Blickpunkt World of Warcraft :Macht kommerzielles Farmen unser WoW kaputt?
Teil 1 vom 27.04.2006

In unserer heutigen Diskussionsrunde Blickpunkt WoW wollen wir uns dem ewig heiß diskutierten Thema der sogenannten kommerziellen “Farmer” annehmen. Seit einiger Zeit bereits kursieren Geschichten über Jäger, die alleine im Düsterbruch farmen und mit den erhaltenen Gegenständen die Auktionshäuser mehr oder minder überschwemmen. Dies würde keinerlei Bedenken verursachen, würden nicht gleichzeitig die Wörter Exploits, Hacks und Cheats mit diesem Thema in Verbindung gebracht.

Wir wollen uns einmal beide Seiten der Medaille ansehen und versuchen zu klären, ob die Anschuldigungen gerechtfertigt sind und was gegen kommerzielle Farmer unternommen werden kann bzw. sollte.

Vor allem ein Video über die Vorgehensweise der DB-Farmer ist einer der Gründe für die Diskussion in der Community. In diesem Video wird gezeigt wie ein Jäger alleine gegen den König in Düsterbruch kämpft und jedesmal auf unnatürliche Weise seine Position wechselt. Diese Fortbewegung wird mitlerweile von vielen als Teleporthack bezeichnet.
Der Kampf sollte normalerweise zu fünft (Level 55-60) angegangen werden und eine Herausforderung sein, da es sich um einen Endgegner der Instanz handelt. Von dieser Schwierigkeit ist letztlich durch die Art der Fortbewegung im Video nichts mehr zu spüren.

Die Folgen dieses kommerziellen Farmens werden von den Spielern bisher nur im Auktionshaus wahrgenommen. Demnach ist in letzter Zeit die Anzahl an Splittern für Verzauberungen, diverser Klassenbücher und des Quel”Serrar Buches (erforderlich für das epische Krieger und Paladin Einhandschwert-Quest) stark gestiegen.

Blizzard selbst hat sich auf die Fahne geschrieben, dass man Exploit-Nutzer und kommerzielle Farmer vom Spiel ausschließen will (kommerzielles Farmen bedeutet, dass die erstandenen Gegenstände oder das Gold an Dritte für richtiges Geld verkauft werden). Diese Politik wird im Grunde von allen WoW Spielern begrüßt, doch sind sehr viele Leute mittlerweile von der tatsächlichen Ausführung dieses Vorhabens nicht mehr überzeugt. Die Begründung für den Unmut wird wiederum mit dem benannten Video, den Informationen im Spiel über aktive Jäger (Level 40-50) in Düsterbruch, den Auktionen im Auktionshaus und angegebenen Erfahrungen zu Gesprächen mit den Farmern begründet.

Stellen sich doch an diesem Punkt einige Fragen, die eventuell zu klären sind:

  • Welche Beweise benötigt man um einen kommerziellen Farmer zu identifizieren?
  • Inwiefern sind die Spieler durch die Farmer beeinträchtigt?
  • Was sollte/kann Blizzard unternehmen, um das Vertrauen in die Durchsetzung der Blizzard-Politik zu stärken?

Wie in jedem demokratischem Land muss zuerst einmal die Devise: in dubio pro reo (Im Zweifel für den Angeklagten) gelten. Da fragt man sich bei der aktuellen Diskussion aber schon, wo hier die Grenzen gezogen werden. Die Tatsache, dass Spieler um Level 50 im Düsterbruch sind, bedeutet weder, dass sie solo unterwegs sind, noch das es automatisch Cheater sein müssen.

Eine Antwort in einer anderen Sprache als Deutsch auf einem deutschen Realm ist kein Beweis sondern höchstens ein Indiz und sollte schon gar nicht als Grund für eine Verleumdung herhalten. Es gibt keine Bestimmung, dass ein Spieler dafür bestraft wird, wenn er nicht die “Sprache des Servers” spricht.

Ein merkwürdig anmutender Name kann der einzige Grund zu einem Ticket wegen Nicht-Einhaltung der Namensregeln und Namenkonvention dienen. Als Anklagepunkt ist das allerdings wieder nur ein Indiz (siehe auch Namensbestimmungen).

Die erhöhte Anzahl von Gegenständen aus Düsterbruch von einem Spieler im Auktionshaus ist ebenfalls nur ein Indiz.

Die Verwendung einen Cheats/Hacks durch den Spieler – sollte er alleine in DB unterwegs sein – bricht jedoch sehr wohl die Bestimmungen Blizzards (siehe Exploit-Bestimmungen ). Allerdings kann das für Außenstehende ebenfalls nur eine Vermutung sein, da der Spieler nicht bei der Ausführung des Cheaten/Hackens beobachtet wird. Hier muss ein GM (GameMaster) den Sachverhalt prüfen.
Letztlich scheint die gesamte Beweislage auf Indizien zu beruhen und Indizien sind keine Grundlage für eine Verurteilung (aus Sicht eines Spielers).

Die Auswirkungen wiederum sind wie angesprochen nur im Auktionshaus zu spüren. Die Preise der Gegenstände aus Düsterbruch werden geringer mit der Erhöhung ihrer Anzahl. Ist das schlecht für die Spieler?
Jein! Die Käufer freut es, sparen sie doch bares Gold und können dadurch noch etwas anderes kaufen. Die Verkäufer ärgert es, werden ihre Waren doch unter Wert verkauft. Nichtsdestotrotz ist eine, durch professionelle Farmer, zerstörte Wirtschaft ein sehr negativer Aspekt eines Spiels. Baut ein Teil von WoW genau darauf auf, dass es ein ausgewogenes Wirtschaftssystem beinhaltet. Hier kann die Wirkungen von kommerziellen Farmern noch nicht wirklich abgeschätzt werden, doch positiv wird sie auf keinen Fall sein.

Was die meisten Spieler, die sich mit der Problematik beschäftigen, stört ist vor allem die Haltung der offiziellen Seite zu dem Thema. Eine Stellungnahme seitens Blizzard sucht man vergeblich, in den meisten Fällen werden Threads im offiziellen Forum schlicht gelöscht. Hier kommt man unweigerlich zu dem Schluß, dass die Offiziellen das Thema lieber ausschweigen wollen, anstatt es zu bekämpfen. Dies wird einer der Hauptgründe sein, wieso dieses Thema die aktuellen Ausmaße angenommen hat. Spieler fühlen sich im Stich gelassen.
Hier muss Blizzard deutlich an ihrer so oder so umstrittenen Informationspolitik arbeiten. Verstecken und Schweigen wird nicht helfen. Wenn es die Offiziellen anders sehen, dann muss dazu die Meinung auch öffentlich gemacht werden, denn mit der aktuellen Kommunikation zwischen Spielern und Blizzard, kann nur mit einer Seite diskutiert werden während die Andere durch Abwesenheit zum Schuldigen abgestempelt wird.

Was ist letztlich das Ergebnis der Sachlage? Nichts genaues weiss man nicht. Habt ihr mehr als ein Indiz dafür, das es sich bei jemanden um einen kommerziellen Farmer handelt, dann habt ihr sicherlich auch das Recht ihn einem GM zu melden. Doch sollte man nicht enttäuscht oder sogar verärgert sein, wenn ein von euch gemeldete Spieler nicht verbannt wird. Denn Indizien sind nur Hinweise die eine Möglichkeit aufzeigen. Sie sind halt keine klaren Beweise!

Auf der anderen Seite hat auch Blizzard einiges nachzuholen. Fehlende Informationen zum Thema und bloße Regeln nützen in den meisten Fällen selten. Die Regeln müssen auch durchgesetzt werden und dies scheint aktuell nicht umgesetzt zu werden. Eine Ankündigung alle 2-3 Monate über das Sperren und Einfrieren von Accounts bringt nur dann etwas, wenn die Spieler sehen und merken, das es passiert. Eine solche Meldung kann genausogut eine trickreiche PR Maßnahme sein.

Sicherlich ist das Vorgehen gegen kommerzielle “Farmer” eine schwierige Aufgabe, vor allem, wenn man die ungeheure Spieleranzahl betrachtet. Aber unlösbar? Das sicher nicht. Es kommt darauf an, wieviel Geld und Ressourcen der Hersteller bereit ist in den Kampf gegen kommerzielles Farmen zu investieren.

Noch ein Wort zu den Spielern: Ihr seid diejenigen die den meisten Einfluss auf die kommerziellen Farmer haben. Wenn keiner das virtuelle Gold für richtige Währung kauft, gibts es auch keine kommerziellen Farmer. Es wird womöglich immer eine Käuferschicht geben, doch kann man immer nur an diese kleine Gruppe appelieren: Kauft nichts!

Wir von worldofwar.de werden kommerzielle Itemverkäufe gegen echtes Geld weiterhin aktiv bekämpfen und mit Sicherheit nicht schweigen. Mehr als an eure Vernunft appellieren können auch wir leider nicht, jedoch werdet ihr auf unserere Webseite niemals Werbung für diese Praktiken finden. Versprochen. World of Warcraft ist ein tolles Computerspiel und das soll es auch bleiben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Download: DB Solo Gold Farming Video
Link zu einem Thread im US-Forum
Artikel zum Thema Gold Farmer