Wenn z.B. eine Gilde eine 10-Mann-Gruppe besitzt, deren Pool aus 13 Spielern besteht. Normalerweise haben genau 10 Leute Zeit, jedoch sind an einem Abend alle 13 Spieler anwesend. Dann müssten drei Spieler auf der Ersatzbank Platz nehmen, mit dem flexiblen Raid kann man jedoch die komplette Gruppe mitnehmen. An einem anderen Abend könnte dann immer noch der normale Modus mit 10 Spielern angegangen werden.

Ein weiteres Beispiel wäre eine Gilde, die neue Spieler rekrutiert, um Lücken zu füllen oder auch von 10er auf 25er aufstocken möchte. Während man die Probe-Spieler beurteilt, kann man weiterhin zusammen raiden. Auch muss dadurch der 25-Mann-Raid einer solchen Gilde nicht ins Wasser fallen.

Dabei bezieht sich das Feature vor allem auf den sozialen Aspekt des Raidens. Oft ist es so, dass man beim Raiden in einer Gilde Freunde findet. Dies ist für viele Spieler viel bedeutender als die getöteten Bosse, die Beute oder die Erfolge – was meist zählt, ist das Zusammenspiel mit netten Bekannten/Freunden.

Natürlich kann es immer passieren, dass das reale Leben dem Raiden einen Strich durch die Rechnung macht und Spieler Pausen einlegen müssen. So können aus einem 25-Spieler-Kader schnell mal 19 werden oder aus 10 Spielern werden 13. Bisher muss man dann weitere Leute suchen, um die Gruppe aufzufüllen oder z.B. zwei Gruppen zu eröffnen oder man muss einige daheim lassen. Dies kann den Spaß des Abends schmälern.

Das System ist somit besonders geeignet für die Gilden, die aus Freunden und teils auch Familie bestehen und eher entspannt raiden wollen und zur Zeit im normalen Modus bei einigen Bossen schnell gegen eine Wand rennen. Auch wenn bereits der LFR einen leichteren Schwierigkeitsgrad bietet und überhaupt erst vielen Spielern (mehr als so manch einer denken mag) den Einstieg in Raids ermöglicht hat, ist dieser aufgrund der Anonymität von 25 fremden Spielern nicht das richtige Feature für solche Gilden.

Überhaupt könnte das System auch einigen Spielern das Raiden näher bringen, da man sie im flexiblen Raid einführen kann, ohne sie sofort mit dem Schwierigkeitsgrad zu schocken.

Auch für Gilden, die es etwas ernster angehen und im normalen und vielleicht auch im heroischen Modus gut zurechtkommen, bietet das System einige Vorteile. So lassen sich Probekandidaten von anderen Servern viel einfacher testen, da derjenige nicht erst die Kosten eines Transfers auf sich nehmen muss, obwohl er noch nicht mal weiß, ob er eine Zukunft in der Gruppe erhält. Und für den Test-Raid wird bei einer 25-Mann-Gilde noch nicht mal der komplette Kader benötigt.

Weiterhin bietet sich damit für Spieler, die von einer Pause zurückkehren oder den Charakter gewechselt haben, eine weitere Ausrüstungsquelle, um zum Ausrüstungsstand des aktuellen Raids aufschließen zu können.

Für Gilden mit zwei Raid-Gruppen, bei der die eine stärker als die andere ist, kann man den Modus nutzen, um der Gruppe beim Bewältigen von Bossmechaniken zu helfen, die bisher Probleme bereiteten. Dabei steht noch nicht mal die Aufteilung der Beute im Weg, da sich diese per System von ganz allein regelt.

Auch lässt sich der Gildenzusammenhalt bei mehreren Raid-Gruppen dahingehend stärken, mit Mains und Twinks einen gesonderten Flex-Raid anzubieten.

Unerwünschte Nebeneffekte

An sich ist es also ein interessantes neues Feature, das viele Möglichkeiten bietet. Jedoch gibt es einen unglücklichen Nebeneffekt, da für einige Gilden oder Spieler, die das Raiden etwas ernsthafter angehen, auch negative Aspekte auftreten. Ob die Gilden nun die größtmögliche Vorbereitung auf die Raids fordern bzw. erwarten oder man selbst als Spieler das bestmögliche aus seinem Charakter herausholen will, für all diese Spieler bedeutet der Flex Mode eine zusätzliche Beschäftigung pro Woche.

Natürlich nur dann, wenn man auch dort Set-Teile, Schmuckstücke oder Questitems für die legendäre Questreihe erhält. Während man die Questitems auch schon im normalen Modus bzw. LFR sammeln kann, ist das Aufrüsten von einigen fehlenden Slots in der Ausrüstung ein großes Argument.

Deshalb fordern einige Spieler, dass sich der Flex Mode mit dem LFR oder dem normalen Raid eine Instanzzuweisung teilt. Gerade das Teilen mit dem normalen Raid wäre nicht ideal, da dort dann mindestens die Möglichkeit bestehen müsste zwischen Flex und normal wechseln zu können. Dies hätte jedoch zur Folge, dass man Bosse mittels Flex übergehen könnte, die im normalen Modus “zu hart” sind.

Auch besteht die Gefahr, damit die 25-Mann-Gilden komplett auszulöschen. Den Schwund von 25er Raid-Gilden, der durch das Zusammenschließen von 10er und 25er begann, kann dadurch verschlimmert werden, wenn die Gruppe Spieler verliert und man auf den Flex Mode ausweicht. Dies mindert den Anreiz für neue Spieler zu der Gruppe zu stoßen.

Trotzdem

Der Flex Mode ist kein normaler Raid und wird ihn nicht ersetzen können. Er wird nie das Ansehen und den Ruf von Kills im normalen oder heroischen Modus besitzen. Wahrscheinlich ist das auch genau der Punkt: er soll euch und eure Freunde im Raid zusammenbringen, wo man nicht mit irgendwelchen Möchtegern-Kaspern aus dem LFR zurechtkommen muss und in entspannteren Umständen die Abende verbringen kann.

Und solange die Beute schlechter bleibt als ihr Pendant in der normalen Variante und man nicht in beiden Versionen Gegenstände für die legendäre Questreihe sammeln kann, bleibt der flexible Raid für Spieler ein Kann und kein Muss.

Hier könnt ihr über die Kolumne diskutieren »