Hallo Lynata, stell dich doch bitte erst einmal vor.

Puh, was gibt es da zu sagen… Mein echter Name ist Steffen Reinke, ich bin mittlerweile 25 Jahre alt, berufstätig und seit etwa 1998 passionierter Rollenspieler, auch abseits vom Computer. Zum Rollenspiel fand ich demnach schon lange vor WoW, aber das interessante Warcraft-Setting hat es mir einfach angetan. Ironischerweise habe ich mich lange gegen das Spiel gesperrt und hatte viele Vorurteile, da ich der Meinung war, dass kommerzielle MMORPGs aufgrund der breiten Zielgruppe eine denkbar schlechte Plattform für qualitativ gutes Rollenspiel sind. Diese Meinung hat sich nicht unbedingt geändert, aber mittlerweile habe ich akzeptiert, dass man auch in WoW gutes RP haben kann. Man darf nur eben keine zu hohen Erwartungen mitbringen und sollte sich von vornherein damit abfinden, Teil einer Minderheit zu sein. Ich für meinen Teil habe jedenfalls Spaß, hauptsächlich natürlich wegen all der Mitspieler, die ich im Laufe der Zeit kennen gelernt habe.

Dein Charakter ist ja ein Mensch Paladin, wo siedelst du ihn in der Welt im Rollenspiel an?

In der Fraktion des Scharlachroten Kreuzzugs. Man könnte also sagen, ich habe mich vom normalen vorgezeichneten Pfad der Charaktere etwas entfernt. Ich gebe mir dabei Mühe, den Charakter trotz dieser Besonderheit als Teil der Welt darzustellen, um die Atmosphäre des Rollenspiels damit zu bereichern. Mein Ziel ist dabei neben dem eigenen Spaß auch, anderen Spielern gegenüber etwas bieten zu können. Man könnte also sagen, dieser Charakter wäre so etwas wie ein gespielter NPC.

Ist es schwer mit einem solchen Hintergrund normale Ziele, wie zum Beispiel das Raiden einer Schlachtzuginstanz, in Einklang zu bringen?

Für gewöhnlich ja – es gibt nur wenige Instanzen, wo ein solcher Charakter vom Lore her Sinn machen würde. Schließlich widmet sich der Kreuzzug fast ausschließlich der Bedrohung durch Untote. Das heißt allerdings nicht, dass ich nicht auch andere Instanzen besuchen würde – nur tue ich dies dann out-of-character, ich spiele meine Rolle dann also nicht aktiv aus. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, handle ich die meisten Quests und Instanzen OOC ab, denn wenn man sich einmal die Spielwelt und ihre Eigenheiten anschaut, könnte man es sowieso kaum logisch begründen, wie man hier ständig in-character bleiben soll. Das fängt bei nicht zur Klasse passenden Quests an und geht bis hin zu solchen Dingen wie Respawn, Wipes oder Bosskills, die man meiner Meinung nach im Rollenspiel schlichtweg nicht erklären kann oder sollte.

Wie empfindest du das Umfeld auf dem Zirkel generell?

Im Bezug auf das Rollenspiel unterscheidet sich der Zirkel wohl kaum von anderen RP-Servern. Wie üblich sind auch hier die Rollenspieler eher die Minderheit, dennoch gibt es aber viele gute Spieler und Spielergruppen, die sich Mühe geben und immer wieder interessante Plots auf die Beine stellen. Wenn man RP will, kann man es finden. Ein weiterer positiver Aspekt ist auch, dass die Community dieses Servers relativ erwachsen miteinander umgeht und es Spaß macht, mit den Leuten zu reden – sei es nun im Spiel selbst, im Forum oder auch in unserem inoffiziellen IRC-Channel.

Man hört ja einige grausige Geschichten von Out of Charakter-Orgien in den öffentlichen Channels oder in manchen Startgebieten.

Ja, das ist leider üblich in WoW. Und eben einer jener Gründe, wieso ich so negativ über kommerzielle MMORPGs denke, denn das ist nicht nur hier so. Da reicht die Palette von Pseudo-Rollenspielern, die eigentlich nur cybern wollen und deren Charaktere gar nicht zum Setting passen, bis hin zu diversen Scherzbolden, denen es Spaß zu machen scheint, sich über Rollenspieler lustig zu machen oder gar langgeplante Events zu sabotieren. Hier sollte man definitiv eine dicke Haut entwickeln und lernen, derartige Dinge auszublenden – sich über so etwas aufzuregen bringt nicht viel.

Was denkst du wie man diese Art von bewussten Stören anderer Spieler durch OOC-Aktionen vermeiden beziehungsweise unterbinden kann?

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: gar nicht. Hier könnte höchstens ein strengeres Durchgreifen durch die Gamemaster helfen, allerdings haben die genügend andere Dinge zu tun und es gibt einfach viel zu viele Spieler in WoW, als dass man hier noch viel machen könnte. Die Spielerbasis ist zu unübersichtlich, zu groß geworden. Die Rollenspieler selbst haben jedoch oft die Chance, hier selbst etwas zu machen. Auf dem Zirkel gab es eine Zeit lang eine so genannte RP-Patrouille, die es sich zum Ziel setzte, all die neuen und unerfahrenen Spieler im Elwynn-Gebiet “abzufangen” und in qualitativ höherwertiges RP zu verwickeln, ehe sie in die Goldshire-Falle tappen und dort nicht mehr wegkommen. Nach anfänglicher Skepsis muss ich sagen, dass dieses Projekt erstaunlich viel Erfolg hatte. Eine andere Möglichkeit wäre auch der Zusammenschluss und das “Fortmobben” von Spielern, die kein Interesse am RP zeigen, wie es etwa auf “Die Aldor” praktiziert wird. Das mag recht hässlich und elitär wirken, ironischerweise hat jedoch auch diese Methode sichtbare Erfolge erzielt. Silvermoon ist dort praktisch OOC-frei, und das ist schon eine enorme Leistung im Vergleich zu den anderen Realms.

Dennoch möchte ich allen Rollenspielern den gut gemeinten Rat geben, etwas mehr Toleranz zu entwickeln, ebenso wie auch die Fähigkeit, gewisse Sachen einfach zu ignorieren. “Spielen und spielen lassen”, sozusagen. Im Endeffekt hat man so mehr Spaß am Spiel und vergeudet weniger Zeit damit, sich über Kleinigkeiten aufzuregen – manchmal sogar noch völlig unbegründet.

Gibt es Seiten oder Portale wo sich Rollenspieler austauschen und verabreden, wie zum Beispiel wie www.pvpsource.com?

Es gibt natürlich das offizielle Forum, wo regelmäßig durchaus interessante Diskussionen geführt werden. Dann auch noch viele Webseiten von diversen Gilden, die neben ihrem eigenen Programm auch noch Aspekte des Rollenspiels gemäß der Gildenschwerpunkte erläutern – wie zum Beispiel http://www.kaldorei.com für Nachtelfen. Darüber hinaus noch solche kleinen Sachen wie inoffizielle IRC-Chaträume oder auch Chatkanäle im Spiel selbst. Die meisten RP-Server haben mindestens zwei (einer pro Fraktion) Channel für Gespräche zum Thema Rollenspiel. Interessierte Spieler sollten diesbezüglich das Realmforum lesen, wo solche Dinge dann auch beworben werden.


Lynata als Bleistiftzeichnung

Ok kommen wir zu den Scharlachroten, denkst du dass Blizzard die Fraktion jemals als vollwertige Fraktion in das Spiel implementiert?

Die kommende Erweiterung “Wrath of the Lich King” bietet dafür zumindest eine gute Vorlage. Immerhin waren die Scharlachroten schon einmal hier, und ihre gesamte Agenda basiert auf dem Krieg gegen den Lichkönig. Ich habe diesbezüglich ein gutes Gefühl.

Was würde sich als Umsetzung anbieten? Ein System ähnlich der Blutritter, wo der Spieler nach und nach in den Rängen aufsteigt? Immerhin sind die meisten Anführer des Kreuzzugs ja tot beziehungsweise im Kampf gefallen oder als Untoter unterwegs (Todesritter Mograine).

Eine echte Mitgliedschaft ist vermutlich schwierig. Der Kreuzzug ist recht xenophobisch und duldet bislang nur Menschen, Zwerge und Hochelfen in seinen Reihen. Würde man das Lore konsequent umsetzen, müsste Blizzard die Scharlachroten also entweder entschärfen oder Spieler anderer Völker benachteiligen – und Letzteres ist undenkbar.

Zudem sind die Spielercharaktere ja normalerweise recht unabhängig und schon fast als Söldner unterwegs. Wer einmal Mitglied im Kreuzzug ist, der wird danach nicht einfach so woanders hingehen. Ein Beitritt würde die Spielercharaktere also zu sehr verpflichten und binden. Ich denke, es würde stattdessen wie bei der Argentumdämmerung auf eine Art Kooperation hinauslaufen, möglicherweise eine Ehrenmitgliedschaft. Schon jetzt kann man ja seit dem Naxxramas-Patch an der Kapelle des Lichts Quests für Abgesandte des Kreuzzugs erfüllen und sich mit Insignien dieser Organisation belohnen lassen.

Könnte man nicht als Ausgleich Spieler anderer Völker mit einer eigenen Fraktion bedenken? Zum Beispiel die Wächter der Nachtelfen, tiefere Strukturen im Zirkel oder die etwa Schurkenfraktion Ravenholdt?

Das ist zweifellos eine sehr schöne Idee, die ich auch begrüßen würde. Rudimentär sind derartige Gruppen ja bereits im Spiel vorhanden, wenn man sich etwa die Silverwing anschaut. Das Hauptaugenmerk der Entwickler liegt wohl aber erst einmal auf anderen Dingen, was ja auch nachvollziehbar ist. Auf lange Sicht hin würden solche Mini-Fraktionen aber natürlich viel Potenzial bieten.

Könnte man die Fraktionen nicht vielleicht in einer “Instanz” ansiedeln, die in dem HDZ-Komplex angesiedelt ist? Man kann sich das so vorstellen, dass man in ein Gebiet tritt, welches einen Teil der Spielwelt darstellt (zum Beispiel Tirisfal plus die Pestländer) und man dort, ähnlich wie in einem normalen Gebiet, verschiedene Solo- und Gruppen-Quests absoliveren kann, welche sich um die Geschichte einer Fraktion drehen. Inklusive verschiedener Aufstiegsmöglichkeiten oder Rassenanpassungen beim Kreuzzug.

Auch das ist an sich eine gute Idee, aber dies würde wohl an der Konsistenz der Spielwelt zehren. Sobald man diese Instanz verlässt, wäre ja wieder alles beim Alten. Und Einzelaufgaben wären schon deswegen unpraktisch, weil WoW als MMO ja auf den Multiplayer-Content aufbaut. Spieler da allein in eigenen Instanzen “wegzuschließen” liefe dieser Idee zuwider. Im Zuge der Höhlen der Zeit kann man diesen Content aber sicher noch antasten. Angeplant ist ja bereits, Arthas während der Säuberung von Stratholme zu begleiten.

Thema WOTLK: Ashbringer – eine never ending Story?

Ich bin überzeugt davon, dass die Ashbringer-Story in WotLK ihren Höhepunkt und ihr Ende erreichen wird. Alle bisher bekannten Indizien deuten jedenfalls darauf hin.

Was hälst du von dem Gerücht, dass Tirion Fordring das Schwert erhalten soll?

Ich persönlich hoffe auf einen Showdown zwischen Tirion und Arthas, beide mit ihren legendären Waffen. Frostmourne gegen Ashbringer, Licht gegen Dunkelheit, der ultimative Kampf zwischen Gut und Böse. Mittlerweile bin ich aber auch recht froh darüber, dass der Ashbringer in die Hände eines NPCs gehen soll. Ich möchte diese Waffe ebensowenig in den Händen irgendeines Spielercharakters sehen wie Frostmourne. Denn seien wir ehrlich: jene Leute, die in der Regel eine Chance auf solche Items haben, können meist gar nichts mit dem wahren Wert dieser Gegenstände anfangen. Für sie sind es nur Zahlen und DPS-Werte, die Wenigsten kennen den ganzen Hintergrund. Zudem bliebe so die Einzigartigkeit des Schwertes gewahrt.

Kleine Spekulation, wer Mograine”s zweiter Sohn ist?

Ich tippe auf einen im Lore noch nicht vorhandenen Charakter. Die weit verbreiteten Annahmen im Bezug auf David Wayne und Khadgar teile ich nicht, denn angesichts von Fairbanks” Äußerungen und der Familientradition scheint festzustehen, dass es ein renommierter Paladin sein muss. Turalyon wäre eine Option, aber der dürfte wohl einfach zu alt sein, um hier in das Schema zu passen.


Rollenspielgruppe im Scharlachroten Kloster

Was hälst du von den Blutrittern?

Ähnlich wie die Kreuzzügler bieten auch die Blutritter als düstere, ihre eigenen Ziele verfolgende Gruppe eine enorme Menge Potential für spannende Plots. Die Skrupellosigkeit dieser regimetreuen und kompromisslosen Erzwinger besitzt einen ganz eigenen Flair und passt zum düsteren Hintergrund, in welchem sich die Sin”dorei als Volk bewegen.

Sorgen mache ich mir diesbezüglich nur wegen dem Sunwell-Patch. Wenn man nach dem geht, was man mittlerweile auf dem PTR sieht, laufen die Blutelfen wohl Gefahr, viel von diesem Flair zu verlieren. Die Zeit wird zeigen, was dabei nun am Ende herauskommt.

Gibt es überhaupt irgendwelche Begründungen, wie die Blutritter ihre Kraft erhalten oder werden sie einfach konvertieren?

So ungern ich das angesichts der vergangenen Taten der Blutritter auch sehe, die Anzeichen deuten wohl auf eine einfache Konvertierung hin. Das beseitigt natürlich einige mögliche diplomatische Probleme mit Thrall, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass sich die einstmals stylischen Blutelfen langsam zu Horde-Hochelfen verwandeln. Und das passt angesichts der Beziehungen der Sin”dorei zu den Verlassenen oder der dämonischen Teufelskorruption der Blutelfen gar nicht.

Wobei das eher eine Frage wäre, ob die Blutelfen überhaupt eine Fraktion für die Horde wären.

Richtig. Angesichts ihrer Vergangenheit hätte es eher zu den Blutelfen gepasst, neutral zu verbleiben. Ältere Quellenbücher erwähnen explizit, wie sehr die Orcs die Sin”dorei für die praktizierte Dämonologie verabscheuen. Andererseits sind die Blutelfen wohl auch jetzt noch immer kein integraler Bestandteil der Horde – ähnlich wie bei den Verlassenen handelt es sich dem Lore nach wohl um ein reines Zweckbündnis. Beide Parteien brauchen einander zu sehr, um sich zu ignorieren.

Mit dem Patch 2.4 wird ja erstmals die Umgebung und die Quests direkt verändert, lernte man als junger Paladin kurz nach Release noch die Macht von M’uru kennen wird es jetzt ein Ersatz geben – ist die beständige Fortentwicklung der Spielwelt von Nöten?

Von Nöten vielleicht nicht, aber in jedem Fall ein netter Aspekt, welcher der Spielwelt ein gewisses Maß an Dynamik verleiht. Eben soviel, wie dies in einer doch eher statischen Welt möglich ist. Ich hoffe darauf, dass Blizz derartige Entwicklungen auch weiterhin realisiert, wenn das Experiment mit 2.4 entsprechend zufriedenstellend ausfällt. Auch, was man bislang vom Kampf auf der Sunwell-Insel weiß, klingt ja sehr spannend.

Wäre es nicht im Laufe des Patches 2.4 oder des Addons sinnvoll, die Blutelfen in die Silberne Hand zu intrigieren?

Sinnvoll nicht unbedingt, immerhin haben die Blutritter als Orden den echten Paladinen einstmals der Silbernen Hand faktisch den Krieg erklärt. Möglich wäre es dennoch. Mit der neuesten Entwicklung der Story um die Blutritter wollte man bei Blizz vermutlich auch sicherstellen, dass Spieler dieser Charaktere im nächsten Addon ebenfalls Quests von Tirion Fordring annehmen und verfolgen können.

Wie sähe eine Ashbringer/ Tirion Fordring/ Silberne Hand-Storyline deiner Meinung nach aus?

Ashbringer besitzt als Artefakt unter den Lichtgläubigen einen enorm mächtigen Einfluss. Mit dieser Waffe in der Hand könnte es Tirion trotz seinem eher negativen Ruf – immerhin wurde er von Uther höchstselbst aus der Allianz und der Alten Silbernen Hand verbannt – gelingen, eine eigene Liga an lichttreuen Streitern zu formieren und gegen Arthas zu führen. Ein Bündnis aus Silberhand, Kreuzzug, Dämmerung und Blutrittern im finalen Kampf gegen den Lichkönig. Und am Ende ein epischer Kampf zwischen dem letzten noch verbliebenen Gründungsmitglied der Alten Silberhand – und ihrem Zerstörer, dem Verräterprinz Arthas.

Du vergisst die Hand von Argus.

Ah, natürlich. Ohne Zweifel auch ein möglicher Teil dieser Liga, wenn sich der Lichtglaube der Draenei auch nicht ganz mit den Traditionen der azerothischen Kirche deckt.

Hast du ein persönliches Lieblingsquest oder Event?

Die Fordring-Questreihe mit Taelans Schicksal oder der Ashbringer-Event sind natürlich sehr genial. Auch der Abschluss der “Draenei-Minikampagne” auf Bloodmyst Isle hat sich bei mir als sehr liebevoll designt eingeprägt. Ich kann mich so spontan aber nur schwer zwischen diesen Dingen entscheiden.

Und gibt es auch ein absolutes No-Go für dich?

Im Bezug auf Quests/Events, meinst du? Prinzipiell nicht, auch wenn einige Quests mitunter den Anschein erwecken, nicht so recht zum Szenario zu passen oder gar kleinere Lore-Fehler enthalten. Da drücke ich dann einfach ein Auge zu – wie schon gesagt handle ich die meisten Quests ja eh OOC ab. Auch als Rollenspieler will man zwischen dem RP auch einfach mal nur Spaß am Spiel haben. Sei es im PvP oder PvE.


Rollenspielgruppe in Andorhal