von DrJones

Man hört schon die Rufe: “WoW wird Free2Play!”, “Blizzard betreibt bald Itemselling!” oder “Lol! 13€ im Monat und dann noch mehr Geld verlangen!”. Es sollte wohl jedem klar sein, worum es hier gerade geht: Richtig, den In-Game-Store von WoW. Vor etwas mehr als einer Woche überraschte uns Blizzard mit einem Zauber auf dem Patch 5.4 PTR, der nur einen Schluss zuließ: Blizzard denkt darüber nach, auch im Spiel Dinge gegen reales Geld zu verkaufen.

Natürlich kam auch kurze Zeit nach dem Entdecken dieses Zaubers in den Client-Daten die Erklärung in Blau: Alles nicht so wild, ist nur ein Test! Mehr Infos sollte es dann später geben. Die gab es auch, denn Chef-CM Bashiok persönlich hat sich relativ umfangreich dazu geäußert.

Der Stand der Dinge

Und was uns Monsignore Bashiok erzählte, klang eigentlich recht gut. Man wolle den Shop implementieren, damit man die Dinge, die es aktuell im Blizzard-Store gibt, auch im Spiel selber kaufen kann. Will sagen: Das Angebot an Haus- und Reittieren soll nun auch im Spiel selber verfügbar gemacht werden, was wir angesichts des nicht so wirklich hübschen Blizzard-Stores nicht wirklich schlimm finden können.

Der gefundene Zauber, welcher die erhaltene Erfahrung um 100% steigert, fällt natürlich nicht in diese Kategorie. Dies sei, so Blizzard, ein Test, welcher eventuell auch auf den asiatischen Servern ausgeführt werden soll. Denn für diesen Markt sei dieser Buff gedacht und basiere auf dem Feedback der dortigen Spieler. Und das scheint auch nicht so sehr an den Haaren herbeigezogen zu sein.

Der asiatische MMO-Markt

Denn in den Ländern des fernen Ostens ist ein In-Game Store eigentlich Gang und Gäbe. Dort gibt es auch sehr selten Abogebühren und selbst WoW läuft dort in einem anderen Modus als bei uns. Da die Spieler dort gewohnt sind, solche Buffs, die ihnen das Leveln erleichtern, zu kaufen, möchte Blizzard dies vielleicht auch einfach möglich machen.

Und das ist er, der ominöse XP-Buff!
Natürlich kann man sich denken, dass ein solcher In-Game Store dann wohl auch in unseren Breiten Einzug halten würde, ob Blizzard dabei aber dann auch auf diese “Erleichterungs-Buffs” setzt, ist definitiv nicht klar.

Ein Schritt in Richtung Free2Play?

Viele Spieler verbinden mit einem solchen Shop dann aber gleich die Ankündigung einer Free2Play-Umstellung. Das liegt auch nahe, findet man solche Shops bisher auch eher in Vertretern dieses Finanzierungsmodells. Gerade im Genre der MMORPGs ist der In-Game Store das Mittel der Wahl, um den freien Spielern doch ein paar (oder auch ein paar mehr) ihrer Euros aus den Taschen zu ziehen.

Doch schaut man sich etwas weiter um, wird man schnell feststellen, dass Mikrotransaktionen mehr als weit verbreitet sind. Nennen wir sie DLCs, nennen wir sie In-Game Store – es läuft immer auf das Gleiche hinaus. Der Spieler kann diverse Dinge, die er zum eigentlichen Spielen nicht braucht, die ihm aber das Leben erleichtern, kaufen.

Ist das nun gut fürs Spiel?

Das hängt ganz davon ab, was Blizzard daraus macht. Niemand kann etwas dagegen haben, wenn Haus- und Reittiere, die eh schon käuflich zu erwerben sind, auch im Spiel selber gekauft werden können. Im Gegenteil, diese Funktion fände ich richtig gut. Auch Servertransfer, Rassen- oder Fraktionswechsel etc. darf gerne im Spiel erledigbar sein.

Und wie steht es mit XP-Buffs? Tja, da kann man geteilter Meinung sein. Ich finde, dass es dem Spiel keinen Abbruch tut, wenn ich mir so etwas gegen bare Münze kaufen kann. Im Endeffekt ist es kein wirklicher Vorteil, da ich mir diesen Buff auch im Spiel anhand von Erbstücken erarbeiten kann und dann auch noch zusätzlich gute Items habe, die mitskalieren. Denn die hab ich bei einem simplen Buff nicht.

Natürlich will Blizzard mit dem Shop auch Geld verdienen.
Ich würde von diesem XP-Buff sehr wahrscheinlich sogar Gebrauch machen um die ein oder andere Zone, die mir nicht so sehr gefällt, schnell hinter mich zu bringen. Brachland, ich werde dich nie wieder sehen!

Auf der anderen Seite ist das Ganze natürlich auch ein schmaler Grat und man könnte befürchten, dass Blizzard nach einer gewissen Eingewöhnungsphase auch andere Dinge zum Kauf anbietet. So war ja schon die Rede von der Möglichkeit, Geringe Amulette des Glücks zu kaufen. Da wäre dann ein Buff, der mehr Eroberungspunkte gewährt, nicht so fern. Oder warum nicht z.B. den Chopper für ein paar Euros mehr anbieten?

Aber: Ich denke, Blizzard ist sich des Problems durchaus bewusst. Man hat in Irvine bei Diablo 3 schmerzlich gelernt, das Kaufen von Items gegen echtes Geld (Real Money Auction House) nicht unbedingt den Spielspaß erhöht. Auch wird man Fehler anderer MMO-Entwickler genau analysiert haben und dafür Sorge tragen, dass World of Warcraft durch einen solchen Shop keinen Schaden nimmt.

Und generell muss man natürlich abwarten, was davon überhaupt auf unseren Servern ankommt. Denn wie schon oben gesagt: der Test mit mehr als den Reit- und Haustieren läuft vorerst nur in Asien und wenn dort XP-Buffs eingeführt werden, kann uns das ja eigentlich herzlich egal sein.

Nun bin ich aber sehr gespannt, was eure Meinung zu dem Thema ist. Habt ihr ein Problem mit einem solchen Shop? Vertraut ihr Blizzard auch, dass sie genau wissen, was sie tun? Oder befürchtet ihr Schlimmes? Sagt es mit in den Kommentaren und im Forum!

PS: Neue Items für den Store – wie weit wird Blizzard gehen?

Durch die neuen Entwicklungen und die gerade vollzogene Ankündigung, dass es im Store demnächst auch andere Items als nur Haus- und Reittiere geben wird, verschärft sich die Situation natürlich ein wenig. Klar, keines dieser Items bringt einen echten Vorteil im Spiel und gerade Dinge zum Transmogrifizieren haben sich viele Spieler im Store gewünscht.

Doch das Gefühl, bald einige der wirklich coolen Sachen nur noch gegen Bares zu bekommen, macht sich so langsam breit. Auch das Gefühl, dass Blizzard demnächst auf ein, dem Free2Play näheres System umstellen wird, sorgt nicht gerade für Feierlaune unter den Usern. Ich bin wirklich gespannt, was da noch kommen wird und ob es auf der Blizzcon eventuell wirklich eine gewaltige Änderung an WoW geben wird. Was denkt ihr?