Von Amalindis

Neben dem aktuellen Warcraft Roman „Kriegsverbrechen“ erschien am 19. Mai 2014 auch ein neuer Roman „Untergang der Aspekte“ von Richard A. Knaak, der sich mit dem Verbleib der vier Drachenaspekte nach dem Kampf gegen Todesschwinge beschäftigt. Untergang der Aspekte wurde in der deutschen Version als Handcover beim Panini Verlag veröffentlicht und zeigt auch schon in der Verarbeitung des Buches an sich, dass Blizzard hier wieder auf ein hochwertiges Auftreten in Form von einem Tiefdruck auf dem Cover sowie einem schönen Umschlagdruck setzt.

Die Handlung

Die Geschichte des Prologs setzt im Verlauf von Cataclysm ein, während sich die vier Drachenaspekte mit Horde und Allianz verbünden, um gegen den ehemaligen Erdenwächter Neltharion anzutreten. Dieser Einstieg stellt vor allem noch einmal Bezug zu den Geschehnissen im Warcraft Universum her, damit die folgende Geschichte nicht ganz losgelöst eingeordnet wird.

Zum Schmunzeln bringt einen dabei noch einmal der leicht versteckte Hinweis auf die damals anstehende Erweiterung Mists of Pandaria, während sich Thrall mit der Erde verband um gegen Todesschwinge anzukämpfen „Irgendwo im Großen Meer lag eine mysteriöse Insel, verborgen im Nebel…“.

Der Prolog endet mit der recht philosophischen Frage vom blauen Drachenaspekt Kalecgos was aus den Aspekten wird, wenn sie ihre Aufgabe, die Stunde des Zwielichts zu verhindern, erfüllt haben, woraufhin sich eine gewisse Ratlosigkeit unter den Drachen breit macht.

Kalecgos, im weiteren Verlauf meist Kalec genannt, wird in der eigentlichen Romanhandlung zur Hauptfigur und widmet sich dieser Sinnsuche ausführlich, auch wenn er noch nicht so lang ein Aspekt wie die anderen war. Nachdem sich die Drachenaspekte ein letztes Mal beim Wyrmruhtempel, nach der Zerstörung Theramores, treffen fliegt Kalec auf dem Weg zum Nexus über das Skelett von Galakrond dem Drachenvater und wird durch Magie auf ein ihm unbekanntes Artefakt beim Skelett aufmerksam.

Dieses Artefakt löst bei ihm eine Vision aus, in welcher er als junger Malygos, noch als Protodrache auf Alexstraza trifft. Er lernt alle kommenden Drachenaspekte nach und nach aus der Sicht von Malygos kennen und erfährt die Hintergrundgeschichte wie die Protodrachen zu den Aspekten worden, die sie bis vor kurzem noch verkörperten. Insbesondere das Kennenlernen von Neltharion als damals noch grauen Drachen verstört ihn immer wieder aufgrund des ihm bekannten Kataklysmus.

Doch im Fokus steht in dieser Vergangenheit die Vereinigung aller Protodrachen gegen einen gemeinsamen Feind: Galakrond. Dieser war einst ebenfalls nur ein Protodrache wie sie, fing dann aber an andere Protodrachen zu fressen und wurde daraufhin eine Bedrohung für alle Drachen.

Während Kalec sich immer wieder in seinen Visionen als junger Protodrache Malygos verliert und diese auch nur als Zuschauer wahrnimmt, also nicht beeinflussen kann, verändert sich sein realer Körper im weiter zurück zu einem Protodrachen. Er droht mit der Vision und somit der Vergangenheit zu verschmelzen und kann sich immer weniger an sein eigenes Leben erinnern.

Jaina Prachtmeer macht sich ebenfalls Sorgen um Kalec, da er sie zwischen seinen Visionen immer wieder abwimmelt, beschließt sie ihn im Nexus aufzusuchen und bekommt dort den magischen Einfluss des Artefakts zu spüren.

Wie die Protodrachen am Ende Galakrond stoppen können und ob sich Kalec aus den Visionen unbeschadet befreien kann, verrate ich euch natürlich an dieser Stelle nicht.

Stilistik

Hauptthema

Meiner Meinung nach behandelt der Untergang der Aspekte zwei große Themenbereiche, da sich die Handlung quasi in zwei Zeitebenen abspielt. In der aktuellen Zeitlinie steht der Sinn des Lebens bei den Drachenaspekten im Vordergrund. Gerade Kalec macht sich sehr viele Gedanken zum weiteren Dasein der Drachenschwärme und kann es nicht so recht verstehen warum die anderen drei ihre Situation so gefasst aufnehmen.

In der Zeitlinie der Vergangenheit steht der klassische Kampf Gut gegen Böse im Zentrum der Ereignisse, denn die Protodrachen müssen einen Weg finden ihre Art vor dem drachenfressenden Galakrond zu retten. Doch gerade die Guten in dieser Geschichte werden vom Zuschauer Kalec immer wieder angezweifelt, da damals auch Neltharion einen entscheidenden Beitrag im Kampf gegen Galagrond geleistet hat. Er würde es natürlich aufgrund der jüngsten Vergangenheit gern sehen, dass der spätere Todesschwinge von Galakrond verschlungen würde.

Beide Themen haben allerdings gemeinsam, dass immer wieder gezweifelt und hinterfragt wird. Die Hauptfigur Kalec driftet dabei regelmäßig in fast philosophische Fragestellungen ab und verliert sich auch gern mal in was-wäre-wenn Situationen.

Sprache

Richard A. Knaak, im Klappentext als New York Times-Bestsellerautor betitelt, hat bereits an zahlreichen Warcraft Romanen und Kurzgeschichten mitgearbeitet. Seine Texte sind daher mit sehr vielen inhaltlichen Details des Warcraft Universums gespickt, sodass die Zusammenhänge auch Laien verständlich erklärt werden. Sehr gern setzt er dafür Rückblenden ein, um bspw. Die Bedeutung des Wyrmruhtempels während der Nexuskriege zu betonen.

Die Atmosphäre wird durch detailreiche Beschreibungen sehr ausgeschmückt vor allem wenn es um die Beschreibung des jeweiligen Gegners geht, hebt er die Bedrohlichkeit besonders hervor „Eine gewaltige Metallplatte (…) war an sein äschernes Gesicht geschraubt.“

Die erzählende Person ist kein Bestandteil des Geschehens und beschreibt die Geschichte der Hauptfiguren, weswegen der Roman in der Er-Form gehalten ist. Der hohe Detailgrad der Beschreibungen lässt auf einen Erzählinstanz in großer Nähe schließen. Dadurch kann der Autor einen sehr guten Spannungsbogen aufbauen und die Geschichte in einzelne Szenen unterteilen, was vor allem dem Wechsel der beiden Zeitebenen zugutekommt.

Die Dramaturgie verstärkt sich ebenfalls durch den begrenzten Winkel aus dem man die Ereignisse betrachtet. Man weiß zwar, dass die Drachenaspekte lebend aus dem Kampf mit Galakrond kommen müssen, da sie ja noch in der aktuellen Zeitlinie existieren, dennoch kommen bei den durchaus dramatischen Szenen immer wieder Zweifel auf, ob es wirklich weiterhin so kommen wird.

Die Beziehung zwischen Kalec und Jaina wird in diesem Roman noch einmal insbesondere durch die angedeuteten narrativen Rückblenden hervorgehoben, wobei man erst am Ende den eigentlichen Stellenwert der beiden zueinander erkennt.

Inhalt

Mit dem überraschenden Einstieg in die Geschehnisse während des Kataklysmus setzt Knaak sehr früh in das Geschehen ein, bevor der eigentliche „Sprung“ in die Vergangenheit kommt. Wie in einem Fantasy-Roman üblich erklärt sich dieses Erzählen früherer Erlebnisse mithilfe eines magischen Artefakts. Die Spannung wird trotzdem man eigentlich weiß, dass es gut ausgehen muss, immer wieder oben gehalten.

Die Handlung an sich ist schlüssig erzählt und kann somit auch von Einsteigern genauso wie von Warcraft-Fans gelesen werden. Der Epilog lässt leider ein recht offenes Ende, welches viel Spielraum für Spekulationen lässt. Allerdings wird der Handlungsstrang um die ehemaligen Drachenaspekte hoffentlich in einem weiteren Roman oder in der kommenden Erweiterung Warlords of Draenor erneut aufgegriffen.

Mein Fazit

Leider muss ich gestehen, dass mich dieser Warcraft-Roman nicht so sehr gefesselt hat, wie die bisher gelesenen. Zum einen kann dies an der ausführlichen Schilderung der Vergangenheit liegen, da man ja irgendwie doch im Gefühl hat, dass noch alles gut ausgeht und keine überraschende Wendung erwartet.

Zum anderen aber auch, weil der eigentliche Gegenspieler des Romans in meinen Augen zunehmend einfältig dargestellt wird. Im Laufe der Geschichte wird immer wieder unterschwellig betont, dass Galakrond ein recht dummer, vom Hunger getriebener Protodrache ist und selbst seine Fallen recht schnell zu durchschauen sind. Außerdem wird gerade im letzten Viertel des Buches zu oft betont, wie sehr er nach jeder Mahlzeit gewachsen ist. Diese ständige Wiederholung schlägt irgendwann von Bedrohlichkeit in Lächerlichkeit um, sodass mir immer wieder der Wolf und die drei kleinen Schweinchen einfielen, bei denen der Wolf ebenfalls jedes Mal noch mehr hustete und prustete.

Insgesamt ist Untergang der Aspekte aber ein sehr solider Warcraft-Roman, der auch wieder einige tiefere Einblicke in die verschiedenen Beziehungen der Protagonisten untereinander gibt. Für jeden Fan der verschiedenen Drachenschwärme also sicher ein Must-have, um die Anfänge als Protodrachen nachzuvollziehen.

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