Wenn Mails von Blizzard im Postfach landen, dann ist das meist ein Grund zur Freude. Steht ein dickes Invitation im Betreff, ist die Freude meist noch größer. Und eine solche Mail hat mich vor ein paar Wochen erreicht. Darin wurde ich nach Versailles ins EU-Hauptquartier von Blizzard eingeladen, um mich ein paar Stunden in Draenor rumtreiben zu dürfen. Und was soll ich sagen: natürlich war ich sofort dabei.

Und so war ich nun in der vergangenen Woche in Frankreich und habe mir dort die Startgebiete der beiden Fraktionen in Draenor im Detail ansehen können. Und diese Erfahrung will ich euch natürlich nicht vorenthalten. Dabei solltet ihr aber folgendes immer im Hinterkopf bewahren: Bei dem, was ich anspielen durfte, handelt es sich noch nicht einmal um eine Beta, was bedeutet, dass der Client durchaus noch seine Macken hat, viele Dinge gar nicht drin sind und sich alles noch in Entwicklung befindet.

Neue Charaktermodelle

Als erstes habe ich mich natürlich in die Charakterentwicklung begeben, um mir die neuen Modelle anzusehen. Dabei waren in dem Client, den wir spielen durften noch nicht alle angekündigten Modelle drin. Ich habe mich dann einfach für zwei Klassiker entschieden und einen männlichen Orc auf Seiten der Horde und einen männlichen Zwerg auf Seiten der Allianz erstellt. Generell kann ich sagen: Blizzard hat nicht zu viel versprochen und hier ganze Arbeit geleistet.

Nicht nur, dass die Modelle einfach viel feiner und detailreicher wirken. Vor allem die Mimik und Gestik der Charaktere macht den großen Unterschied. Bewegungen bei Emoticons wirken wesentlich weniger hölzern, das Mienenspiel im Gesicht meines Orcs war einfach nur toll zu beobachten und hat bei der ein oder anderen Fratze zu echten Lachern geführt. Bei meinem Zwerg konnte ich die Mimik leider nicht so gut erkennen, denn da war ein wunderbar animierter Bart im Weg.

Die neuen Charaktermodelle sind wirklich richtig sexy!
Was für mich aber eigentlich noch wichtiger war: Ich habe die alten Charaktere in der normalen Verfolgeransicht wiedererkannt. Zwar sieht der Bewegungsablauf auch beim Laufen besser und flüssiger aus als vorher, aber man hat trotzdem weiterhin das Gefühl, einen bekannten Charakter vor sich zu haben. So führen die neuen Charaktermodelle nicht dazu, dass man sich von seinem Charakter entfremdet und diesen nicht mehr wiedererkennt.

Draenor

Nach der Charaktererstellung habe ich mich natürlich sofort auf den neuen Kontinent Draenor begeben. Hier ist einiges anders, als wir es in WoW gewohnt sind, also fassen wir die neuen, optischen Änderungen zusammen, bevor wir uns den beiden Startgebieten Schattenmondtal (Allianz) und Frostfeuergrat (Horde) zuwenden.

Wenn man sich das erste Mal in Draenor aufhält, gibt es eine Sache an der Landschaft, die einem sofort auffällt, und das sind die Felsen. So seltsam und irgendwie simpel das klingt, aber sie sehen wesentlich detaillierter aus, als es bisher der Fall war. Das liegt an einer neuen Methode, mit der diese generiert werden. Bisher hat Blizzard einfach ein paar Polygone gebaut, darüber eine Textur gepackt und fertig war der Klotz. Dabei kamen dann meist diese scharfkantigen und irgendwie etwas plump wirkenden Felsen heraus.

Damit ist es nun vorbei. In Draenor wird die Form des Felsens anhand der Textur berechnet. So geht der Client hin und errechnet anhand von hellen und dunklen Stellen der Textur das Polygon-Modell, was auf der einen Seite recht ressourcensparend ist, auf der anderen aber zu wesentlich natürlicheren Felsformationen und Oberflächen führt. So sind die Oberflächen nun weniger glatt, sie sehen zerklüfteter aus und im Endeffekt bringt das die Grafik in WoW ungefähr einen so großen Schritt weiter, wie es damals das neue und wesentlich realistischere Wasser geschafft hat. Sieht sehr schick aus!

Acht neue Gebiete bietet Draenor, wobei die Insel im Nord-Osten Ashran ist, die Open PvP-Zone.
Ein weiterer Punkt, den wir bisher noch nie in WoW gesehen haben: Blumen und Gräser, die die Oberfläche der Zonen bevölkern, werden von eurem Charakter nun beiseite gedrückt, wenn er hindurch läuft. Das lässt die Umgebung sehr viel belebter und weniger statisch wirken. Zugegeben, dieser Effekt ist nichts, was einem sofort ins Auge springt, aber er verbessert das Aussehen der Welt schon um einiges.

Ansonsten bekommen wir natürlich den bisherigen Standard geliefert. So sind die Gegner und Kreaturen in Draenor auf Niveau derer aus Pandaria, stehen also den neuen Charaktermodellen in nichts nach. Atmosphärische Beleuchtung, Special Effects und wie immer sehr verzaubernde Himmel runden das Bild bisher gut ab. Was aber noch auffällt: Viele der Tiere und auch einige der Gegner in Draenor erinnern sehr, sehr stark an ihre Vorgänger aus The Burning Crusade. Klar, auch damals gab es auf Draenor schon Oger, Talbuks, Sporensegler und Elekks, aber hier hätte Blizzard durchaus etwas mehr Neu in die Modelle stecken können. Denn irgendwie wirkt es etwas langweilig, wenn man schon wieder mir einer doch recht ähnlichen Fauna begrüßt wird. Aber vielleicht sind hier auch einfach noch nicht die fertigen Modelle im Spiel.

Schattenmondtal

Das Startgebiet der Allianz ist optisch sehr eindrucksvoll. So finden wir hier eine düstere, aber auch saftige und grüne Landschaft vor. Das Schattenmondtal war also auch schon vor der Verderbnis durch die dämonischen Energien ein eher dunkler Ort. Die Story in der Zone startet gleich mit einem großen Knall, denn der hier ansässige Tempel der Draenei (später der Black Temple) wird von den Orcs des Schattenmondclans unter Führung von Ner’zhul angegriffen.

Blizzard macht hier also das Versprechen wahr und wir begegnen sofort einigen ikonischen Figuren. Prophet Velen steht in den Reihen der Verteidiger und kämpft an Seite der Spieler, Ner’zhul hingegen gibt den Bösewicht, der sich auch hier schon mit dunklen Figuren und Magien einlässt. Ich will hier nicht gleich mit einem dicken Spoiler um die Ecke kommen, aber das Ende der Zone ist mit einem gewaltigen und für viele sicher überraschenden Twist gekrönt, der Game of Thrones Charakter hat. Lasst euch überraschen.

Dieser gewaltige Mond ist wohl auch namensgebend für das Schattenmondtal.
Abwechslung findet sich in diesem Gebiet auch, denn wir kämpfen nicht nur in unterschiedlichen Ecken gegen unterschiedliche Gegnertypen, sondern auch die Landschaft ist durchaus abwechslungsreich. Zum Thema Quests kommen wir dann etwas weiter unten noch.

Frostfeuergrat

Das Gebiet der Horde ist im Gegensatz zu dem der Allianz etwas… trist. So haben wir es hier mit einer großen Eiswüste zu tun, die in weiten Teilen an ein Sturmgipfel oder Eiskrone erinnert. Das Gebiet wirkt also eher leer und fade, was aber durch seine Bewohner und einige Details wieder gut aufgeholt wird. Aber: der Ersteindruck ist hier sicher nicht der Beste.

Auch hier finden wir wieder ein paar Kreaturen, die wir schon aus Burning Crusade kennen und das Land ist leider weniger abwechslungsreich, als das Schattenmondtal. Dafür treffen wir hier gleich eine ganze Menge altbekannter Warcraft-Größen. So ist natürlich Durotan hier unser Auftraggeber, wir treffen Thrall und sogar dessen Eltern. Doch: Der Beginn der Storyline ist hier auch etwas dröger, als bei der Allianz.

Schnee und Fels im Frostfeuergrad. Aber hier kann man auch schön die neuen, detaillierteren Felsen in Draenor sehen.
Denn es geht los mit dem Kampf gegen die Oger, welche dem Frostwolfclan einige Probleme bereiten. Dabei leiten wir gemeinsam mit Thrall und Durotan den Angriff auf eine ihrer Burgen und treiben uns dort eine ganze Weile rum und kloppen den dummen Dickerchen auf die Mütze.

Fähigkeiten und die Squish

Anders als bei den Charaktermodellen, sind die Anpassungen an den Klassen vermutlich noch ziemlich am Anfang. Es fällt sofort auf: Es gibt weniger Skills als vorher. Jeder Klasse fehlt die eine oder andere Fähigkeit und vieles wurde in Passives verwandelt. Gefehlt hat mir eigentlich nicht wirklich etwas, es war nur teilweise etwas Umgewöhnung notwendig.

Eine Änderung, die mir hingegen erst später aufgefallen ist, ist die Itemsquish. Und es ist gut, dass mir das zunächst gar nicht auffiel. Erst nach ca. einer halben Stunde dachte ich plötzlich: Man, die Schadenszahlen sind aber niedrig. Dabei sind die Kämpfe genauso wie vorher, man hat also keine Probleme oder es verändert auch nichts. Mein höchster Crit auf Stufe 90 mit passabler Ausrüstung lag irgendwo knapp über 5000 Schaden, was ein sehr angenehmer Wert ist. Hier scheint Blizzard auch sehr gute Arbeit geleistet zu haben.

Die viel besprochene Itemquetsche funktioniert bisher einwandfrei.
Generell war hier aber noch einiges sehr unfertig. So fehlten Talente in den Talentbäumen, einige Fähigkeiten hatten andere Auswirkungen als die Tooltipps es verrieten und so weiter. Aber an den Klassen wird Blizzard im Verlauf der Beta auch sicher noch rumschrauben.

Quests

Dies ist ein Punkt, der mir bisher noch nicht so wirklich gut gefallen hat. Das Questdesign ist irgendwie typisch WoW. Wo wir im Jadewald und im Tal der vier Winde in Pandaria gesehen haben, was Blizzard alles kann, so sehen wir hier, dass sie es bisher in Draenor nicht wiederholen. Klar, es wird mehr Story erzählt, als es sonst in Cata oder davor der Fall war, aber die Aufgaben sind so spannend wie ein gewöhnlicher Einkaufszettel.

Hole 4 davon, töte X, töte 20 Y, stecke eine Fahne in die Leichen von 20 Ogern und so weiter und so fort. Dabei war das Startgebiet der Allianz auch in diesem Punkt spannender als das der Horde. Aber auch hier ist alles immer noch sehr linear und alt bekannt. Doch: Wir wissen, dass Blizzard den Jadewald auch erst kurz vor Release des Spiels in seinen heutigen, tollen Zustand gebracht hat. Da das Spiel noch in einer sehr frühen Phase steckt, kann sich also auch hier noch einige tun.

Dieser illustren Runde begegnen wir beim Questen ziemlich oft. Schon in den Startgebieten gibt es einigen Kontakt mit Größen der Warcraft-Vergangenheit.
Die Geschichte an sich ist dabei in beiden Gebieten wirklich toll und bietet schon einen guten Einblick in all das, was uns hier an Lore erwartet. Auch toll: An vielen Ecken finden wir Dinge, die wir entdecken können. Viele rare Gegner, kleine neue Quests, man wird also auch auf dem Weg von A nach B sehr gut beschäftigt und kann durchaus auch abseits der Wege Interessantes entdecken.

Fazit

Es sind nur zwei Gebiete und die in einer sehr frühen Phase. Also lässt sich hier bisher noch kein schlüssiges Fazit ziehen. Eins möchte ich aber trotzdem in den Raum werfen: Draenor sieht schick aus und scheint ein wirklich schöner und interessanter Kontinent zu werden, welcher uns mit vielen Neuerungen verzaubern kann.

Doch bitte, Blizzard: Wer auch immer für die Quests im Jadewald zuständig war, gebt ihm mehr Verantwortung und macht das Gameplay beim Leveln in Draenor zu einem echten Abenteuer. Die Story bietet so viele Chancen, tolle Geschichten zu erzählen, also hoffen wir, dass wir das in Draenor erleben können. Blizzard hat es drauf, das wissen wir nicht erst seit Pandaria. Also freuen wir uns gemeinsam auf die Warlords und vor allem auf Draenor.