Am zweiten Tag ihres Besuchs bei Blizzard durften die Jungs von GameSpy selber spielen – und eines ist sicher: sie hatten viel Spass dabei!
Shyleena hat auch diesen zweiten Teil des Previews übersetzt, eine tolle Arbeit wie wir finden. Vielen Dank, Shyleena!

Während meiner einführenden Tour durch WoW hatte der Spiel-Associate-Entwickler Jeff Kaplan die Kontrolle über Maus und Tastatur. Er benutzte seine eigenen Charaktere, um mich in den verschiedenen Landschaften von Azeroth herumzuführen, während er mir die In”s und Out”s des Spielinhaltes, Gegenstände und Auftragssystem erklärte. Ich danke Gott dafür, dass ich meine digitales Aufnahmegerät dabei hatte, weil ich sonst niemals in der Lage gewesen wäre, mich an alles zu erinnern. Aber selbst als Kaplan mich mit den Wundern des Spiels erfreute, war doch alles was ich wollte, mir das Spiel zu schnappen und selber zu spielen .

Schließlich nach etwa einer Stunde Unterhaltung machte Kaplan Platz und sprach die magischen Worte, “Bist du bereit zu spielen?” Ich glaube ich habe einen neuen Geschwindigkeitsrekord zu Lande aufgestellt, als ich meinen Hintern in diesen Stuhl bewegte und genauso unser Managing Editor, John Keefer – besser bekannt als Warrior. Kaplan startete das Spiel mit einem frischen Account neu und leitete mich durch den Charaktererstellungprozeß. Während ich das hier schreibe macht das Team grade den Streßtest der Untoten, indem sie die Server mit 400 Leuten zupacken, die die Untoten zu gleichen Zeit benutzen. Bis jetzt, nach Kaplan, ging bei dem Test alles erstaunlich gut sowohl bezogen auf die Stabilität als auch den Spielablauf.

[Bild: Kein Wort darüber, ob das Spiel ein /carnival-Emote bekommt]

Dies bedeutete allerdings auch, dass ich nur in der Lage war, einen Untoten als Charakter zu erschaffen. Das war kein Problem für mich, da ich die Untoten sowieso ausgewählt hätte. Ich klickte meinen Weg durch den Charakterauswahlschirm und richtete einen Untotenmagier mit dem Namen (was sonst?) “Delsyn” ein. Der Auswahlschirm des Spiels erlaubt einige persönliche Anpassungen des Charakters. Spieler können Haar- und Hautfarbe auswählen, Haar- (oder Horn-)styles und sie können aus einer großen Anzahl verschiedener Gesichter auswählen. Das war allerdings ein wenig enttäuschend. Ich teilte Kaplan mit, das ich das Gefühl habe, es seien nicht genügend Optionen eingebaut, um den Charakter anzupassen; zumindest sollte ich doch wohl die Möglichkeit haben, das Design meines Gesichtes zu verändern. Kaplan sagte, dass dies eine der häufigsten Beschwerden über das Spiel sei und das Team grade überlegt, weitere Features einzubauen.

Nun, ich habe nicht weiter darauf beharrt. Nach Kaplan wird man im Verlauf des Spiels eine große Anzahl kosmetischer Gegenstände haben, damit sich der Spieler von anderen unterscheiden kann. Sie reichen von Gildenwappenüberwürfen zu Rüstungen, Waffen und Kleidung, die funktional identisch sind aber mit einem unterschiedlichen Aussehen. Schließlich suchte ich mir ein Erscheinungsbild aus, genau wie mein hochgeschätzter Kumpel Warrior, der eine weibliche untote Priesterin mit dem Namen … “Puspuss” (Arrrgh!) spielte. Ich entschuldigte mich bei Blizzard für meinen Kollegen und startete das Spiel.

Alle untoten Charaktere beginnen das Spiel in einem Grab in der kleinen Stadt Tirisfal Glades. Die Stadt ist wie die meisten der oberirdisch liegenden Untotenstäde eine Ruine, ein Überbleibsel des jetzt zerstörten Königreichs Lordaeron. Als mein Kumpel und ich aus dem Grab hinausliefen wurden wir von einem laufenden Leichnam namens Mordo angesprochen, der uns mitteilte, dass wir nun Mitglieder der Forsaken seien – Untote mit eigenem Willen, die für ihre Freiheit gegen den Lichkönig kämpfen. Es bot mir zudem den ersten Auftrag an: Erforsche die Stadt ein wenig und finde den Schattenpriester Sarvis, der mir dann erklären würde, was hier passiert.

Sarvis war nicht so schwierig zu finden – die Stadt ist nicht so groß. Mal davon abgesehen, wo würdet ihr einen Zombiepriester suchen, wenn nicht in den Ruinen eines Tempels? Als wir ihn erreichten, erklärte Sarvis uns, dass Tirisfal Glade sich in einem permanenten Belagerungszustand durch niedrigstufige Mindless Ones befände – einfach gesagt durch Kanonenfutter des Lichkönigs. Er bot mir eine neue Mission an: töte 10 der Mindless Ones für eine Belohnung von 10 Kupferstücken. Ich nahm an.

Bis jetzt hat noch niemand in Azeroth Atkins entdeckt (Anm.: Ein Oger)

Während wir zu den rudimentären Befestigungsanlagen gingen habe ich mit einigen anderen NPCs in der Stadt gesprochen. Es war nicht schwer herauszufinden, welcher von ihnen Aufträge hatte – es waren die mit dem goldenen Ausrufezeichen über ihren Köpfen. Charaktere mit einem goldenen Fragezeichen wollten irgend etwas von mir (für gewöhnlich der Abschluß eines Auftrages), ein silbernes Ausrufezeichen bedeutete, dass sie einen Auftrag für mich haben werden, wenn ich erst mehr Erfahrung gesammelt hatte. Auf meinem Weg nahm ich noch zwei weitere Aufträge an. Eine Magierin bat mich, ihr drei Fledermausflügel und vier Scavengerklauen für einen Zauber zu bringen, an dem sie grade arbeitet. Und der örtliche Garnisonskommandeur fragte mich, ob ich helfen wolle, die örtliche Goldmine von Nachtspinnen zu befreien, damit die Forsaken dort wieder arbeiten können.

Meine erste Mission war nicht schwer zu finden. Drei NPC-Wachen an den Toren der Stadt kämpften kontinuierlich gegen einen endlosen Strom von gelbäugigen Zombies. Kaplan nutze die Gelegenheit, um zu erklären, dass einer der Wege, um den Spieler in das Spiel einzubinden der sei, die Umgebung “ästhetisch echt” wirken zu lassen. Das bedeutet, dass es Gegenden gibt, in denen NPCs wie jene vor mir automatisch gegen Mitglieder der anderen Rassen kämpfen. Ihr werdet zum Beispiel keine Menschen in der Untotenhauptstadt Undercity sehen – sie werden von jedem NPC abgeschlachtet, der sie sieht. Andere Gegenden werden offener sein, wo jedes Mitglied der Seiten im Allianz/Horde-Krieg Zugang erlangen kann. Schließlich gibt es frei-für-alle-Zonen, wo sich jeder bewegen kann.

Ich fragte Kaplan, ob er realisiert hätte, dass Spieler in einem Spiel, wo man die totale Freiheit hat, es zu spielen wie man will, dies als Herausforderung ansehen werden. Kaplan grinste nur und sagte,”Wir zählen sogar darauf.” Es ist sogar leicht, sich “Gegenschlag”-Szenarien vorzustellen, wo Mitglieder der feindlichen Rassen herauszufinden versuchen, wie weit sie in das Allerheiligste des Feindes vordringen können, bevor sie sterben. Es wird auch Schleichoptionen geben, um in geschützte Bereiche einzudringen und es könnte sogar hochstufige Missionen geben, die einen tief in die Feindeslande schicken (Diplomatie, Spionage und soetwas).

[Bild: Die Taurenstädt haben ein eingeborenes amerikanisch/südwestliches Flair]

Wie ich bereits andeutete war die Mindless-One-Mission wirklich einfach. Mindless Ones sind keine aggressiven Kreaturen und so war es einfach für mich, Ziele auszusuchen und anzufangen, sie niederzunuken. Hier machte ich meine ersten Erfahrungen mit dem Interface. Ich war sofort beeindruckt. Das WoW-Interface war unglaublich kompakt und leicht in wenigen Minuten erlernt. Das komplette Interface besteht aus sieben Schaltern unten am Bildschirmrand, Schnellleiste und Inventarplätzen, einer Minikarte oben rechts sowie einer Gruppen- und Kreaturinformation oben links. Noch besser allerdings war, das ich nie mehr als zwei Klicks von jeder Information entfernt war, die ich benötigte. So ziemlich alles im Spiel kann in die Schnellleistenplätze gelegt werden und der Spieler bekommt 70 von ihnen. Was mir auffiel ist die Tatsache, dass das Interface nicht ansatzweise etwas Neues beinhaltet; es ist einfach nur unglaublich kompakt, effizient, gut designed und leicht zu nutzen.

Das Spiel gibt dir eine gute Rückmeldung über den Status deiner Aufträge. Immer wenn ich einen Auftrag angenommen hatte und eine der Anforderungen für diesen Auftrag erfüllte, teilte mir eine kleine gelbe Textnachricht auf dem Bildschirm mit, wie nah ich am Abschluß der Aufgabe war. (“Du hast 8/10 Mindless Ones getötet.” ) Als mein Kumpel und ich die ersten Aufträge abschlossen, hatte ich eine Andeutung, wie gut das Aufgaben- und Gegenstandssystem ist.

[Bild: Ein Instanztor in einer menschlichen Mine]

Nachdem ich die Nachtspinnen in der Goldmine beseitigt hatte und Stufe 4 erreichte fragte mich Puspuss, ob ich nicht zurück in die Stadt gehen wolle, während er noch etwas hier draußen in der Wildnis bleiben wolle, um zufällig Kreaturen zu töten und einfach ein wenig herumzuspielen. Ich sagte ihm, dass ich Armbänder der Scharlachroten Kreuzfahrer für den untoten General aufgesammelt habe. Er fragte mich, wo ich die gefunden habe, denn er hatte bisher noch nicht eines aufgesammelt. Da stellte ich fest, dass ich bereits Aufträge erledigt hatte, während er dies noch nicht getan hatte – er folgte mir nur und hatte ein wenig getötet und minimale Erfahrungspunkte bekommen und das Spiel wie jedes andere MMO behandelt. Als wir unser Vorankommen verglichen war ich etwa eineinhalb Stufen über ihm. Wir hatten unser Beutesystem auf Rund-Raub eingestellt, doch er hatte nicht eines der Auftragsobjekte gesehen, die ich aufgelesen hatte.

Wir einigten uns, uns für eine Weile zu trennen und uns wieder zusammenzuschließen, wenn beide Stufe 5 erreicht hätten. Ich nutzte die Zeit, um einige weitere zufällige Aufträge zu erledigen und das Tal von Tirisfal Glade zu erforschen. Hier sind mir zwei weitere Dinge aufgefallen. Zum einen habe ich schließlich verstanden, was einer unserer GameSpy Forenadministratoren meinte, als er sagte, “Ich würde Blizzards Grafikabteilung heiraten.” WoW sieht prächtig aus. Oh es ist nicht notwendigerweise die technisch fortgeschrittenste Grafikengine, die erscheint (auch wenn es ziemlich cool ausschaut), aber was ihr an technischen Spielereien fehlt macht sie mit mit ihrer puren Kunstfertigkeit wieder wett.

Die wahre Schönheit des Spiels dämmerte mir, als ich begann, rund um Tirisfal Glades herumzulaufen. Warum, wunderte ich mich, lassen sie untote Spieler in einem bewaldeten Tal starten anstatt in einem unterirdischen Abwasserkanal oder etwas ähnlich klischeehaften? Dann dachte ich an die Wälder, die ich während Kaplans Tour durch Azeroth gesehen hatte. Sie haben den Wald der Nachtelfen eingebaut, einen schneebedeckten Wald in den Zwergenlanden von Ironforge und, natürlich, im Land der Untoten. Nun, der Elfenwald ist voller ausladender Laubbäume, viele mit wunderschönen violetten und rosanen Blättern – es war nicht schwierig, den Unterschied zu bemerken. In den Ironforge- und Tirisfalwäldern herrschen bei beiden Nadelholzbäume vor, angefüllt mit Tannen und Fichten. Warum also wirkte die Atmosphäre hier so anders auf mich?

Dann traf es mich. Die Untoten leben nicht nur in zerstörten Gebäuden, sie leben in einem zerstörten Land . Die Bäume, zwischen denen ich umherwandelte, waren bereits alle tot oder grade am sterben. Viele von ihnen hatten kahle Äste und lange ungesunde weiße Streifen an ihren Stämmen, die auf Pilzbefall hindeuteten. Der Boden bestand nur aus kargem Boden und Fels mit struppigen Grasflecken. Der sich darüber spannende Himmel und die düsteren gedämpften Farben von Tirisfal Glades standen in einem wilden Kontrast zu den lebendigen Farben der anderen Gegenden, die ich gesehen hatte. Die gesamte Umgebung half mir bei der Vorstellung, dass ich das Land der Untoten durchquerte. Jeder kann heutzutage total verschiedene Landschaften mit den heutigen Grafikwerkzeugen schaffen. Es ist der unterschwellige Anstrich, der es ausmacht – und WoW hat dies schaufelweise.

Das zweite, was mir auffiel war, wie schnell sich das Spiel spielte. Ich war es gewohnt, dass Handlungen in MMO”s ewig dauern. Kampf? 10 Minuten. Durch die Landschaft reisen? Eine halbe Stunde von einer Stadt zur anderen. Heilung, nun, man setzt sich besser für eine ganze Weile. Meine anfänglichen Heilkräuter erforderten nur 21 Sekunden Rast, um wieder volle Kraft zu haben. Die normale Laufgeschwindigkeit ließ mich die komplette Anfängerzone in Minuten durchqueren und der Kampf gegen eine Kreatur erforderte nur wenige Minuten bis zum Ende.

[Bild: …und hier, Schüler, könnt ihr einen Ork sehen, dessen Gesicht in den Dreck gestampft wurde (Anm.: Frau mit 7 Kindern in Stormwind)]

Kaplan schien erfreut, dass ich das bemerkt hatte. Er teilte mir mit, dass es eine absichtliche Entscheidung der Spielentwickler war, das Spiel zu beschleunigen. Noch einmal sagte er mir, dass sich Blizzards Entwickler während des Entwicklungsprozesses permanent fragen,”Was mache ich jetzt?”. In diesem Fall lautete die Frage, “Wird mir jetzt langweilig?”

Die normale MMO-Spielgeschwindigkeit des Spiels anzukurbeln und sicherzustellen, dass der Spieler immer etwas interessantes zu tun hat empfand ich als eine der besten Entscheidungen die Blizzard treffen konnte. Es verführte mich auf jeden Fall dazu, mehr zu spielen. Während der ganzen ersten fünf Level war ich immer bestrebt, weiterzumachen, mehr zu sehen, den nächsten Auftrag zu bekommen, genug Stufen zu bekommen, um herauszufinden, was jenseits des Horizonts ist.

Puspuss kam schließlich zurück. Er hatte aufgeholt und wir wollten uns eine der größeren Aufträge ansehen. Wir vereinigten unsere Kräfte wieder und gingen zurück zu dem untoten General. Wir beide bekamen die Aufgabe, den Anführer der Scharlachroten Kreuzfahrer zu erledigen, der mit seinem Haufen Gefolgsleute in einem menschlichen Zeltlager unweit der Stadt herumlungert. Die Scharlachroten Kreuzfahrer sind eine Gruppe von Menschen, die im Land der Untoten leben – viele sind ehemalige Bürger von Lordaeron. Verrückt geworden durch die Zerstörung ihrer Nation leben sie nun nur noch dazu, um Untote zu töten.

[Bild: Azeroth hat die schlimmsten Delikatessen überhaupt! ]

Es war ein harter Kampf, besonders für zwei Zauberer, aber schließlich gewannen wir (Ok, wir starben beide drei mal). Ich schaffte es, einen blauen Perlenbeutel aufzusammeln, einen sehr seltenen Gegenstand, der mir mehr Inventarplätze verschaffte. Puspuss mußte zufrieden sein mit dem Silber, das er für das Schwert bekam, das er nicht nutzen konnte und wir beide bekamen einen Auftragsgegenstand – einen Brief, der im Detail die Truppenbewegungen der Scharlachroten Kreuzfahrer beschrieb. Als wir ihn zurückbrachten löste der General unseren ersten “Brotkrumenauftrag” aus. Wir sollten den Hain von Tirisfal hinter uns lassen und in das Nachbartal ziehen, wo eine Gruppe Menschen darum kämpften, ihre Farmgemeinschaft am laufen zu halten. Wir sollten den Brief dort zu einem anderen Untoten bringen, um weitere Missionen zu bekommen.

Wir mußten Tirisfal Glades natürlich nicht verlassen – es gibt noch mehr zu tun und zu erforschen, aber wir stellten fest, dass wir unsere ersten Schritte in eine noch viel größere Welt machten. Das war zudem das Ende unserer Spielzeit – was ich mit verständlichem Protest bekundete. In diesen wenigen Spielstunden hatte ich mehr Spaß als bei wochenlangem Spielen anderer MMO”s. Ich sprach Blizzard für ihre Arbeit bis hierhin meinen Lob aus und versprach, das ich vollkommen verrückt werden würde, wenn sie mich nicht in die Beta lassen, wann auch immer diese anfängt! Wenn dies passiert könnt ihr sicher sein, das ihr alle Details bekommt.

(Verspätet eingefügter Kommentar von Warrior:)
Hey Delsyn, PusPuss ist allerdings ein ehrwürdiger Name in der Untotengesellschaft. Wenn du ihn also nicht magst dann geh doch und spiel einen dieser schwächlichen Gnome oder dieser weichlichen Elfen. Der Name Delsyn passt bei einem von denen besser. Nun zu dem Spiel selber – ich bin von der Art beeindruckt, wie das Entwicklungsteam der Geschichte von Azeroth treu geblieben ist. Und da die meisten von ihnen MMORPG-Veteranen sind, versuchen sie auf glaubhabfte Weise, die frustrierenden Inhalte von WoW”s Vorgängern und Zeitgenossen anzugehen. Das Spiel hat alle Voraussetzungen für ein großartiges MMO. Ich habe PusPuss bereits für einen Betaplatz eingetragen.

Morgen : Wir lernen mehr über das Gildensystem in WoW.