von Kevin Nielsen

Auf der BlizzCon 2013 kündigte Blizzard die nächste Erweiterung Warlords of Draenor an. Mit dieser Erweiterung kamen wieder verschiedenste Neuerungen ins Spiel. Eine der größten Änderungen gab es an der Itemization von World of Warcraft. Nun ist die Erweiterung über einen Monat draußen und somit möchte ich in dieser Kolumne einen Blick auf diese Änderung werfen.

Allen voran ist die mitunter einschneidenste Änderung der Wegfall der Werte Trefferwertung und Waffenkunde. Dadurch ist ein sehr langweiliges und unnötiges Cap aus dem Spiel genommen worden. Stetig einfach nur X-Trefferwertung anzupeilen, damit man überhaupt mit seinen Fähigkeiten das Ziel trifft, war in der Tat keine sonderlich spannende Geschichte. Daher bin ich auch heute noch sehr froh darüber, dass die Werte aus dem Spiel genommen wurden.

Ebenfalls rausgeflogen sind die Werte Parierwertung und Ausweichwertung. Wobei diese noch grundlegend im Spiel vorhanden sind, aber sie tauchen nicht mehr auf Gegenständen auf und können auch nicht mehr beeinflusst werden.

Das Ziel von Blizzard war, dass man die Handhabung der Werte vereinfacht. Aus welchem Grund man sich dann entschieden hat die Werte Mehrfachschlag, Vielseitigkeit und Bonusrüstung einzuführen erschließt sich mir nicht ganz. Wobei ich es ein wenig einschränken muss, da man den Wert Bonusrüstung vor allem einführte, damit es einige klare Tank-Gegenstände im Spiel gibt. Aber Mehrfachschlag und Vielseitigkeit hätte man nicht ins Spiel bringen müssen.

Gerade Vielseitigkeit ist sogar bei recht vielen Klassen der mit Abstand schlechteste Wert. Mehrfachschlag liegt dabei schon etwas besser. Dennoch haben sie eigentlich das System nur wieder unnötig aufgebläht. Man wäre auch sehr gut mit Kritischer Trefferwertung, Tempo, Meisterschaft, Ausdauer, Willenskraft, Mainstats (Intelligenz, Stärke, Beweglichkeit) zurecht gekommen. Man hätte zum Beispiel auch die Gegenstände so bauen können, dass man nur einen Sekundären Wert auf ihnen hat (falls ihnen das ein Dorn im Auge war 2 aus 3 Werte auf einem Gegenstand).

Für mich an dieser Stelle einfach eine unnötige und vielleicht nicht vollends durchdachte Geschichte. Am Ende sogar ein Widerspruch zum eigentlichen Ziel.

Tertiäre Werte

Bei diesen Werten frage ich mich immer, ob sie sich gut anfühlen oder sie einem eine gewisse Motivation nehmen bzw. einem die Möhre unendlich lange vor die Nase halten. Tertiäre Werte kommen per Zufall auf einem Gegenstand vor. Dabei können mehrere dieser Werte auf einem Gegenstand sein oder auch gar keiner. Zu den Tertiären Werten zählen folgende Werte:

  • Aufgewertet – Eurem Gegenstand werden einige zusätzliche Gegenstandslevel hinzugefügt.
  • Bonussockel – Euer Ausrüstungsgegenstand erhält einen zusätzlichen Sockelplatz.
  • Bewegungsgeschwindigkeit – Wie der Name schon erahnen lässt: über diesen Wert wird das Bewegungstempo eures Charakters dauerhaft erhöht.
  • Unzerstörbar – Euer Ausrüstungsgegenstand verliert keine Haltbarkeit mehr.
  • Lebensraub – Eure Zauber und Angriffe heilen euch um einen Teil des Schadens, den ihr verursacht.
  • Vermeidung – Über die Vermeidung verringert ihr den Schaden, den euer Dämonologie-Hexer erleidet.

Dabei sind hier gerade die Werte “Aufgewertet” und “Bonussockel” durchaus eine Geschichte, die man als Spieler, der nach der maximalen Ausrüstung jagt, gerne hätte. Die anderen Sachen sind dann in der Tat eher in der “ganz nett” Kategorie einzuordnen. Dennoch scheint es auf diese Art fast unmöglich die tatsächliche “Best in Slot”-Ausrüstung jemals zu erhalten. An dieser Stelle bin ich mir aus dem Grund noch nicht sicher, ob ich es “cool” finde oder eher als “Demotivation” empfinde. Das wird sich wohl erst nach längerer Zeit genauer sagen lassen.

Umschmieden war gestern – heute sind es Sets!

Mit Warlords of Draenor wurde auch das Umschmieden aus dem Spiel genommen. Viele haben diesen Schritt sehr begrüßt, da es früher einfach nur ein Klick in einem Addon oder auf einer Webseite war (auch wenn es Spieler gab, die sich damit wesentlich intensiver auseinander gesetzt haben). Zuerst war ich auch klar der Meinung, dass der Schritt notwendig war.

Aber heute sehe ich das nicht mehr ganz so klar. Ich glaube das große Problem beim Umschmieden war einfach nur die Tatsache, dass es so viele Caps gab, die man ständig erreichen konnte / musste. Allen voran die erwähnte Trefferwertung. Aber auch Tempo-Caps und ähnliches waren immer ein Thema und schränkten alleine damit schon das Umschmieden sehr ein. Auf der anderen Seite wurde jeder Spieler durch die Caps zum passenden Umschmieden verpflichtet.

Doch die Caps sind alle raus aus dem Spiel. Wenn ich mir jetzt das Umschmieden vorstelle, dann könnte es sehr helfen und würde wohl doch mehr Freiheiten bieten als früher. Gleichzeitig wäre man aber nicht unbedingt dazu verpflichtet es zu nutzen, da es ja keine Caps gibt. Es wäre wohl auch noch einfacher, weil man im Zweifel einfach auf seine zwei wichtigsten Sekundärwerte umschmieden könnte. Dennoch wären Werte-Spielereien und unterschiedliche Setups einfacher und besser zu erreichen als jetzt.

Dadurch, dass man teilweise einfach Werte auf den Gegenständen erhält, die einem nichts bringen (Beispiel: Heilschamane mit Vielseitigkeit-Gegenständen…), könnte man dies mit Umschmieden wenigstens etwas gerade biegen.

Stattdessen kann man sich über Berufe “Würfel” herstellen und die Werte zumindest auf den Berufsgegenständen neu ausrollen. Dabei kann man aber eben auch wieder enormes Pech haben und bis man die gewünschten Kombinationen bekommt, kann man auf dem Weg dahin verzweifeln und völlig demotiviert werden. Eigentlich ist das “Ausrollen” nichts anderes als ein Umschmieden. Allerdings mit einem riesigen Zufallsfaktor.

Wenn man mit dem heutigen System mit den Werten ein wenig variieren möchte, dann braucht es fast schon zwingend mehrere Sets. Ein Krit-Set, Tempo-Set, Meisterschaft-Set, Hybrid-Set etc. Nur so kann man heute experimentieren und schauen was am besten passt oder funktioniert.

Hier wurden für mich schlussendlich zu viele Schritte auf einmal gemacht und man hat sich am Ende doch einer guten Option beraubt.

Gegenstands-Quetsche

Mit WoD wurden auch die Werte aller Gegenstände zurückgedreht. Hierbei liegt man im DPS und HPS deutlich unter dem von früher und im Lebenspool-Bereich ist es auch ungefähr ein Drittel. An die Werte habe ich mich komplett gewöhnt.

Allerdings scheinen sie das Rad nicht langsamer als früher zu drehen, so dass eine Quetsche nun vielleicht zu jeder Erweiterung dazu gehört? Mit dem aktuellen Tempo wird man auf jeden Fall sehr schnell wieder an den Punkt kommen, an dem man alles zurückdrehen muss. Ob dieser Weg so klug ist? Das kann ich noch nicht richtig beurteilen. Aber an diesem Punkt bin ich doch eher skeptisch.

Spezialisierung wechsel dich!

Eine der besten Neuerungen ist aber ganz eindeutig der automatische Primärwertewechsel, wenn man die Spezialisierung ändert. Dadurch braucht man nicht mehr zwei vollständige Sets, falls man Heiler und DD spielen möchte, sondern wechselt nur die jeweils spezifischen Gegenstände aus (Hals, Ringe, Trinkets, Waffe, Umhang). Das ist auf jeden Fall eine sehr gute Idee und bewährt sich für mich auch klar in der Praxis.

Fazit

Die Itemization hat sich mit Warlords of Draenor sowohl verbessert, als auch verschlechtert und ist nicht so gut, wie sie aus meiner Sicht hätte werden können. Die Entfernung der Caps (allen voran Trefferwertung) war absolut der richtige Schritt. Das Herausnehmen von Umschmieden würde ich nun aus heutiger Sicht als Fehler bezeichnen. Ohne die Caps wäre die Freiheit und Vielfalt viel größer gewesen. Vor allem wäre es für Spieler, die darauf keinen Wert legen auch kein Zwang geworden und trotzdem hätte man im Raid die Gegenstände direkt nach dem Drop anlegen können (gerade letzteres war auch eines der Ziele von Blizzard).

Eventuell hätte man das Umschmieden noch weiter ausbauen können. Aus meiner Sicht wäre es eine tolle Option gewesen, wenn man sich hätte Umschmiede-Builds abspeichern können. So hätte ich für ein Set mehrere Umschmiede-Optionen speichern und diese dann sogar je nach Boss (oder Instanz) anpassen können.

Auch der Zufallsfaktor ist für mich in diesem neuen System zu hoch. Zu viel hängt von ihm ab: Tertiäre Werte und “Ausrollen” der Sekundären Werte (bei den Berufsgegenständen und einzelnen anderen Gegenständen) haben hier einen zu großen zufälligen Einfluss auf die Gegenstände.

Gegenstände aus dem Raid dagegen bleiben wie sie sind und haben teilweise aktuell eine fürchterliche Aufteilung der Sekundären Werte für die Klassen. Mögliche Anpassungen fallen dabei sehr schwer. Warum man nicht wenigstens alle Gegenstände ausrollen kann, verstehe ich nicht. Denn auf diese Weise muss ich mit schlechten Sekundärwerten leben, was für mich absolut ein Dorn im Auge ist. Hier fehlt mir durch den Wegfall von Umschmieden einfach die Möglichkeit das anzupassen.

Schlussendlich sind für mich die automatische Primärwerteanpassung der Spezialisierung und der Wegfall der Caps absolut Inn! Out sind dagegen für mich der Zufallsfaktor und die Abschaffung von Umschmieden. Irgendwo dazwischen pendeln sich aktuell noch Tertiäre Werte und die Gegenstands-Quetsche ein.

Wie fällt euer Fazit zur neuen Itemization von Warlords of Draenor aus? Geht ihr mit meiner Meinung mit oder seht ihr das ganz anders?