von DrJones

Es gibt aktuell nur ein Thema, dass die Blizzard-Freunde, Fans und Jünger dieser Erde hinter dem Ofen hervorholt. Ist es WoW Patch 5.4? Ist es Reaper of Souls, das angekündigte Addon zu Diablo 3? Ist es etwa The Dark Below, das vermeintliche und mysteriöse Addon zu WoW? Nein, ist es nicht! Was? Gibt es etwa Infos zu Warcraft 4? Nein, das auch nicht. Es geht um ein Online-Strategiekartenspiel – Hearthstone: Heroes of Warcraft.

Tja, Blizzard, damit habt ihr vermutlich selber nicht gerechnet. Hearthstone geht gerade durch den Hypehimmel, wie es zuletzt… tja, da wird es ehrlich schwer, Vergleiche zu finden. Vielleicht liegt es auch an mir, an meinem Umfeld, welches durch die Bank weg Hearthstone-süchtig ist, aber ich kenne kein Spiel, dessen Beta so wahnsinnig erwartet wurde. Das einzige, was in etwa in der gleichen Liga spielt war damals die Beta von SWTOR.

Und genau um dieses Thema soll es nun im Folgenden gehen. Hearthstone ist wahnsinnig beliebt – aber warum eigentlich?

Es ist nur ein f**king Kartenspiel!

Wenn man mit jemandem, der komplett außerhalb des Gamingbereichs steht über Hearthstone redet, bekommt man oft zu hören, ob es sich dabei um sowas wie Solitär handelt. Einige weitere Erklärungen später kommt man dann beim Online-Poker-Vergleich an, womit man ehrlich gesagt nicht mal so weit von der Realität entfernt liegt. Denn wir haben es hier nicht mit dem nächsten WoW zu tun. Es ist kein neues RTS in geistiger Nachfolge von Warcraft 3 oder Starcraft 2. Es ist auch kein Titan, nein: Es ist ein einfaches, nicht mal sonderlich kompliziertes Kartenspiel.

Magic the Gathering ist wohl das bisher bekannteste virtuelle Kartenspiel, das wir haben. Es ist groß, es hat eine reale Vorlage und es gibt Turniere, viele Spieler etc. pp. Doch warum gibt es um ein solches Spiel dann nicht einen ähnlichen Hype? Hearthstone muss doch schon sehr besonders sein bzw. einige Dinge total richtig und toll machen, damit es eine solche Sonderbehandlung erfährt, oder?

Der Warcraft-Faktor

Ok, auch zu Hearthstone gibt es eine reale Vorlage, das WoW TCG. Und noch dazu gibt es eine sehr, sehr mächtige virtuelle Grundlage, nämlich Warcraft. Blizzard hat schon einmal ein neues Genre ins Portfolio genommen und dies durch die Verknüpfung mit ihrem wohl mächtigsten Franchise zum absoluten Durchbruch gebracht. Wir reden hier von den MMORPGs und im besonderen von World of Warcraft.

Denn MMORPGs gab es natürlich auch schon vorher und eigentlich hat Blizzard mit Vanilla WoW kein besonderes MMO auf den Markt gebracht. Es hatte viele Ideen anderer Spiele implementiert, hat sich hier und da bedient und oben drauf etwas gestreut, was schon damals absolut einmalig war: Warcraft. Und auch bei Hearthstone hat man das Gefühl, dass schon allein die Namen, Figuren und Boards dazu beitragen, dass die Leute drauf fliegen. Denn wer hat nicht schon mal WoW gespielt oder zumindest eines der Spiele aus dem Warcraft-Universum.

Der Blizzard-Faktor

Was in meinen Augen aber noch mehr wiegt, als das reine Warcraft-Franchise, ist Blizzard an sich. Die Art, wie Blizzard Spiele macht, sucht ihresgleichen. Mit viel Liebe zum Detail, mit einem perfekten Händchen für den Look und vor allem den “Feel” der Spiele und mit einer wirklich unverwechselbaren Art an Darstellungen, Zeichnungen, Figuren und Sounddesign. Dazu noch diese Prise Humor, bei der sich Blizzard selbst immer nicht so ganz ernst nimmt, das macht einfach ein Blizzard-Spiel aus.

Mit Kreativköpfen wie Chris Metzen, Samwise Didier und so vielen Anderen haben sie ein Imperium geschaffen, das eigentlich kaum noch fehlbar ist. Selbst die härtesten Diablo 3-Kritiker geben nach längeren Gesprächen zu, dass das Spiel trotz seiner bisherigen Macken im Vergleich zur Konkurrenz um Längen vorne liegt. Genauso geht es Hearthstone: In Kombination mit dem Warcraft-Thema ist das Spiel vermutlich eine der großen Chancen, ein ganzes Genre mit einem bestimmenden Spiel zu überflügeln. Eben so, wie es WoW mit dem MMORPG-Genre getan hat.

Es ist die Beta zu einem Free2Play-Spiel

Doch das, was im Moment mit Hearthstone abgeht ist nicht normal. Ich habe es noch nie erlebt, dass mir dreistellige Summen geboten wurden, wenn ich abseits der Gewinnspiele einen Key rausrücke. Auch der Neid und die Missgunst, die man hier bei den Gewinnspielen unter den Usern mitbekommt und der Fakt, dass wir die Gewinner nicht mehr benennen können, ohne das diese zugeflamed, mit unmoralischen Angeboten überhäuft oder beschimpft werden. Aber wir wissen ja alle: das Internet ist böse und gemein.

Man fragt sich aber schon, was mit Leuten los ist, die 250€ für einen Betakey zu einem Spiel bezahlen, zu dem es a) eine Open Beta geben wird und b) das Free2Play sein wird. Und das vermutlich sogar in wenigen Monaten erscheinen wird. In meinen Augen ist ein solches Verhalten – mag Hearthstone so gut sein, wie es nur kann – nicht zu verstehen und in einigen Fällen auch einfach absolut daneben.

Persönlich: Hearthstone ist toll, mehr aber nicht

Ich mache keinen wirklichen Hehl daraus. Ich mag Hearthstone, ich finde, dass Blizzard einen richtig guten Job gemacht hat und denke, dass Hearthstone eines der Spiele wird, die ich zwischendurch immer mal wieder spielen werde. Aber: Es gibt auch einige Punkte, die mir daran nicht gefallen bzw. aufgrund derer ich den wirklich überbordenden Hype nicht verstehen kann.

Zum einen bin ich kein Kartenspieler am Rechner. Ich mag kein Solitär, ich mag kein Mahjong und Hearthstone ist für meinen Geschmack irgendwie zu statisch. Das ist eine ganz private Sache, hat nichts mit der Qualität des Spiels zu tun, aber ich empfinde es halt so. Wenn ich ein Computerspiel spiele, will ich Abwechslung, Action, Aninmation, Aufregung, sowas in der Art. Das biete mir Hearthstone (abgesehen von der Aufregung) nicht wirklich. Aber vielleicht wird ja die Tablet-Version dann etwas für mich, denn da würde ich das Ganze vermutlich schon ganz nett finden. So auf der Couch und nicht mit Maus und Tastatur vor dem Bildschirm.

Zum anderen fehlt mir für ein Kartenspiel eine große Sache: die soziale Interaktion. Ich kann Blizzard sehr gut verstehen, dass sie keinen Chat in Spielen haben wollen, die zwischen Unbekannten ausgetragen werden. Vermutlich würde ich auch mit LoL auf einem besseren Fuß stehen, wenn es da nicht so wäre und hätte in WoW nicht so eine Abneigung gegen Random-Gruppen. Aber für mich ist ein Kartenspiel (und sei es z.B. eine Runde WoW TCG, Magic, Munchkin oder ähnliches) immer damit verbunden, dass ich mit Freunden am Tisch sitze.

Ich will dabei reden, will die Reaktionen in den Augen meiner Gegenspieler sehen, will mich freuen können und leiden, wenn es nicht läuft. Das alles bietet mir Hearthstone leider nicht. Aber wie gesagt: vermutlich würde es mit auch nicht richtig funktionieren.

Natürlich sind das, und ich wiederhole mich hier bewusst, rein subjektive Punkte und wenn ich sage ich mag Hearthstone, dann meine ich das auch so. Ich kann nur, in Teilen, diesen Hype nicht nachvollziehen. Aber nun kommt ihr ins Spiel: vielleicht könnt ihr mir den Hype ja erklären? Was ist es, was euch so besonders an Hearthstone reizt? Warum geht das Spiel euch direkt in euer Herz?

Diskutiert das Ganze hier mit uns im Forum »