von Kevin Nielsen (Sankar)

In der Nacht vom 12. November 2014 auf den 13. November 2014 war es endlich soweit. Nach durchaus langer Wartezeit stand die Veröffentlichung der Erweiterung Warlords of Draenor an. Gespannt wie ein Flitzebogen und bis in die Haarspitzen motiviert, sowie aufgeregt, wie schon seit Jahren nicht mehr, war ich bereit für ein neues Abenteuer in World of Warcraft.

Ich hatte bereits in den Tagen zuvor alles gekauft, was man für solch einen Start einer Erweiterung alles braucht. Süßigkeiten, Getränke (die einen wach halten), einen Eimer (kleiner Scherz am Rande 😉 ) und habe Zeit geschaffen, um die Stunden zuvor noch ein paar Sachen im Spiel zu erledigen.

So saß ich dann im TS mit meiner Gilde und wir warteten auf 0 Uhr. Ab ca. 22 Uhr begannen dann die Disconnects, die sich bis 0 Uhr durchzogen. Gut alle 20 Minuten flogen wir aus dem Spiel. Es war eine wahre Freude 😉 . Ohne Probleme ist ein Release doch einfach nicht richtig. Darum hatten wir auch viel Spaß im TS.

An der Stelle sei zudem vermerkt, dass ich auf dem PvE Server Antonidas spiele. Um Punkt 0 Uhr flogen wir dann fast alle aus dem Spiel. Einige blieben drin und konnten die Quest für WoD annehmen und direkt problemlos loslegen.

Meiner einer dagegen saß, wie auch andere, im Ladebildschirm des Todes fest. Ungefähr 20 Minuten nach 0 Uhr habe ich mich dann entschlossen, dass dies nichts mehr wird und habe mich ins Bett begeben.

So sah dann schlussendlich mein Tag vor der Veröffentlichung aus. Am 13. November selbst habe ich es dann auch nicht geschafft zu spielen, da ich über die Warteschlange des Todes (> 4000) nicht heraus kam. Aber augenscheinlich gab es im Spiel auch genügend Probleme, so dass dies nicht weiter tragisch war.

Warum ich euch das nun erzählt habe? Weil ich euch zeigen möchte mit welcher Freude und welcher großen Motivation ich an die Erweiterung heranging, damit ihr die nächsten Zeilen richtig einordnen könnt.

Der Sturm beginnt…

Natürlich gingen diese Einloggprobleme, gefolgt von einer Server-Instabilität, Lags und vor allem sehr starken Problemen mit der Garnison nicht spur- oder gar wortlos an den Spielern vorbei. Innerhalb kürzerster Zeit öffneten sich im offiziellen Forum entsprechende Beschwerde-Threads. Der Shitstorm baute sich auf.

Die Probleme hielten auch über den eigentlichen Releasetag am Donnerstag an und selbst Fixes, sowie Wartungsarbeiten am Freitag konnten leider nicht helfen. Blizzard ging sogar soweit, dass sie die Spielerkapazität pro Server künstlich herabsetzten, um ein besseres Spielerlebnis zu bieten. Dennoch hielten vor allem die Probleme mit der Garnison bisher weiter an.

Damit kamen im Laufe des Donnerstags und vor allem am Freitag die wirklichen Hasstiraden auf. Ein Flame jagte den nächsten. Beleidigungen, Drohungen gegen Blizzard und absurde Unterstellungen waren die Folge.

Was tat ich in der Zeit?

Ich beobachtete das alles mit aller Ruhe und Gelassenheit. Ich war mir von Anfang an im Klaren darüber, dass es zu Problemen kommen wird. Die ersten ein, zwei, vielleicht sogar drei Tage eines solchen Releases kann man meist abschreiben. Das sagt mir meine MMO-Erfahrung aus den letzten 10 Jahren.

Natürlich war ich nicht begeistert, dass ich nicht spielen konnte. Aber ich musste auf der einen Seite eh arbeiten und auf der anderen freute ich mich für meine Gildies, bei denen viele schon etliche Stunden Spaß hatten und auf Level 100 ihren Tätigkeiten nachgehen.

Man hat ja auch noch andere Spiele, andere Hobbys und Aktivitäten. Ich war mir auch immer im Klaren, dass ich am Wochenende die Zeit finden werde, um mich frühzeitig einzuloggen und somit die Warteschlangen abwarten zu können (oder spät in der Nacht spielen kann, wenn weniger los ist). Zudem habe ich einfach ein großes Vertrauen in Blizzard, da ich weiß, dass sie mit Hochdruck, etlichen Überstunden und maximaler Kapazität an den Problemen arbeiten. Also warum sollte ich mich künstlich aufregen oder gar in irgendeinen gearteten Flame verfallen?

Der allwissende Spieler

Zum üblichen Flame, Hass und den Drohungen gesellen sich in solchen Zeiten auch die IT-Fachleute unter den Spielern, die gerne der Gemeinschaft ihr Wissen mitteilen und erklären wie einfach doch die Lösung ist. Das fängt an mit “Einfach mehr Geld investieren, um weitere Server hinzu zuschalten”, geht weiter über “Das hätten die in der Beta schon feststellen müssen!” bis hin zu “10 Jahre Erfahrung und noch immer nichts gelernt, einfach nur arm! Das muss man mit der Erfahrung besser machen!”.

Zwischendurch gibt es dann noch ein paar Stimmen, die das detaillierter aufschlüsseln und zum Beispiel zum allseits beliebten Vergleich mit Autos greifen (der natürlich immer! zutrifft [Achtung Sarkasmus]), aber die sind ja immer da.

Daraus resultierend…

Doch was machen wir nun mit dem allwissenden Spieler? Stellen wir diesen Blizzard zur Verfügung, damit diese ihre Probleme sofort lösen können? Oder stellen wir besser die völlig falschen Vorstellungen richtig? Ich würde zu letzterem tendieren.

Es ist einfach eine falsche Vorstellung, dass man bei Blizzard im Hauptquartier sitzt, auf die Bildschirme blickt, dabei sich mit 13 Euro Scheinen ([Achtung Sarkasmus]) eine Zigarre anzündet und sich darüber freut, wie sehr sich die Spieler aufregen und darunter leiden. Wer das glaubt, dem ist kaum zu helfen.

Bei Blizzard gehen in solchen Momenten, wie in den aktuellen (wie auch bei jedem anderen Entwickler) die Alarmglocken an und alles wird mobilisiert und jeder arbeitet an der Lösung. Um die passende Lösung zu finden, wird einiges versucht und getestet, aber vor allem braucht der Prozess Zeit.

Nun kommen wir zu dem Beispiel, dass man dies hätte ja bereits im Vorfeld erahnen können oder gar müssen. Blizzard wurde sicher nicht von den Spielerzahlen überrascht, aber bisher habe ich es noch nie erlebt, dass irgendjemand es geschafft hat große Spielermassen, die alle gleichzeitig das gleiche tun wollen, so abzufertigen, dass es einigermaßen läuft. Das halte ich auch schlichtweg aktuell für technisch unmöglich.

Das Wort “muss” im Zusammenhang mit Technik halte ich eh grundsätzlich für völlig unangebracht, dafür ist die Technik einfach nicht vorhersehbar genug. Man kann nicht jedes Szenario oder jedes Problem im Voraus erahnen oder kalkulieren. Die Technik überrascht einen auch manchmal schlichtweg, weil sie nicht das tut, was man erwartet.

Ruhe und Gelassenheit im Schattenmondtal!

In der Beta gab es auch diese Probleme mit der Garnison nicht, selbst dann nicht, als wirklich viele Spieler die Startquests gemacht haben und man ewig auf Questmobs warten musste. Klar an der Stelle könnte man sicher ansetzen und diese doch starke Beschneidung als einen der Gründe ausmachen, dass zu viele Spieler das gleiche tun wollen. Aber die Probleme scheinen ja wesentlich vielschichtiger als nur das.

Natürlich ist Blizzard in der Verantwortung und natürlich darf sich jeder Spieler ärgern, aber das kann man immer auf zwei Arten machen. Kleiner Tipp: Der Berserkermodus ist die falsche Art.

Jeder kann von mir aus sein Abo kündigen, wenn er meint, dass dies Blizzard mehr Nachdruck bei der Arbeit verleiht, aber all das was ich weiter oben aufgezählt habe, ist doch völlig am Ziel vorbei geschossen. Dieser elendige Hass und sofortige Flame in der Spielebranche ist heutzutage wirklich nur noch schwer zu ertragen. Das ist einfach zu viel.

Bringt euren Ärger zum Ausdruck, meldet die Probleme, aber bleibt doch dabei wesentlich entspannter. Die Welt geht nicht unter, nur weil man zwei bis drei oder sogar vier Tage wenig bis gar nicht spielen kann.

Und nein, nur weil man sich dafür Urlaub genommen hat oder sich hat krank schreiben lassen (auch das machen einige), ist dies noch immer keine Rechtfertigung für haltlose und absurde Unterstellungen, sowie all den Flame und Hass. Wenn man sich für sowas Urlaub nimmt, dann sollte man mit all der Erfahrung als Spieler wissen, dass es anders kommen kann und man vielleicht nicht wirklich zum Spielen kommt.

Am wenigsten kann der Support-Mitarbeiter am Telefon etwas dafür, weshalb es sehr logisch ist, dass Blizzard diesen Dienst eine Zeit lang abgeschaltet hat. Ansonsten hat Blizzard aus meiner Sicht wieder sehr gut informiert. Was sollen sie denn auch sagen, außer “wir arbeiten noch immer an einer Lösung” oder ähnliches. Alle paar Stunden werden wir über den Stand der Dinge informiert und ich denk das ist mehr als genug.

Bin ich ein Fan von World of Warcraft und Blizzard? Absolut! Ansonsten hätte ich hier gar nichts verloren. Ist dies der Grund warum ich so ruhig bleibe? Nein, denn ich hab es mir seit einer Weile abgewöhnt diesen ständigen Hass und all das Negative in mein liebstes Hobby zu bringen. Ich bin genau so auch ein großer Fan von Ubisoft, Electronic Arts und all den anderen.

Entscheidend ist auch, dass in einer Woche es niemand mehr interessieren wird. Dann läuft alles wieder und keiner beschwert sich mehr. Der ganze Trubel wird vergessen sein und bei der nächsten Erweiterung heißt es dann “wisst ihr noch schon bei WoD konnten wir über eine Woche nicht eine einzige Sekunde spielen (Übertreibung ist immer das stärkste Argument des Flamers)”.

Schlussendlich mag man Blizzard aber wieder. Genau dieses hin und her schadet der Spielebranche enorm. Kommentare und Foren braucht man nicht zu lesen, denn außer viel Flame und Ärger, sowie Probleme steht dort nichts. Wenn etwas gut gemacht ist oder gut läuft, dann wird dies als gegeben hingenommen. Gibt es aber ein Problem (egal wie groß oder klein), dann ist sofort ein riesiger Aufschrei im Forum. Entwickler ist heutzutage ein verdammt undankbarer Job.

Wir von WorldofWar.de werden weiterhin kritisch und ausführlich über alles rund um WoW und Blizzard berichten, dennoch sind wir auch Fans und schon gar nicht bereit uns in den Flame zu stürzen.

Zum Schluss empfehle ich euch ein Motto, das einfach alles auf den Punkt bringt. Einfach mal entspannt zurücklehnen und die Situation abwarten, denn bessern wird sie sich auf jeden Fall.
In diesem Sinne: Make Love not Warcraft!