Blickpunkt World of Warcraft: Berufe
Teil 6 vom 22.09.2006

In der heutigen Folge wollen wir uns einmal dem Thema Berufe widmen.
World of Warcraft bietet, wie die meisten anderen MMORPGs ebenfalls, die Möglichkeit an, seinem Charakter einen Beruf erlernen zu lassen. In diesem Fall sogar zwei Hauptberufe, welche durch den Spieler frei gewählt werden können. Es ist keine direkte Bindung von Berufen zueinander und vor allem nicht zu den Klassen oder Rassen vorhanden. Der Spieler hat die freie Wahl. Neben den Hauptberufen gibt es noch drei Nebenberufe, welche der Charakter ohne Einschränkungen zusätzlich erlernen kann.

Doch was nützt die schönste Vielfalt, wenn die Berufe selbst nicht den Erwartungen entsprechen. Aber halt, nicht so voreilig. Die Berufe machen eigentlich das was sie Aussagen. Schmiede schmieden, Lederverarbeiter verarbeiten Leder, Alchimisten brauen Tränke, Verzauberer verzaubern Gegenstände und Schneider schneidern. Die anderen Berufe stehen dem Prinzip in nichts nach. Alle machen im Grunde genau das was sie auch tun sollen. Wo ist also das Problem?

Problem hört sich vielleicht etwas hart an. Vielmehr gibt es durchaus den ein oder anderen Spieler der bezüglich der Berufe im Spiel nur noch abschätzig die Nase rümpft. Die Berufe sind zwar dafür da, dass der Spieler neben dem normalen Spielverlauf auch eigene Produkte herstellt und verwendet, handelt oder tauscht, allerdings gibt es eine kleine aber feine Diskrepanz zwischen den Produkten die Herstellunsgberufe erzeugen und den Dingen die man im Spiel durch NPC-Gegner erhält.
So manch ein Handwerker hat bereits in sein Werkzeug gebissen, nachdem er lang und hart an seinem Produkt gearbeitet hat, nur um vom nächsten Mob einen deutlich besseren Gegenstand zu erhalten. All die investierte Zeit und Materialien verschwendet. Ein Aspekt der in einem MMORPG eigentlich normal sein sollte. Doch hier entsteht ein kleiner Unterschied im Aufwand und Nutzen. Während der eine Spieler in zwei Stunden durch umhauen von Mobs einen Gegenstand erhält, sammelt sich der andere die Materialien über zwei oder sogar mehr Stunden zusammen oder muss Gold dafür ausgeben und baut einen Gegenstand, der schlechter ist als der des Massenschlächters. Wer wird das Produkt dann schon haben wollen? Der Hersteller selbst ist im Verwenden von Gegenstständen auf seine eigenen Möglichkeiten beschränkt. Und der Markt wird eher mit besseren Gegenständen von Mobs gefüllt, als von Produkten.

Besonders im Endspiel wird deutlich, dass gewisse Berufe eher als kleine Spielerei nebenbei gelten. Welcher Hersteller von Rüstungen hat nicht schon seine Wahl des Berufes verflucht, weil seine Produkte keinen Absatz finden und die einzigen konkurrenzfähigen Produkte in ihren benötigten Materialien epische Ausmaße annehmen. Das Verhältnis zwischen erfarmbaren Gegenständen und herstellbaren Gegenständen steht in diesen Fällen in keinem guten Licht. Ausnahmen bilden die Berufe Alchemie und Verzauberung, welche im späten Spiel immer wieder Rezepte erhalten, die notwendig oder für ihre Aufgaben einzigartig sind und deren Produkte einen deutlichen Nutzen besitzen.

Doch was ist die Lösung?
Sollte man bessere Rezepte einführen, die andere Gegenstände des gleichen Levels deutlich übertrumpfen?
Sollte man die Materialien für die Rezepte stärker an den Nutzen des Produktes orientieren?
Oder sollte man einfach das System so ändern, dass die Berufe anstatt Produkte direkt herzustellen, bereits vorhandene Gegenstände verbessert?

Alle Vorschläge die man machen kann haben Vor- und Nachteile. Doch eines muss einmal geklärt werden: Sind Änderungen an den Berufen wirklich nötig?

Die Frage hört sich zuerst etwas komisch an aber hat einen tieferen Hintergrund. Das Spiel selbst ist Einsteigerfreundlich. Es soll im Grunde allen Spielern die Möglichkeit gegeben werdem ohne große Umwege an die gleichen Items zu gelangen. Hierbei hat sich das beliebte Sammelns von Gegenständen aus Diablo bewährt. Der Spieler erledigt einen Bösewicht und wird direkt belohnt. Kein umständliches sammeln von Dingen die man dann zusammensetzt, um sich einen Gegenstand zu basteln. Das wäre viel zu viel Aufwand für einen Einsteiger. Das Spiel ist darauf ausgerichtet auch bei kurzer Spielzeit Erfolge zu haben. Daher ist die Haupteinnahmequelle von Gegenständen durch das Loot- und Questbelohungssystem geregelt.

Es werden sicher einige Einwerfen wollen, dass die Gegenstände aber auch von den Spielern gekauft werden könnten, wenn sie keine Zeit und Lust dazu haben sie selbst zu erstellen. Aber sind wir mal ehrlich, man freut sich definitiv mehr über ein Item das zufällig in der Welt fällt, als über ein Item das wie viele andere im Auktionshaus zu erhalten ist. Wer will schon stundenlang Mobs umhauen nur um Gold oder vielleicht gar nichts zu bekommen? Einfach nur des Spasses wegen? Nein, hier ist das Unbekannte die Motivation, die Hoffnung auf etwas Neues, die Gier auf den Gegenstand den noch keiner hat. Würden die Berufe bessere Dinge herstellen als durch Loot zu finden wäre, würden bald die meisten in den hergestellten Sachen rumlaufen. Der Loot wäre mehr oder minder uninteressant. Ein wichtiger Faktor des Spiels würde wegfallen,für den Wunsch einer Minderheit(reine Vermutung *g*) von Spielern, welche die Berufe lieber einem höheren Spielwert beimessen wollen.

In diesem Sinne ist das Konzept der Berufe in World of Warcraft genau das was es zu sein scheint. Eine kleine Nebenbeschäftigung die völlig ausreichend für die meisten Spieler eingebaut wurde.

Was derzeit allerdings geändert werden sollte, ist das Verhältnis von Produkt zu seinen benötigten Materialien. Nicht selten sind gute Rezepte mit Materialien gefüllt, die das Ergebnis in keinster Weise rechtfertigen. So werden für manche Produkte Materialien verlangt, die das Produkt im Preis in epische Regionen bringen, obwohl das Produkt nur als rar gilt. Hier sollte der Aufwand dem Ergebnis entsprechen. In den meisten Fällen bedeutet dies, die benötigten Material zu verringern. Trotzdem sollten sie nicht zu einfach werden, schliesslich soll der Beruf noch etwas Reiz besitzen.

Was kann nun abschliessend gesagt werden?

Alles bleibt anders. Man kann die Spieler verstehen, die mehr von den Berufen verlangen. Mehr Individualität, bessere Rezepte um mit den Gegenständen von Drops mithalten zu können und Alternativen zu geben. Aber einen Umsturz des Systems zu einem höheren Stellenwert der Berufe im Spiel, wird es wohl nicht geben. Dazu ist zu viel Diablo in dem Spiel. Zu viel Bindung durch Sammelsucht. World of Warcraft ist einfach zu wenig RPG, um wirklich die Erwartungen bezüglich der Berufe einiger Spieler erfüllen zu können oder wollen.

Letztlich ist die Mehrheit der Spieler mit dem System der Itembeschaffung glücklich und die Mehrheit entscheidet.